Warum Zug die Maschwander Badi mitfinanzierte
1982 führte starke Verschmutzung der Lorze zum grossen Fischsterben

Nachdem in Hagendorn beim Befüllen eines Tanks letzte Woche eine grössere Menge an Heizöl in die Lorze floss («Anzeiger» vom 10. März) kommen zumindest Älteren Erinnerungen hoch an ihr Schicksal früherer Tage: Während vieler Jahre litt die Wasserqualität der Lorze wegen permanenter Verunreinigungen durch die Zuger Industrie. Das gipfelte Anfang Juni 1982 in einem grossen Fischsterben: 5,2 Tonnen tote Fische entnahmen damals Vertreter der Seepolizei dem idyllischen, in eine Auenlandschaft von nationaler Bedeutung eingebetteten Fluss, der nach Hagendorn nach ein paar Kilometern im «Rüssspitz» in die Reuss fliesst.
Nach jahrelangen Problemen hinsichtlich Wasserqualität brachte dieser Super-GAU das Fass zum Überlaufen. Der «Anzeiger» schrieb von skandalösen Vorkommnissen, die sowohl den Maschwander Gemeinderat als auch die Zuger und Zürcher Baudirektion auf den Plan riefen. Seit Jahren fliesse die doppelte Menge an Schmutzstoffen ins Wasser, die vom kantonalen Amt für Umwelt toleriert würde – Schmutzwasser, das für 30000 Einwohner ausreichen würde, schrieb der Gemeinderat Maschwanden damals in einem Brandbrief nach Zürich und Zug.
Die Zuger zierten sich, und es kam zu gegenseitigen Anschuldigungen. Es folgten Antworten, die der damalige Maschwander Gemeindepräsident Max Bühlmann als «fadenscheinig» bezeichnete. Er legte sogar noch einen drauf: Das Schreiben aus Zug lasse erkennen, dass sich der Kanton keine Gedanken mache über den schlechten Zustand der Lorze und die beiden angeprangerten Industriebetriebe «quasi ein Gewohnheitsrecht» besässen, ihren Schmutz in die niedliche Lorze leiten zu dürfen. Es war damals einer unter zahlreichen geharnischten Schriftenwechseln zwischen lokalen Behörden und kantonalen Ämtern: Da war von Schönfärberei und unverbindlichen Aussagen die Rede, ergänzt durch einen «ungeheuerlichen Vorwurf aus Zug»: Die Maschwander hätten beim Fischsterben die Wasserproben nicht rechtzeitig veranlasst – ein haltloser Vorwurf, wie sich herausstellte.
Keine strafrechtlichen Folgen
Maschwanden forderte verbindliche Auflagen von der Zuger Baudirektion für die beiden Industriebetriebe. Immerhin kam es zu einer Aussprache in Zürich unter der Leitung des damaligen Baudirektors Albert Sigrist und mit Zuger Beteiligung – mit der Erkenntnis: Das Fischsterben in der Lorze Anfang Juni 1982 sei auf eine Kumulation negativer Faktoren zurückzuführen, die zu Sauerstoffmangel führten. Als Gründe wurden die Vorbelastung aus dem Zugersee, die Abwässer von Papierfabrik und Pavatex, Cham, und die extreme Niederwasserführung genannt. Eine von der Gemeinde Maschwanden gestellte Rechnung in der Höhe von 5000 Franken für Kosten, die rund um das Fischsterben entstanden, akzeptierte der Kanton Zug umgehend. In strafrechtlicher Hinsicht blieb die massive Verschmutzung, die – zusammen mit Sauerstoffmangel – zum Fischsterben geführt hatte, ohne Folgen. Und mit der umfassenden Sanierung der Abwasserreinigungsanlage Friesencham liess sich das Wasserproblem der Lorze Jahre später lösen.
Das «schlechte Gewissen» wegen der unzureichenden Wasserqualität plagte die Zuger aber schon Jahre zuvor: Der Gemeinde-Chronik von Bernhard Schneider ist zu entnehmen, dass die Papierfabrik Cham 10000 Franken an das 1971 eingeweihte Maschwander Schwimmbad beisteuerte. Sie übernahm ausserdem die Kosten für die Schreinerarbeiten, die wesentlich mehr ausmachten als die in bar gespendeten 10000 Franken. Die neue Badi, die ja heute aus Kostengründen als Naturbad kaum Überlebenschancen hat, ersetzte damals die beiden Badestellen an der Lorze mit räumlich getrennten Einstiegsbereichen für Frauen und Männer.
Guter Fischbestand
Die Lorze ist heute aus Sicht der Fischerei ein einwandfreies Gewässer mit gutem Fischbestand. Der Wels, Egli, Hecht, Karpfen, Brachsmen, Alet, Schleyen und andere fühlen sich wohl. Befischt wird insbesondere der in der Lorze seit etwa fünf Jahren heimische Wels, der viele Kleinfische frisst. «Wir haben nach dem Einfluss von Heizöl in Hagendorn bisher kein Fischsterben festgestellt», sagt Nico Rochat, Pächter an der Lorze. Er verweist auf Schäden durch die Biber, die mit ihrer Wühlarbeit das Ufer unterhöhlen und die Lorze breiter machen. Möglich seien aber nach dem Unfall in Hagendorf Öl-Ablagerungen in Flusslaufecken – dort, wo nun die Laichsaison im Gange ist.


