Stadtrat wegen Schulhausprojekt weiter im Gegenwind

Emotionsgeladener Infoabend zum 28.9-Mio.-Kredit für das neue Schulhaus Wolhusen

Überzeugt vom Affoltemer Schulhausprojekt Wolhusen: Schulpflege-Mitglied Roger Marti (links) und Stadtrat Pascal Santi, welche am Montag die Abstimmungsvorlage erläuterten. (Bild Daniel Vaia)
Überzeugt vom Affoltemer Schulhausprojekt Wolhusen: Schulpflege-Mitglied Roger Marti (links) und Stadtrat Pascal Santi, welche am Montag die Abstimmungsvorlage erläuterten. (Bild Daniel Vaia)

Zwei Stunden hat am Montagabend im Kasinosaal in Affoltern die Informationsveranstaltung zur Urnenabstimmung über den Objektkredit für das geplante Primarschulhaus Wolhusen gedauert. Zwei Stunden, in denen sich die Votantinnen und Votanten aus dem Publikum fast ausschliesslich kritisch bis negativ zum Vorschlag des Stadtrats äusserten. Am Ende bilanzierte Stadtpräsidentin Eveline Fenner nüchtern: «Wenn wir hier jetzt abstimmen würden, würde das Projekt abegheie.»

Inwieweit die zum Teil emotional vorgetragene Kritik repräsentativ für die Haltung des Stimmvolks zum Schulhausprojekt in Affoltern ist, sei dahingestellt. Man kann aber mit Sicherheit prognostizieren, dass der Stadt in den kommenden Monaten ein heisser Abstimmungskampf bevorsteht.

Entschieden wird am 28. Februar 2027 an der Urne. Dann wird das Stimmvolk Ja oder Nein sagen können zum beantragten Kredit von 28.9 Mio. Franken für das geplante neue Schulhaus Wolhusen.

Das auf dem (bestehenden) Schulareal Chilefeld/Stigeli geplante Gebäude würde unter anderem Raum bieten für Klassenzimmer, Gruppenräume, einen Mehrzwecksaal mit Office-Küche sowie eine Turnhalle. Gleichzeitig soll die Umgebung neu gestaltet werden. Geplante Inbetriebnahme des Schulhauses: Zu Beginn des Schuljahres 2029/30.

Stark steigende Schülerzahlen

Einigkeit herrschte am Montag an dem von rund 170 Personen besuchten Anlass nur in einem Punkt: Affoltern braucht aufgrund der vielen Neubauten und Neuzuzüger sehr schnell zusätzlichen Schulraum. Wie Stadtrat Pascal Santi und Schulpflege-Mitglied Roger Marti (Ressortvorstand Infrastruktur) in ihrer Präsentation erklärten, werden die Schülerzahlen bis ins Schuljahr 2030/31 stark ansteigen, gemäss neuster Prognose von heute über 600 Schülerinnen und Schülern auf rund 750. Die Zahl der Regelklassen dürfte in diesem Zeitraum von 31 auf 38,3 springen, ein Plus von 7,3 Klassen.

In den Jahren danach dürften die Zahlen zwar leicht sinken, mit durchschnittlich 36 Klassen im Vergleich zu heute, aber auf deutlich höherem Niveau verharren. Santi: «Eines ist sicher, in Affoltern werden die Schülerzahlen trotz der schweizweit tiefen Geburtenraten weiterwachsen.»

Dringlichkeit, Standort und Ziel sind nicht neu. Im November 2024 hatten die Affoltemerinnen und Affoltemer an der Urne mit 62 % Ja gesagt zu einem Projektierungskredit von 3.05 Mio. Franken. In den zwei Jahren zuvor waren verschiedene Standorte analysiert und Machbarkeitsstudien durchgeführt worden sowie ein Projektwettbewerb.

Das Vorhaben war indes fast vom ersten Moment an von Kritik begleitet worden. Diese gipfelte in einer von 444 Personen unterzeichneten Petition, welche kürzlich dem Stadtrat überreicht wurde («Anzeiger» vom 11. September 2026). Hauptkritikpunkt der Petitionäre: Das neue Schulhaus wird am falschen Ort geplant. Es entstehe nicht dort, wo die meisten neuen Wohnungen in Affoltern gebaut würden, nämlich südlich des Stadtzentrums. Als alternativen Standort schlagen die Petitionäre ein Areal beim Brauipark vor, welches der Stadt gehört.

Am Montagabend wurden die Kritik und der Alternativvorschlag von mehreren Petitionären erneut vorgetragen. Sie liessen sich nicht davon beirren, dass der Stadtrat bereits mehrmals erklärt hatte, dass das genannte Areal in einer Industriezone liegt und der Kanton einer Umzonung kaum zustimmen würde («Anzeiger» vom 23. Oktober 2026). Abgesehen davon, würde eine Umzonung des 5345 Quadratmeter grossen Areals mehrere Jahre dauern.

Aber selbst wenn dort gebaut werden könnte, gab Pascal Santi zu bedenken: «Ist ein Platz zwischen McDonalds und Action (Niedrigpreis-Non-Food-Discounter) wirklich der richtige Standort für ein Schulhaus?» Santi verwies zudem darauf, dass die meisten neuen Wohnungen in Affoltern im Zentrum entstünden (verdichtetes Bauen), nicht an der Peripherie, wie von den Petitionären behauptet.

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