Sammeln, bewahren und vermitteln

Sammeln, bewahren, vermitteln: Diese drei Begriffe bilden den Kern des Sammlungszentrums in Affoltern, das den Fundus bildet für Ausstellungen im Landesmuseum und den angegliederten Museen. Rund 850’000 Objekt-Datensätze sind vorhanden. Der Platz wird knapp. Eine Erweiterung auf der Ostseite steht an.

Edgar Hiltebrand (rechts) zeigt das erste, aus dem Jahr 1978 stammende Natel. Es wiegt 15 kg und kostete damals 16’000 Franken. (Bild Werner Schneiter)
Edgar Hiltebrand (rechts) zeigt das erste, aus dem Jahr 1978 stammende Natel. Es wiegt 15 kg und kostete damals 16’000 Franken. (Bild Werner Schneiter)

Das Mitte der 80er-Jahre in der Schweiz zuletzt errichtete Zeughaus in Affoltern wurde 20 Jahre später im Zuge der Armeereform überflüssig und 2007 einem neuen Zweck zugeführt. Im Sammlungszentrum, damals von Bundesrat Pascal Couchepin eingeweiht, brachte das Nationalmuseum (Landesmuseum) die an sieben Orten (!) eingelagerten Schätze aus der Vergangenheit an einem Ort zusammen. Sie bilden den Fundus für Ausstellungen im Landesmuseum (seit 1. August mit Neubau) und den dazugehörenden Museen. Rund 50 Mitarbeitende befassen sich in Affoltern mit Konservierung, Restaurierung und Forschung – insbesondere mit der Frage, wie die Materialien länger haltbar gemacht werden können. Insgesamt sind es rund 40 Vollzeitstellen. Regelmässig werden auch Zivildienstleistende beschäftigt, die für zwei oder drei Monate bei der Materialeinlagerung helfen.

Optimale klimatische Bedingungen

Im Gebäude 1 befindet sich das sogenannte Objektzentrum, wo unter optimalen klimatischen Bedingungen eingelagert wird. «Im Sammlungszentrum wird präventiv gearbeitet», sagt Edgar Hiltebrand, pensionierter Leiter Einlagerung, anlässlich einer Führung der FDP-Ortsgruppe Obfelden. Während des ganzen Jahres beträgt die Raumtemperatur 19,5 bis 20 Grad; die Luftfeuchtigkeit 50 Prozent, die Abweichung darf höchstens 5 Prozent betragen. Skulpturen zum Beispiel werden während zweier Monate in einer sogenannten Klimakammer aufbewahrt. Schädlinge, die sich in Holz einnisten, werden nicht chemisch bekämpft, sondern mit Stickstoff.

In Gebäude 2 sind Konservatoren-Restauratoren am Werk. Dort ist auch das Labor der Konservierungsforschung untergebracht. Es wird inventarisiert, über den Zustand der Gegenstände rapportiert und wenn nötig Sofortmassnahmen ergriffen. «Sind Objekte für Ausstellungen oder als Leihgaben vorgesehen, werden sie zuvor nochmals überprüft. Den Entscheid, was ausgestellt wird, fällen Kuratoren. Im dritten Gebäude befinden sich das Dienstleistungszentrum, Registrierung und Fotolabor, Fachbibliothek, Lesesaal, Seminar- und Schulungsraum, dazu Arbeitsplätze für Gäste.

Zukauf und Schenkungen

Aktuell sind im Sammlungszentrum rund 850’000 Datensätze von Objekten vorhanden. Weil zum Beispiel ein historisches Zimmer aus mehreren Teilen besteht, sind es wesentlich mehr Objekte, die in Affoltern eingelagert sind. «Sicher mehr als eine Million», ergänzt Edgar Hiltebrand. Woher stammen sie? Zum einen aus Privatsammlungen, etwa dann, wenn Nachkommen fehlen. Zum anderen werden historisch bedeutsame Objekte zugekauft. Dazu verfügen die 15 Kuratoren jährlich über ein Budget, «eine hohe sechsstellige Summe», so Hiltebrand. Sie entscheiden, welche Schenkungen angenommen und was zugekauft wird. «Einlass finden nur Objekte mit Qualität, die auch in die Sammlung passen. Dem Sammlungszentrum kommt eine Vorreiterrolle zu und dient anderen Museen als gutes Beispiel», wurde an der Führung betont.

Fast 91 Meter langes Bild von Hans Erni

Ein Teil davon war beim freitäglichen Rundgang zu sehen – darunter auch sogenannte «Schwellenobjekte»: Gegenstände mit Geschichte. Zum Beispiel das erste, aus dem Jahr 1978 stammende Natel – ein 15 kg schwerer Brocken, der damals 16’000 Franken kostete. Oder eine elektrisch wie manuell bedienbare Singer-Nähmaschine, eine Dirigenten-Orgel aus Bern, Spielsachen, viel Militaria, darunter Hellebarden von kantonalen Streitkräften, eine Kanone, mit der fünf Schüsse pro Stunde möglich sind – und 380 Bataillonsfahnen, allesamt 1,1 mal 1,1 Meter. Auch gesichtet: Ofenkeramik, die von besonderer Bedeutung ist, ein Kranzkasten des Turnvereins Mettmenstetten, Textilgeschichte mit Musterbüchern von Abraham (Lyoner-Bücher) und Weisbrod-Zürrer. Dazu Gemälde von unschätzbarem Wert, wie dasjenige des im vergangenen Jahr im Alter von 106 Jahren verstorbenen Malers Hans Erni. Es trägt den Titel «Die Schweiz, das Ferienland der Völker», misst 4,98 mal 90,97 Meter und entstand im Zuge der Landesausstellung von 1939. Vor einigen Jahren wurde es restauriert.

Erweiterung nicht vor 2020

Inzwischen ist Lagerplatz im Sammlungszentrum knapp geworden. Deshalb musste für drei Jahre ein Provisorium eingerichtet werden. Im Gebäude sind derzeit historische Zimmer eingelagert. Die auf der Ostseite des Sammlungszentrums geplante Erweiterung wird nicht vor 2020 bezugsbereit sein. An einem vor drei Jahren ausgeschriebenen Wettbewerb haben sich weltweit 50 Büros beteiligt, darunter eines aus Japan. Das Siegerprojekt, das nun noch exakt ausgearbeitet werden muss, sieht einen einfachen, zweckmässigen Bau vor. Wichtig ist ja vor allem eines: die Erweiterung der knapp gewordenen Lagerkapazitäten.

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