Neuzuziehende persönlich zu begrüssen, zahlt sich aus

Immer mehr Zürcher Gemeinden begrüssen ihre Neuzuziehenden im Rahmen von individuellen Begrüssungsgesprächen, so auch Wettswil. Dies ist für beide Seiten ein Gewinn, wie jetzt eine Untersuchung der kantonalen Fachstelle für Integrationsfragen belegt.

Jedes Jahr ziehen gut 30000 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit neu in den Kanton Zürich. Um ihnen das Ankommen zu erleichtern, hat sich der Kanton zwei Ziele gesetzt: Alle aus dem Ausland zuziehenden Personen sollen sich willkommen fühlen und über die hiesigen Lebensbedingungen und die wichtigsten Integrationsangebote informiert sein. Die Fachstelle für Integrationsfragen stellt den Gemeinden für persönliche Erstgespräche einen Leitfaden und weitere Hilfsmittel zur Verfügung.

In Wettswil findet das Begrüssungsgespräch direkt am Schalter statt, wenn sich die Neuzuzüger anmelden. Generell werden alle informiert, «wenn wir Integrationsbedarf feststellen, etwas vertieft», erklärt Remo Buob, Leiter der Einwohnerkontrolle. Wettswil hat zu diesem Zweck eigens eine 24-seitige Broschüre zusammengestellt. «Integration bedeutet nicht, seine Wurzeln zu verleugnen», heisst es darin unter anderem, «Integration bedeutet, das neue Land kennen zu lernen, sich mit den Gepflogenheiten auseinanderzusetzen und neue Kontakte zu knüpfen.»

Vereine als beste Form von Integration

Konkret werden den Zuzügern Werte und Gepflogenheiten nähergebracht, es geht um politisches Grundwissen, Versicherungen und Gebühren, aber auch um Rücksichtnahme, Einkaufsmöglichkeiten und Kinderbetreuung. «Die beste Form von Integration bieten Vereine», weiss Buob.

Bis zu einer Stunde nehmen er oder Mitarbeiterin Chantal Kern sich Zeit für dieses Erstgespräch. Zeit, die sich lohnt – nicht nur, weil der Kanton mitfinanziert: «Wir wollen, dass die Leute sich wohlfühlen im Dorf und dass sie wissen, wie sie sich verhalten sollen», erklärt Remo Buob, der auch den Verband Zürcher Einwohnerkontrollen präsidiert.

Inwiefern diese Gespräche tatsächlich die erwünschte Wirkung zeigen, liess die Fachstelle für Integrationsfragen in einer breit angelegten Studie untersuchen. Im Frühling 2015 lud das beauftragte Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) alle Zürcher Gemeinden ein, an einer Befragung teilzunehmen, um die Angebote im Bereich der Erstinformation detailliert zu erfassen. Rund 100 Gemeinden nahmen die Einladung an. Im Sommer und Herbst 2015 wurden alle neu zugezogenen Ausländerinnen und Ausländer im Kanton Zürich befragt.

Positive Wirkung bestätigt

Das Resultat aus den 1700 auswertbaren Fragebögen belegt die Wirkung der Gespräche. Personen, die an Begrüssungsgesprächen teilgenommen haben, sind besser informiert, besuchen eher einen Deutschkurs oder ein anderes Integrationsangebot und empfinden die Behörden als freundlicher.

Bereits die Einladung für ein individuelles Erstgespräch erhöht das Gefühl, am neuen Ort willkommen zu sein. Die Zuziehenden schätzen den freundlichen Empfang und die Möglichkeit, leicht zu wichtigen Informationen über die neue Gemeinde zu gelangen.

Die Studie bestätigt, dass ein Schlüssel zu einem erfolgreichen Einleben am neuen Ort das Gefühl ist, willkommen zu sein. Gemeinden, die eine aktive Willkommenskultur pflegen, profitieren. Individuelle Erstgespräche sind ?– neben anderen Massnahmen ?– ein geeignetes Instrument, diese Kultur zu stärken. Der Integrationsprozess hängt einerseits von den Integrationsbemühungen der Zuziehenden ab, wird aber nicht zuletzt massgeblich von der Haltung der Aufnahmegesellschaft geprägt. Freundlichkeit, Respekt, Offenheit und das Schaffen von geeigneten Strukturen tragen dazu bei, dass Neuzuziehenden das Ankommen gelingt.

«Die Rückmeldungen sind sehr positiv», darf auch Remo Buob verkünden. Die Methode von Wettswil versteht er als Musterlösung für kleine und mittelgrosse Gemeinden. So ergebe sich niederschwellig und kostenneutral von Anfang an ein gutes Verhältnis. «Das steht und fällt natürlich mit den Leuten am Schalter», betont er. (pd./tst.)

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