Neues organisatorisches Kleid für den Sozialdienst

Zwei interkommunale Anstalten als gemeinsames Dach für alle 14 Säuliämtler Gemeinden

Auf dem Weg zur Neuorganisation des Ämtler Sozialdienstes. (Bild -ter.)
Auf dem Weg zur Neuorganisation des Ämtler Sozialdienstes. (Bild -ter.)

Zuerst war die Kündigung des Bezirkshauptorts, der seit Anfang dieses Jahres punkto Sozialdienst – mit Ausnahme der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) – komplett selbstständig fährt, danach kündigten mit Bonstetten, Stallikon und Wettswil weitere Gemeinden, welche zumindest die Sozial- und Wirtschaftshilfe aus dem Zweckverband Sozialdienst herauslösen wollen. «Das Bekenntnis zur gemeinsamen Entwicklung des Bezirks im Sozialbereich schwindet», stellte in der Folge der Vorstand des Zweckverbandes fest und bemühte sich entsprechend in Zusammenarbeit mit den Gemeinden um Lösungen.

Gemeinsames Dach für alle 14 Gemeinden

Jetzt, so macht es den Anschein, ist man diesen Lösungen einen entscheidenden Schritt nähergerückt. Das Resultat der intensiven und engagierten Arbeit einer breit abgestützten und von allen 14 Gemeinden getragenen Projektgruppe «Soziales Netz Knonaueramt» (SoNeK) ist als Konzept «Neue Sozialorganisation Knonauer-amt» (NeSoK) zur Vernehmlassung in die Gemeinden gegangen.

Die damit vorgeschlagene neue Organisation NeSoK bildet das gemeinsame Dach über allen 14 Gemeinden des Bezirks Affoltern, unter dem die Kesb- und Sozialdienstleistungen (SD) mit den Modulen Berufsbeistandschaft, Sozial- und Wirtschaftshilfe, Persönliche Hilfe, Suchtberatung und Asyl wie bisher angeboten werden. Von Gesetzes wegen sind alle Gemeinden Mitglied der Kesb- Organisation, während beim Sozialdienst ein Leistungsangebot mit Wahlfreiheit bezüglich Umfang des Leistungsbezugs (Module) möglich sein wird. Dazu wird zwischen Mitglied-Gemeinden, die sämtliche Module beanspruchen, und Nicht-Mitglied-Gemeinden mit nur einzelnen Modulen unterschieden.

Vorgeschlagen sind neu zweiInterkommunale Anstalten

Die Rechtsform der NeSoK soll weiterhin öffentlich-rechtlich sein. Angesichts der Tatsache, dass, die organisatorischen Rahmenbedingungen des Zweckverbandes, gemäss der von der Kantonsverfassung geforderten Überarbeitung aller Zweckverbandsstatuten, den betrieblichen Anforderungen im Sozialwesen nicht mehr genügen, schlägt die Projektgruppe vor, den heutigen Zweckverband in je eine interkommunale Anstalt (IKA) für die Kesb- und die SD-Organisation zu überführen. Die IKA, die ähnlich einer privatrechtlichen Stiftung funktioniert, ist einfacher und flexibler als der Zweckverband, zudem lassen sich damit auch politisch-strategische und operative Betriebsführung entflechten.

Die beiden IKA bilden die unterschiedlichen Mitgliedschaften und Stimmrechte der Gemeinden bei der Kesb bzw. SD ab, während der Support Backoffice im SD die erforderlichen Infrastrukturleistungen, wie FiBu, Personalverwaltung, Empfang, Informatik, Räume für beide Organisationen anbietet. Die strategische Führung erfolgt durch Zielvorgaben, die operative Ebene rapportiert die Zielerreichung mit entsprechenden Kennzahlen. Die Ablauforganisation wird zunächst von der heutigen Organisation übernommen und dann in der Umsetzungsphase nach dem Start der neuen Organisation optimiert.

Als Ziel definiert die Projektgruppe: «Das Leistungsangebot ist attraktiv und führt zur Bereitschaft verschiedener Gemeinden, gemeinsam zu handeln und schwankenden Leistungsbedarf auszugleichen.»

Zuversicht in den Gemeinden

Mit der Neuorganisation scheint man eine Lösung gefunden zu haben, in welcher sich alle Gemeinden finden können, wie Nachfragen belegen.Monika Rohr, Sozialvorsteherin Stallikon sagt dazu: «Wir Unterämtler Gemeinden sind sehr an einer funktionierenden neuen Organisation interessiert und auch überzeugt, dass diese auf sehr gutem Weg ist. Es ist etwas sehr Tragfähiges entstanden, an welchem sämtliche Gemeinden mit hohem Engagement beteiligt waren. Die vorgeschlagene Lösung mit den beiden Interkommunalen Anstalten Sozialdienst und Kesb garantiert zukünftig eine klar verbesserte Trennung von strategischer und operativer Ebene, was schnelleres Handeln zulässt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die neue Organisation vielfach Verbesserungen bringen wird.»

Auch Esther Franceschini, Sozialvorsteherin in Aeugst, zeigt sich hinsichtlich der Neuorganisation optimistisch: «Für eine kleine Gemeinde wie Aeugst ist es sehr wichtig, dass man weiterhin alles ganzheitlich angeboten bekommt. Wir waren ja bereits mit der bisherigen Organisation sehr gut bedient und sind überzeugt, dass man mit einem Zusammenschluss mehrerer Gemeinden unter einem Dach im Bereich Sozialwesen für die Zukunft besser gerüstet ist.»

«Gute Grundlage zur erfolgreichen Entwicklung ...»

Die Mitglieder der Projektgruppe, so wird seitens der Gemeinden signalisiert, hätten gute Arbeit geleistet – und dies in relativ kurzer Zeit. Dies, so halten Projektgruppenmitglieder fest, sei nur möglich gewesen, weil die Zusammenarbeit von Anfang an schlüssig und einvernehmlich war. Projektgruppenmitglied Hermann Brütsch, Immobilienvorstand Affoltern, bestätigt: «Die Arbeit in der Projektgruppe war stimmig. Die Diskussionen waren intensiv, die einzelnen Anliegen wurden, ebenso wie die Einwände, klar und deutlich eingebracht. Das ermöglichte erst so schnelle und gute Resultate. Die Situation der Gemeinden ist teilweise sehr unterschiedlich, was aber durch die offenen Diskussionen und die Bereitschaft, aufeinander einzugehen, zu keiner Zeit des Projektes ein Thema war.» Brütschs Fazit zum Resultat fällt ebenso positiv aus: «Als Projektgruppenmitglied bin ich mit dem vorliegenden Ergebnis durchaus zufrieden. Es besteht jetzt eine gute Grundlage zu einer erfolgreichen weiteren Entwicklung von Kesb und Sozialdienst. Als Gemeinderat und ehemaliger Sozialvorstand freut mich das Resultat unserer Arbeit ebenso. Nicht zuletzt deshalb, weil der Austritt von Affoltern der eigentliche Auslöser dieses Prozesses war. Ich bedauere aber auch sehr, dass er nicht schon früher stattfand. Jetzt ist jedoch wichtig, dass der eingeschlagene Weg weiter verfolgt wird und die Ergebnisse aus dem Projekt konsequent umgesetzt werden.»

Operativer Start ab 2018

Der Fahrplan der Neuorganisation sieht vor, dass die relevanten Fragen bezüglich Solidarität, Aufbau- und Ablauforganisation, Kostenrechnung/Finanzielles, Rechtsform sowie Mitwirkung der Gemeinden bis Mitte Juli geklärt und verabschiedet sind. Dazu entscheiden alle 14 Gemeinden vor den Sommerferien 2016, welche Leistungen sie künftig von NeSoK beziehen werden. Bis im Herbst werden dann sämtliche Dokumente zur breiten Information der Bevölkerung bereit sein, damit die Gemeindeversammlungen im Dezember über die Auflösung des Zweckverbandes und die Gründung der Nachfolgegesellschaften abstimmen können. Im Februar kommenden Jahres können die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger dann anlässlich einer Volksabstimmung zu den nachfolgenden Interkommunalen Anstalten Stellung beziehen.

Ab April 2017 können bei einem positiven Entscheid diese IKA starten und schrittweise die Geschäfte und Mitarbeitenden des Zweckverbandes übernehmen. Bis zur Auflösung des Zweckverbandes, welche Ende nächsten Jahres definitiv würde, kümmert sich der Zweckverbands-Vorstand nach wie vor um die laufenden Geschäfte.

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