Neue Höchstspannungsleitung wird die Ämtler Silhouette kaum verändern

Die Netzbetreiberin Swissgrid informierte über das Projekt Niederwil–Obfelden

Zoomaufnahme von der Fussgängerbrücke nördlich der Autobahnraststätte Knonauer Amt nach Nordwesten. In diesem Bereich können bestehende Masten für die neue 380-Kilovolt-Leitung nach Niederwil AG benutzt werden.

Zoomaufnahme von der Fussgängerbrücke nördlich der Autobahnraststätte Knonauer Amt nach Nordwesten. In diesem Bereich können bestehende Masten für die neue 380-Kilovolt-Leitung nach Niederwil AG benutzt werden.

Sie informierten über das Stromleitungsprojekt: Jan Schenk (Mediensprecher Swissgrid), Matthias Schmid (Mitglied Projektteam), Sandra Bläuer (Projektkommunikation) und Martin Roth (Leiter Netzprojekte Swissgrid). (Bilder Marcus Weiss)

Sie informierten über das Stromleitungsprojekt: Jan Schenk (Mediensprecher Swissgrid), Matthias Schmid (Mitglied Projektteam), Sandra Bläuer (Projektkommunikation) und Martin Roth (Leiter Netzprojekte Swissgrid). (Bilder Marcus Weiss)

Die wirklich signifikanten Änderungen werden auf Aargauer Gebiet geschehen, dies ist an der Medienkonferenz der Netzbetreiberin Swissgrid in Niederwil AG schnell deutlich geworden. So wird bei der Erneuerung der Höchstspannungsleitung Niederwil–Obfelden ein Abschnitt in Erdkabel verlegt, und die Trassenführung der als Freileitung geplanten Strecke weicht zugunsten von Mensch und Natur teilweise deutlich von der bisherigen ab. Auf der den Bezirk Affoltern betreffenden Strecke von der Kantonsgrenze nördlich von Ottenbach bis zum Unterwerk Obfelden wird die neu als 380-Kilovolt-Leitung ausgeführte Verbindung (die aktuell in Betrieb befindliche Leitung hat 220 Kilovolt) ziemlich exakt der bisherigen Trassenführung folgen und entlang der Autobahn A4 sogar schon bestehende Masten nutzen können. Letzteres ist dabei der weitsichtigen Planung im Zuge der definitiven Festlegung der Linienführung des Autobahnprojekts zu verdanken. Bei dessen Realisierung war eine Infrastrukturbündelung angestrebt worden und in Folge deren die in den 1990er-Jahren errichteten und für eine künftige Umrüstung geeigneten Freileitungsstrecken parallel zur Autobahn platziert worden.

Beseitigung von Engpass im Übertragungsnetz

Nach dem Ende August 2022 der Bundesrat den Korridor und die Technologie für die neue Leitung Niederwil–Obfelden festgelegt hatte, hat Swissgrid als Eigentümerin der Infrastruktur nun das detaillierte Bauprojekt ausgearbeitet. Laut der in diesen Tagen herausgegebenen Information an die Bevölkerung, die auch als Flyer in alle Haushalte der betroffenen Gemeinden verteilt wird, ist die Leitung ein Teil des Ausbauprogramms zwischen den Unterwerken Beznau (AG) und Mettlen (Gemeinde Eschenbach, LU).

Mit der Spannungserhöhung auf dieser wichtigen Achse werde ein Engpass im Übertragungsnetz beseitigt, was für die Versorgungssicherheit des Mittellandes und des Grossraums Zürich essenziell sei. Das Ganze habe aber auch eine internationale Dimension: «Unser Netz ist stark ins europäische Netz eingebunden, es gibt 41 grenzüberschreitende Leitungen», erklärte Sandra Bläuer, Senior Communication Manager bei Swissgrid. Nur mit diesen Verbindungen über die Landesgrenzen hinweg könne man Strom mit den Nachbarländern austauschen und sich auch gegenseitig bei Engpässen aushelfen, was gerade in der kalten Jahreszeit von besonderer Relevanz sei.

Die Kommunikationsverantwortliche erinnerte auch daran, dass die Schweiz mit dem im Jahr 1958 in Betrieb genommenen «Stern von Laufenburg» als Wiege des europäischen Verbundnetzes bezeichnet werden könne.

Für die Erneuerung der Höchstspannungsleitung Niederwil–Obfelden habe der Bundesrat im Sachplanverfahren eine Kombination aus Freileitung und rund 4,4 Kilometer Erdkabelverlegung unter der geschützten Reusslandschaft festgesetzt. Eine vollständige Erdverlegung sei nach sorgfältiger Interessenabwägung abgelehnt worden. Die neuen Leitungsmasten werden gemäss Swissgrid aus Stahlfachwerk bestehen und eine Höhe von 55 bis 89 Meter erreichen, wobei auf den Strecken mit freier Landschaft der in der Schweiz weitverbreitete sogenannte Tonnenmast mit drei Auslegerebenen zum Einsatz kommen wird. Zur Waldüberspannung werde hingegen das Mastbild «Donau» mit nur zwei Auslegerebenen gewählt. Dieses Mastdesign mit weiter auskragenden Auslegern wird künftig beispielsweise im Bereich des Unterwerks Niederwil und bei Besenbüren zu sehen sein, nicht aber auf dem zürcherischen Abschnitt der Höchstspannungsleitung.

Bisherige Praxis bei Stromleitungsplanung an Wendepunkt

Bei der Medienveranstaltung in Niederwil wurde auch die Frage thematisiert, warum die neue 380-Kilovolt-Leitung nicht gänzlich als Erdkabel geplant wurde. Es zeigte sich, dass die unterirdische Verlegung mehr Herausforderungen mit sich bringt, als allgemein bekannt ist, und dass man bezüglich dieser Methode an einem Wendepunkt steht. «Wir haben bis jetzt immer verschiedene Varianten ausgearbeitet bei der Planung einer neuen Stromtrasse», erläuterte Sandra Bläuer. «Führt man die Leitung als Freileitung oder unterirdisch, diese Frage stand stets im Zentrum», so die Beschreibung der bisherigen Praxis. Dabei sei das jeweils anstehende Projekt isoliert betrachtet worden, nicht im schweizerischen Gesamtkontext. Der Technologieentscheid liege dabei nicht bei Swissgrid, sondern beim Bundesrat, der auf Empfehlung einer Begleitgruppe seine Entscheidung trifft. Bei diesem Vorgehen nehme der Anteil der Erdkabel stark zu, und es ergäben sich wachsende technische, betriebliche und wirtschaftliche Herausforderungen.

«Erdkabel haben grosse Nachteile gegenüber Freileitungen»

Ein grosses Thema sei bei der Erdverkabelung die sogenannte Blindleistung, deren Anteil an der beförderten Energie bei der unterirdischen Verlegung der Leitungen um das Zwanzig- bis Dreissigfache zunehme. «Blindleistung steht im Gegensatz zu Wirkleistung, sie verstopft quasi unsere Leitungen», lautet die für Aussenstehende verständliche Erklärung. Es seien zusätzliche Kompensationen nötig, um Netzschäden zu vermeiden. Ein weiteres Problem ist gemäss Swissgrid die Tatsache, dass Erdkabel Resonanzfrequenzen senken, sodass das Risiko von Schwingungsverstärkungen steige. «Ein Netzwiederaufbau nach einem Blackout wird verunmöglicht», heisst es in der an die Medienvertreter ausgehändigten Zusammenfassung der «Kabelstudie Schweiz». Dort ist auch zu lesen, dass als Fazit dieser Studie hervorgegangen sei, dass der Anteil an Erdkabeln im Übertragungsnetz tief gehalten werden müsse. «Ein ‹Weiter wie bisher› gefährdet den stabilen Netzbetrieb und die Versorgungssicherheit und ist deshalb keine Option», lautet der in den Medienunterlagen in roter Schrift hervorgehobene Kernsatz.

Ferner wurde an der Infoveranstaltung betont, dass die Auswirkungen auf die Umwelt beim Bau von unterirdischen Höchstspannungsverbindungen weitaus höher seien, als es allgemein angenommen werde. So müssten Schneisen von 25 Metern Breite in die Landschaft gegraben werden, und beim ausschliesslichen Bau von Erdkabeltrassen wären wegen der Blindleistungs-Problematik Kompensationsanlagen nötig, von denen jede einzelne eine Fläche von mehreren Fussballfeldern beanspruche.

«Das nun vor der öffentlichen Auflage stehende Ausführungsprojekt zwischen Niederwil und Obfelden ist aus einer Auswahl von ursprünglich fünf Varianten hervorgegangen», erklärte Martin Roth, Leiter Netzprojekte bei Swissgrid, an der Medienkonferenz. «Klares Ziel war es, mehr Abstand zu Siedlungsgebieten zu halten», betonte er. Matthias Schmid, Mitglied des Projektteams, führte ferner aus, dass die neue Leitung mit nur 35 Masten auskomme, während bei der bisherigen noch 49 dieser Stahlgittertürme benötigt worden seien.

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