Regionale Standortförderung braucht offene Grenzen
Der diesjährige Frühlingstreff Wirtschaft – Politik der Standortförderung Knonauer Amt war geprägt von einem engagierten Referat der Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin, Regierungsrätin Carmen Walker Späh. Der Präsident des neuen Vereins Standortförderung Knonauer Amt, Stefan Gyseler, erläuterte zuvor deren Neuorganisation.

Als Gastgeber begrüsste der Mettmenstetter Gemeindepräsident René Kälin die 180 Gäste. Die Gemeinde Mettmenstetten feiert während des ganzen Jahres, von Januar bis Dezember 2016, dass die älteste erhaltene Urkunde, in der sie namentlich erwähnt wird, vor 900 Jahren besiegelt worden ist. So war es naheliegend, dass die Standortförderung mit ihrem Frühjahrsanlass Mettmenstetten die Referenz erwies. Mettmenstetten habe seit dem Mittelalter eine vermittelnde Rolle gespielt, führte René Kälin aus, und sei bis heute zur Vermittlung bereit, beispielsweise in der solidarischen Zusammenarbeit in Zweckverbänden: «Wir wollen Bewährtes bewahren und bei Bedarf neue Formen schaffen.» Deshalb habe er sich als Mettmenstetter Gemeindepräsident auch aktiv im Rahmen der Neuorganisation der Standortförderung engagiert.
Offen für Unternehmen und Einzelpersonen
Auf diese Neuorganisation ging der Hausemer Gemeindepräsident, Stefan Gyseler, ein, der den neu gegründeten Verein Standortförderung Knonauer Amt präsidiert. Dem Verein gehören mit Ausnahme von Bonstetten alle Gemeinden des Bezirks an. Neu können auch Unternehmen, Verbände und Vereine sowie Einzelpersonen der Standortförderung beitreten.
In vier Foren, die je von einem Gemeindepräsident geleitet werden, sollen Sachverständige aus der Region konkrete Massnahmen erarbeiten. Es handelt sich um die vier Themenbereiche Umwelt-Energie, Wirtschaft-Landwirtschaft, Freizeit-Tourismus sowie Kultur. Zentral sei das Wir-Gefühl, schloss Stefan Gyseler: «Wir wollen unserem Lebensraum Sorge tragen. Dazu wollen wir gemeinsam Projekte für eine nachhaltige Zukunft entwickeln und umsetzen.»
Gute Rahmenbedingungen und Bilaterale Verträge
Regierungsrätin Carmen Walker Späh spannte den Bogen von der Regional- zur Weltwirtschaft, die mehr zusammenhingen als oft wahrgenommen. Sie warnte davor, aufgrund des Franken-Schocks falsche Schlüsse zu ziehen. Es sei richtig, dass die Nationalbank die Geldpolitik ohne direkten Einfluss der Politik bestimme: «Umso wichtiger ist es, dass die Politik dort den Hebel ansetzt, wo sie Einflussmöglichkeiten hat, bei der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für unsere Wirtschaft.»
Damit die Schweiz, der Kanton Zürich, das Knonauer Amt konkurrenzfähig bleiben, fuhr Carmen Walter Späh fort, sei es für Unternehmen lebensnotwendig, auf ausländische Arbeitskräfte zurückgreifen zu können, wenn sie auf dem heimischen Arbeitsmarkt nicht fündig werden. Deshalb setzte sich der Regierungsrat entschieden für den Erhalt der Bilateralen Verträge mit der EU ein: «Allein im Kanton Zürich sind es Hunderte von KMU, welche intensive Geschäftsbeziehungen mit verschiedenen europäischen Ländern pflegen. Die zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen müssen auf einer soliden Basis geregelt bleiben.»
Die Regierungsrätin betonte, dass Abstimmungsresultate durchaus die Arbeitssituation jedes Einzelnen betreffen können: «Manch einer, der sich bei der Masseneinwanderungsinitiative noch über das starke Wachstum beziehungsweise dessen Folgen gestört hat, sieht sich nun plötzlich mit zu wenig Wachstum und möglichem Arbeitsplatzverlust konfrontiert.»
Grosse Bedeutung der Standortförderung
Obwohl jede Region wirtschaftlich dem globalen Wettbewerb ausgesetzt sei, sei die regionale Interessenbündelung gegenüber dem Kanton ebenso wichtig wie die Förderung der regionalen Netzwerke. Dazu sei die regionale Standortförderung von grosser Bedeutung, gerade auch mit Anlässen wie dem Frühlingstreff, der Wirtschaft und Politik in lockerem Gespräch zusammenbringt.
Carmen Walker Späh gratulierte dem Verein Standortförderung Knonauer Amt zu seiner Gründung und begrüsste dessen Zielsetzung: «Wir alle stehen vor der grossen Herausforderung, künftig die so wichtige Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum und schonendem Umgang mit unserer Landschaft zu erreichen. Nur so schaffen wir es, dass auch künftige Generationen von dieser hohen Lebensqualität profitieren können.»


