Sorgen um die Schulen von morgen
Podiumsdiskussion in Affoltern zum Thema KI und Chancengleichheit im Unterricht

«Wie machen wir unsere Schulen fit für morgen?» Das war das Thema einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in der Aula Ennetgraben in Affoltern. Yvonne Accorinti-Aeberli, parteilose Kandidatin Stadträtin Bildung und Präsidium Primarschulpflege, hatte dazu geladen und gleich ein paar Experten zum Thema mitgebracht.
Künstliche Intelligenz ist überall
Eigentlich hätte die eingangs gestellte Frage auch heissen können: «Wie machen wir in den Schulen unsere Kinder fit für die Arbeitswelt von morgen?» Denn schon zu Beginn der Diskussion wurde klar, dass die Digitalisierung und die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz ganz besonders damit zu tun haben, wie man sich als junger Mensch im Arbeitsleben zurechtfinden kann.
Dass das auch mit dem Lehrpersonal zu tun hat, machte Accorinti bereits bei der Vorstellungsrunde deutlich. «Der Austausch der Affoltemer Schulen mit den Pädagogischen Hochschulen, insbesondere der in Zürich, ist essenziell», sagte die Bildungspolitikerin. Nicht nur die Kinder müssten mit den notwendigen Grundkompetenzen gerüstet sein, auch die Lehrpersonen müssten angesichts der Herausforderungen unserer Zeit wie etwa der Chancengleichheit und Digitalisierung unterstützt werden.
Im Plenum sassen auch der KI-Experte Andreas Käser und der Personalfachmann Gregor Bruhin. Bruhin erläuterte aus Sicht von Firmen, welche Eigenschaften Kandidaten mitbringen müssten, um eine Chance auf einen Job zu haben. Dabei nannte er die Bereitschaft zum Lernen, zum Vernetzen von Wissen und eine gute Kommunikationsfähigkeit. Und dazu eine an sich alte, aber heutzutage gelegentlich nicht mehr aktuell scheinende Tugend: «Zuverlässigkeit», so Bruhin. Das sei wichtig wie immer. Abgemachte Termine halte man ein. Es komme immer wieder vor, dass Bewerbende nicht zum Termin erscheinen würden. Ein No-Go. Genauso wie es ein No-Go sei, wenn Arbeitgeber nicht auf Bewerbungen antworten würden. Motivationsschreiben seien aus seiner Sicht überflüssig. Aussagekräftig ist der Lebenslauf, der müsse gut geschrieben sein. Viele Bewerbende legten darauf immer noch zu wenig Gewicht.
Käser nannte als KI-Experte eine Reihe von Gefahren; etwa, dass Fähigkeiten wie verstehendes Lesen oder fehlerfreies Schreiben in Kombination mit der Fähigkeit, rechnen zu können, damals wie heute essenziell seien. Wenn KI diese Funktionen übernehme, bestehe die Gefahr, dass man es schwer habe, «Teil unserer multikulturellen Gesellschaft zu sein». Diese Grundkompetenzen seien nicht wegzudenken. Er machte aber auch deutlich, dass man eben den richtigen Umgang mit der KI lernen müsse, statt sie abzulehnen.
In Bezug auf die Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen bemerkte Accorinti, viele angehende Lehrerinnen und Lehrer würden ihren Unterricht inzwischen mit KI vorbereiten. «Das ist dann aber auch eher oberflächlich.» Das kritische Denken und Hinterfragen gerate dabei eher in den Hintergrund. Allenfalls könne KI helfen, den Unterricht einfacher zu gestalten für Kinder, die Mühe bekundeten, mit Originaltexten zu arbeiten.
Motivation für den Stadtrat
Und was ist in diesem Zusammenhang eigentlich ihre Motivation für ein Amt im Stadtrat, wollte ein Zuhörer aus dem Plenum wissen. «Für die Primarschulpflege ist meine Motivation, die strategische Ausrichtung mitgestalten zu können», sagte Accorinti. Und eher allgemein: «Wenn der Stadtrat etwas entscheidet, trage ich diesen Beschluss mit. Loyalität ist für mich etwas sehr Wichtiges.» Beim Apéro tauschten sich die Gäste noch eine ganze Weile aus, bevor sie sich in die neblige Nacht verstreuten.


