Spital hat einen Notfallplan parat
Wie ist das Spital Affoltern auf eine mögliche Strommangellage vorbereitet? Ein Augenschein vor Ort zeigt, was im Notfall ablaufen würde.

Gas, Heizöl und Strom sparen. Das fordert der Bund derzeit von uns allen. Noch soll das freiwillig geschehen: Beim Kochen den Deckel auf den Topf setzen, weniger lang warm duschen oder nicht genutzte Geräte ganz ausschalten. Wegen des Ukraine-Kriegs fliesst derzeit gar kein Gas mehr durch die Pipeline Nordstream 1 nach Deutschland – wir Schweizer beziehen fürs Heizen ebenfalls viel russisches Gas, das nun fehlt. Auch die Strompreise steigen derzeit. Die Stromtarife für 2023 verdoppeln oder verdreifachen sich. Also: Sparen ist angesagt. Im schlimmsten Fall kann der Bund bei einer Mangellage den Strom rationieren und gar gewisse Branchen zeitweise von der Stromzufuhr abschalten.
Doch wie sieht das beim Spital Affoltern aus, wo ein garantierter Energiefluss für die Aufrechterhaltung des Spitalbetriebs zwingend nötig ist? «Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet», erklärt Martin Jegge, Leiter Immobilien/Infrastruktur. Schon im Juni hat man sich Gedanken gemacht, wie ein möglicher Notfallplan aussehen könnte. Gegenwärtig trifft sich der eingesetzte «Krisenstab Energie» regelmässig. Mit dabei sind Vertreter der Verwaltung und der Pflege aus dem Spital Affoltern und aus dem Pflegezentrum Sonnenberg.
Spital ist Grossverbraucher
«Das Spital Affoltern hat in den letzten 20 Jahren schon viel optimiert», erklärt Jegge. Dies seit den 1990er-Jahren im Rahmen des Programms «Energie 2000», das der Bund damals initiierte. Bundesrat Adolf Ogi zeigte dabei, wie man beim Eierkochen Energie einspart.
Zudem müssen sich Firmen und Organisationen mit einem jährlichen Stromverbrauch von über 100 000 Kilowattstunden (kWh) gemäss den kantonalen Energiegesetzen an gewisse Vorgaben beim Stromverbrauch halten. Heisst: Sie dürfen nicht einfach beliebig Strom verbrauchen, sondern müssen auch einsparen. Jährlich müssen die Kennzahlen von Strom und Energie eingereicht werden. Das Spital Affoltern als Grossverbraucher hat sich mit mehreren anderen Zürcher Spitälern zusammengeschlossen, um gemeinsam als Gruppe die Zielvorgaben erfüllen zu können, welche die Energieagentur der Wirtschaft kontrolliert.
Fernwärme durch Holzschnitzel
Diverse Gebäude des Spitals Affoltern und das Pflegezentrum Sonnenberg mit den Gebäuden Rigi und Pilatus, diese Immobilien werden mit Heizwärme und Warmwasser durch die HEA Holzenergie AG Affoltern versorgt. Die HEA betreibt als Konzessionär im Auftrag der Stadt Affoltern einen Nahwärmeverbund mit Holzschnitzelfeuerung. Mit der HEA sei man schon in Kontakt gewesen, erklärt Jegge. Sie hätten einen genügend grossen Holzvorrat, habe die HEA versichert.
Aber um die Fernwärme zu transportieren, braucht es Strom für die Pumpen – würde dieser ausfallen, wird es im Spital trotzdem nicht kalt. Dann kommt als Back-up eine Heizzentrale mit Ölbrenner in Betrieb. «Diese Ölheizung wird regelmässig gewartet und ist technisch einsatzbereit», betont Martin Jegge. Auch für die Palliativstation Villa Sonnenberg, welche über eine Wärmepumpe verfügt und demzufolge vom Strom abhängig ist, hat man mit der Miete eines Notstromaggregats eine Lösung gefunden. Der Bund sieht zwar vor, dass bei einer Strommangellage, wenn der Strom teilweise oder ganz abgeschaltet wird, die Spitäler privilegiert sind und so lange als möglich Strom beziehen sollen. Doch da gibt es technische Probleme, wie Martin Jegge erklärt. Den Strom beziehen die Immobilien des Spitals Affoltern von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ). Auf das Spitalareal führt eine 16-Kilovolt-Leitung. «Wir sind an eine grosse Ringleitung angeschlossen. Das heisst, das Spital Affoltern und das Pflegezentrum Sonnenberg könnten bei einer Mangellage nicht bevorzugt mit Strom versorgt werden – es würde die ganze Ringleitung abgeschaltet», betont Jegge. Doch auch dafür wäre das Spital Affoltern vorbereitet. «Wir haben Notstromaggregate, die mit Diesel laufen. Diese könnten den kompletten Bedarf auch über Tage hinweg abdecken.»
Und wie sieht es mit Energiesparmassnahmen bei den Immobilien des Spitals aus? «Wir können nicht mehr viel einsparen – wir haben in den vergangenen 20 Jahren wie gesagt schon sehr vieles, was in den teilweise älteren Gebäuden möglich war, optimiert.» Aber Jegge betont: «Wir wollen jetzt als Spital auch beitragen und beim Stromsparen mitmachen. Bereits hat eine Pflegeabteilung selber Sparvorschläge erarbeitet. Auch E-Mails von Mitarbeitenden mit Vorschlägen treffen ein.» Lichter löschen, Computer ganz herunterfahren oder Treppen laufen statt Lift fahren – das sind einige der Vorschläge.
Zu den grössten Stromfressern gehören die Lüftungs- und Kälteanlagen. Hier wurde die Einstellung schon optimiert. Zudem sind bereits viele energiesparende LED-Lampen in Betrieb. Es gibt beim Sparen auch Grenzen. «Wir haben viele medizinische Geräte im Einsatz, die wir brauchen.»


