Toni Bortoluzzi: «Ich werde mich sicher weiter zu Wort melden»

Nach dem Rücktritt als Parteipräsident will der Affoltemer weiter politisieren

«Ich bin ein politischer Mensch», sagt Toni Bortoluzzi. (Bild Florian Hofer)

«Ich bin ein politischer Mensch», sagt Toni Bortoluzzi. (Bild Florian Hofer)

Toni Bortoluzzi beim Servieren der Kappeler Milchsuppe an einem SVP-Anlass im Jahr 2011 in Kappel. (Archivbild CH Media)

Toni Bortoluzzi beim Servieren der Kappeler Milchsuppe an einem SVP-Anlass im Jahr 2011 in Kappel. (Archivbild CH Media)

Toni Bortoluzzi nach der für ihn nicht erfolgreichen Bundesratswahl vom4. Dezember 2002 – umringt von Reportern. Frontseite vom 6. Dezember 2002. (Archivbild -ter.)

Toni Bortoluzzi nach der für ihn nicht erfolgreichen Bundesratswahl vom4. Dezember 2002 – umringt von Reportern. Frontseite vom 6. Dezember 2002. (Archivbild -ter.)

Am Rüüss-Abig, den der «Anzeiger» jährlich veranstaltet, ist Toni Bortoluzzi ein gern gesehener Gast. Hier im Bild rechts mit «Anzeiger»-Verleger Peter Wanner. (Archivbild «Anzeiger»)

Am Rüüss-Abig, den der «Anzeiger» jährlich veranstaltet, ist Toni Bortoluzzi ein gern gesehener Gast. Hier im Bild rechts mit «Anzeiger»-Verleger Peter Wanner. (Archivbild «Anzeiger»)

Er hatte fast alle möglichen politischen Ämter in der Schweiz inne. Er war Gemeinderat, Gemeindepräsident, Kantonsrat, Parteipräsident, ein Regierungsratskandidat und auch ein Fast-Bundesrat: Toni Bortoluzzi kann man getrost als SVP-Urgestein bezeichnen. Nun ist der Mann, der einst Seite an Seite mit Toni Brunner, Ueli Maurer und Christoph Blocher landauf, landab in den Medien präsent war, von seinem letzten Amt, dem Präsidium der Affoltemer SVP, zurückgetreten. Nicht, ohne zuvor hinter den Kulissen kräftig an den Strippen für den Wahlkampf um den Stadtrat von Affoltern gezogen zu haben.

«Wer A sagt, muss auch B sagen»

Dabei, so erzählt er bei einem Besuch in seinem gemütlichen Haus im Zentrum von Affoltern, war er einst eigentlich gar nicht so scharf auf eine politische Karriere. «Ich fühlte mich mit der Schreinerei sehr ausgelastet, aber 1982 wurde ich von der Partei angefragt, für den Gemeinderat zu kandidieren», erinnert er sich. «Da habe ich halt Ja gesagt.» Als er dann mit einem hervorragenden Wahlergebnis gewählt wurde, begann man bei der Bezirkspartei, ein Auge auf ihn zu werfen. Und schon kam er auf die Liste für die Kantonsratswahlen. Vor ihm waren allerdings zwei etablierte Kantonsräte, sodass er zunächst nicht gewählt wurde. Doch schon ein Jahr später musste damals Erich Rüfenacht (Mettmenstetten) aus beruflichen Gründen abtreten. Bortoluzzi folgte auf ihn. «Da war ich dann also», erzählt er. «Gemacht habe ich aber nicht viel, ich hatte gar keine Zeit.» Was dann kam, kann man wohl als grossen Wendepunkt im Leben des Affoltemer Politikers beschreiben: 1987 schaffte er die Wiederwahl problemlos, ärgerte sich aber masslos über den gleichzeitigen Siegeszug der Grünen bei den Kantonsratswahlen. «Da habe ich beschlossen: Diesen Blödsinn tue ich mir nicht an, ich höre auf.» Doch er hatte nicht mit seiner Frau gerechnet: «Du hast A gesagt, dann musst du auch B sagen», gab sie die Parole durch. Und Toni Bortoluzzi wurde politisch neu geboren. «Das war für mich eine Art Initialzündung. Da habe ich angefangen, mich zu Wort zu melden und mich um Einsitz in die Kommissionen zu bemühen.» Schnell war er Fraktionschef und stieg zu einem engen Vertrauten von Christoph Blocher auf. Der Rest der politischen Karriere ist Geschichte.

Und doch stellt sich die Frage bei all diesen vielen Aufgaben und dem politischen Ringen um die Positionen der SVP: Was ist geblieben, an was erinnert sich der weit herumgekommene SVP-Politiker besonders? Es ist das Gemeindepräsidium in Affoltern: «Das war das Höchste der Gefühle. Der direkte Kontakt zu den Menschen und der direkte Einfluss, den man bei der Politik vor Ort hat, das war sehr erfüllend.» Selbstverständlich sei auch die Tätigkeit als Nationalrat faszinierend gewesen. «In dieser Zeit habe ich aber ein Stück weit den Kontakt zu den Menschen im Dorf verloren.» Der kommt jetzt so langsam wieder. Das merkt man auch an seinen Wortmeldungen an den Gemeindeversammlungen im Kasinosaal, wo er seit ein paar Jahren kaum eine Gelegenheit auslässt, dem Stadtrat die Leviten zu lesen.

Nun ist zwar auch mit seinem Engagement als Präsident der Ortspartei Schluss, nicht aber mit der Politik als solcher. Eines ist für ihn nämlich klar: «Ich werde mich sicher weiter zu Wort melden, denn ich bin ein politischer Mensch», sagt Bortoluzzi und merkt lachend an: «Ich höre erst auf zu politisieren, wenn einmal der schwarze Deckel zugeht.»

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Jahre lang war Toni Bortoluzzi aus Affoltern Nationalrat.

Zur Person

Toni Bortoluzzi (79) sass von 1982 bis 1998 im Gemeinderat von Affoltern, ab 1986 als Gemeindepräsident. Im Zürcher Kantonsrat war er von 1984 bis 1991. 1991 wurde er in den Nationalrat gewählt, wo er bis zu seinem Rücktritt 2015 verblieb. Bei der Bundesratswahl 2002 kandidierte er erfolglos als Sprengkandidat der SVP bei der Nachfolge von Ruth Dreifuss. Ebenfalls erfolglos kandidierte er Anfang 2005 bei den Ersatzwahlen für den Zürcher Regierungsrat. Bis Ende Juni 2012 betrieb er in Affoltern eine Schreinerei mit sechs Angestellten. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und wohnt in Affoltern. (red)

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