«Nimmt dir Zeit, freundlich zu sein»

In seiner Festrede in Stallikon hat sich Statthalter Claude Schmidt mit der Befindlichkeit der Schweizer auseinandergesetzt. Dabei hat er herausgefunden: Die Befragten sehen die Schweizer Identität nicht einzig durch die EU und die Zuwanderung bedroht, sondern auch durch Egoismus.

Die Umfrage einer Schweizer Grossbank unter dem Titel «Schweiz, wohin geht es? Sorgenbarometer 2015» zur Identität und Befindlichkeit der Schweizerinnen und Schweizer dienten Claude Schmidt als Grundlage zu seiner ersten 1.-August-Rede in Stallikon – bisher weilte der Bezirksstatthalter am Nationalfeiertag stets in den Ferien.

Bei der Frage nach den grössten Sorgen der Schweizer Bevölkerung rangierten an erster Stelle nicht etwa Krieg, Terrorismus, Kriminalität, Gesundheit oder Umweltschutz, sondern die Angst vor Arbeitslosigkeit (56 Prozent), Ausländerfragen (43) und die Altersvorsorge (38). Besonders zum Nachdenken angeregt haben Schmidt die Antworten zur hiesigen Identität, wofür die Schweiz steht. An erster Stelle kommen Neutralität (32 Prozent), Sicherheit (19) und Landschaft (13). Weit abgeschlagen sind Solidarität, Freiheit und Sauberkeit. Ganz am Schluss, mit nur 9 Prozent, steht die Freundlichkeit. Auf die Frage schliesslich, durch welche Ursachen sie die Schweizer Identität bedroht sehen, gaben gleich viele die EU und den Egoismus als Gründe an.

Freundlichkeit leben

Schmidt forderte die Anwesenden auf: «Lasst uns Freundlichkeit leben!» Er wolle eine Brücke über den Graben der unerfreulichen Beziehungen, der lieblosen Kommunikation und des verloren gegangenen respektvollen Umgangs bauen. «Freundlichkeit ist eine Lebensart.» Dabei gehe es nicht einfach nur um gute Manieren. «Es geht darum, meinem Gegenüber Respekt zu zollen. Es geht um aufmerksames, anerkennendes, wohlwollendes, höfliches und mitfühlendes Verhalten.»

Freundlichkeit erlaube ihm, seinem Gegenüber liebenswürdig, rücksichtsvoll und mit Interesse und Gutmütigkeit zu begegnen. Freundlichkeit sei ein Geben und Nehmen. Er ermunterte die Anwesenden, Freundlichkeit wieder bewusst zur Tugend ihres alltäglichen Lebens zu machen und zitierte unter anderem ein isländisches Sprichwort: «Nimmt dir Zeit, freundlich zu sein. Es ist das Tor zum Glücklichsein.»

Bezüglich des grassierenden Egoismus fragte sich Schmidt rhetorisch: «Geht es hier letztlich auch um eine Form der Entsolidarisierung? Leidet die Schweiz tatsächlich unter Egozentrik, Narzissmus und Ichsucht?» Er plädierte nicht dafür, die eigenen Interessen völlig in den Hintergrund zu stellen. Er ermutigte aber dazu, einem kompromiss- und masslosen egoistischen Handeln, das uneingeschränkt dem eigenen Vorteil dient, abzuschwören. Und ermunterte, uneigennützig, hilfsbereit, grosszügig und selbstkritisch zu handeln. Zum Abschluss zitierte Schmidt den römischen Philosophen Seneca: «Ein Mensch, der nur an sich denkt und in allem seinen eigenen Vorteil sucht, kann nicht glücklich sein. Willst du für dich leben, lebe für andere!»

Weitere Artikel zu «Bezirk Affoltern», die sie interessieren könnten

In Stallikon geht es bei der Abstimmung über den Neubau einer Mehrzweckhalle und eines Schulhauses um das grösste Bauprojekt in der Geschichte der Gemeinde: Profilstangen beim Schulhaus Pünten, die die Dimension der Neubauten anzeigen. (Archivbild
Bezirk Affoltern31.08.2026

Anhaltende Diskussion um Stalliker Schulraum-Projekt

Infoabend deutet auf spannende Urnenabstimmung im September hin
Die drei attraktivsten Wohngemeinden in der Region Zürich-Aargau-Schaffhausen sind gemäss der UBS-Studie Aarau vor Baden und Schaffhausen («weit überdurchschnittlich»). Die Wohnattraktivität im nördlichen Säuliamt wird in sechs Gemeinden als
Bezirk Affoltern31.08.2026

Nicht jede Säuliämtler Gemeinde ist als Wohnort gleich attraktiv

Die UBS veröffentlicht zum zweiten Mal ihren Wohnattraktivitätsindikator
Baustelle in Aeugst: In der UBS-Studie ist die Gemeinde eine von sechs Ortschaften im Bezirk Affoltern mit einer "überdurchschnittlichen" Wohnqualität. (Bild Daniel Vaia)
Bezirk Affoltern31.08.2026

Einkommen beeinflusst Wohnattraktivität

Fortsetzung von Seite 1: «Nicht jede Säuliämtler Gemeinde ist als Wohnort gleich attraktiv»