Schwinger und ihre Fans können kommen
Letzte Vorbereitungen für das Kantonalschwingfest in Mettmenstetten
Montagnachmittag auf dem Schwingfestplatz in Mettmenstetten. Überall wird geschraubt, gehämmert, installiert, gecheckt, Material verteilt. Das imposante mobile Stadion mit seinen 3600 Sitzplätzen steht schon seit Tagen, aber man merkt: Bis der vom Schwingklub am Albis organisierte Grossanlass am kommenden Wochenende starten kann, müssen noch viele Helferinnen und Helfer – sprichwörtlich – «i d’Hose».
Buchstäblich im Mittelpunkt des Stadions arbeiten an diesem Nachmittag Schüler aus Maschwanden. Sie breiten das noch zu einem Haufen aufgetürmte Sägemehl mit Rechen zu einem Kreis aus. Er wird am Schluss einer der fünf Wettkampfplätze sein. Hier wird am Sonntag, am 116. Zürcher Kantonalschwingfest, der Schlussgang stattfinden, vor 6000 bis 7000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Mehr als Obfelden Einwohner hat, wie das Organisationskomitee in einer Vorschau festgehalten hat.
Rechen statt Rechnen. Für die Maschwander Schüler lohnt sich der Einsatz sogar finanziell. Alle Helferinnen und Helfer des Schwingfestes erhalten für ihre Arbeit 5 Franken pro Stunde, sagt OK-Präsident Mirco Kurt. Das Geld wird jedoch nicht direkt an einzelne Personen ausbezahlt, sondern geht an einen Verein nach Wunsch der Helfer. Im Fall der Schüler fliesst das Geld in die Klassenkasse. Es soll später für einen Ausflug verwendet werden.
Erste Vorbereitungen vor zwei Jahren
Wer das weitläufige Festgelände durchschreitet, kann sich kaum vorstellen, dass hier üblicherweise nur grüne Wiese ist. An einer solchen Stelle ein Stadion samt Infrastruktur aus dem Nichts hinzustellen, ist schon rein organisatorisch eine Riesenleistung. Dahinter steckt ein 35-köpfiges Organisationskomitee. Seit August 2024 ist es mit der Planung und Organisation beschäftigt. Bereits im Herbst 2025 erfolgten erste Vorarbeiten auf dem Gelände. So mussten unter anderem Gräben für Wasserleitungen ausgehoben werden. Und auf dem Wettkampfplatz wurde spezieller, widerstandsfähiger Rasen angesät.
So urchig und bodenständig das Schwingen auch ist, das Drumherum muss stimmen. Mit der in den letzten 20 Jahren massiv gestiegenen Popularität des Schwingsports sind auch die Ansprüche der Zuschauerinnen und Zuschauer gestiegen. Wie die zum Teil überdurchschnittlich hohen Einschaltquoten von Schwingfest-Übertragungen am Fernsehen belegen, gibt es Schwingerfans mittlerweile in allen Bevölkerungsschichten, auf dem Land und in der Stadt, unter Jungen und Alten, Frauen und Männern.
Budget von 800000 Franken
Die Grösse des Schwingfests in Mettmenstetten lässt sich auch am Budget ablesen: Es beläuft sich auf rund 800000 Franken. Ein Teil der Einnahmen stammt von Sponsoren, die sich mit Geld oder Dienstleistungen am Fest beteiligen. Die allermeisten von ihnen stammen aus der Region. «Wir haben ein sehr stabiles KMU-Wesen im Säuliamt», stellt OK-Präsident Kurt dazu fest. Finanziell habe man das Sponsorenziel erreicht, das OK habe die nötigen Geldgeber ohne besondere Mühe gefunden.
Finanziell engagiert haben sich auch viele Spenderinnen und Spender von Gaben, den Preisen für die Schwinger. Sechs dieser Gaben sind sogenannte Lebendpreise: ein Sieger-Muni namens «Wulli» (benannt nach dem Spender, der Kanalreinigungsfirma Wullschleger), vier Rinder und ein Fohlen. Dazu kommen, wie bei Schwingfesten üblich, Glocken, Stühle, Werkzeug, Velos, Gutscheine usw. Theoretisch haben alle am Sonntag antretenden 160 Schwinger die Möglichkeit, sich einen der besonders lukrativen Preise zu holen. Erfahrungsgemäss sind es am Schluss aber jeweils die Spitzenschwinger, die sich im sogenannten Gabentempel die wertvollen Preise aussuchen dürfen.
Mehrere «Böse» aus der Ostschweiz
Zu den Topfavoriten zählen am Sonntag natürlich in erster Linie die «Eidgenossen» (auch «Böse» genannt), unter ihnen Schneider Domenic (NOSV) und Reichmuth Marco (ISV), Giger Samuel (NOSV – Sieger des letzten Zürcher Kantonalschwingfests im Säuliamt, 2018 in Hausen), Ott Damian (NOSV) und Schlegel Werner (NOSV), um ein paar zu nennen. Verletzungsbedingt nicht teilnehmen können Räbsamen Marcel, Kindlimann Fabian, Strebel Joel und Vollenweider Jeremy. Ebenfalls nicht dabei, der aktuell erfolgreichste Schwinger des Schwingklubs am Albis, Nägeli Marco. Er brach sich vor rund fünf Wochen den Mittelfussknochen und muss sich ausgerechnet bei seinem Heim-Fest mit Zuschauen begnügen.
Schwarze Null, keine Zwischenfälle
In Mettmenstetten ist also alles angerichtet für den grössten Säuliämter Sportanlass seit Jahren. Was es noch braucht? Einigermassen gutes Wetter. Persönlich hat sich Mirco Kurt zwei Ziele gesetzt: «Dass am Schluss finanziell eine schwarze Null herausschaut, und dass es keine schwereren Zwischenfälle gibt.» Kurt: «Mein persönliches Highlight wird sein, wenn am Sonntagmorgen beim Anschwinget alle Tribünen voll besetzt sind.»












