Steine anstossen und Bleibendes erschaffen

Seit 190 Jahren verfolgt die Gemeinnützige Gesellschaft des Bezirkes Affoltern (GGA) das Ziel, Projekte an die Hand zu nehmen und nachhaltig weiterzuentwickeln. An der Jubiläums-Generalversammlung in Mettmenstetten ging es nicht nur um die Behandlung der offiziellen Geschäfte, sondern auch ums Feiern.

Nach der gelungenen GV, von links: Lukas Niederberger, GGA-Präsident Georges Köpfli mit dem Mättmi*Schtei, René Kälin und Sebastian Brändli.

Nach der gelungenen GV, von links: Lukas Niederberger, GGA-Präsident Georges Köpfli mit dem Mättmi*Schtei, René Kälin und Sebastian Brändli.

Die Musikgruppe «AmarOn» umrahmte den Abend mit fröhlichen, farbigen Melodien. (Bilder Marianne Voss)

Die Musikgruppe «AmarOn» umrahmte den Abend mit fröhlichen, farbigen Melodien. (Bilder Marianne Voss)

Die Generalversammlung der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirkes Affoltern (GGA) stand dieses Jahr im Zeichen der Jubiläen. Ihr 190. Geburtstag war eingebettet in die Aktivitäten zum 900-Jahr-Jubiläum der Gemeinde Mettmenstetten. Trotz garstig kaltem Regenwetter versammelten sich am vergangenen Mittwoch zahlreiche Mitglieder im schön dekorierten Festzelt und genossen das feierliche und auch informative Rahmenprogramm der besonderen GV. Die lebensfrohen beschwingten Klänge der Musikgruppe «AmarOn» brachten schon zu Beginn Wärme und Farbe ins Festzelt. Wie ein bunter Faden zog sich die abwechslungsreiche Musik durch die verschiedenen Programmpunkte des Abends.

Ob man bei einem 190. Geburtstag eher an einen Abstaublumpen denke oder an die vollbrachten Werke der Jubilarin? Diese Frage stellte GGA-Präsident Georges Köpfli bei seiner Begrüssung und wies sogleich auf eines der wichtigen Werke hin, die Gründung der ersten Amtsschule in Mettmenstetten.

Das sei mit ein Grund, dass die GV heute hier an diesem Ort stattfinde. René Kälin, Gemeindepräsident von Mettmenstetten, ging in seinem Grusswort auch auf die grossen Werke der Jubilarin ein. Die GGA habe im Bezirk viel Bleibendes geschaffen. Und zur Amtsschule erklärte er, dass es das Gebäude immer noch gebe. Es stehe unter Schutz und werde inzwischen als Wohnhaus genutzt. Er nahm Bezug auf das Logo der GGA mit dem «anstossenden Dominostein oder dem Stein des Anstosses». Als symbolisches Geschenk übergab er dem GGA-Präsidenten einen Pflasterstein – einen Mättmi*Schtei – sowie eine Urkunde. Die Jubiläums-Pflastersteine mit Gravur werden in den geplanten Dorfspielplatz oder in einem andern Bereich der Schulraumentwicklung eingebaut (Informationen findet man unter www.maettmi900.ch).

Dank für ehrenamtliche Arbeit

Die offiziellen Traktanden der Generalversammlung gaben kaum zu Diskussionen Anlass. Sämtliche Geschäfte wurden von den Mitgliedern genehmigt, auch die Erhöhung der Mitgliederbeiträge um 50 Prozent. Dies sei schon etwas happig, bemerkte eine Anwesende und sprach aus, was einzelne andere auch dachten. Kassier Stefan Scheidegger erklärte die hohen Budgetposten: die bevorstehenden Kunstausstellungen, die Aktivitäten im Jubiläumsjahr, Instandstellungen von Tafeln auf dem «Ämtlerwäg» und der Druck der neuen «Ämtlerwäg»-Karten. Neu in den Vorstand wurde Dania Ehrsam gewählt, die an diesem Abend leider nicht anwesend sein konnte. Zum Schluss der GV dankte der Präsident allen, die sich für die GGA einsetzen: «Die GGA lebt von diesen vielen Menschen, die bereit sind, ehrenamtliche Arbeit zu leisten.»

Referate zu früher und heute

Zum besonderen Festabend waren auch zwei Referenten eingeladen. Der Historiker Dr. Sebastian Brändli blickte zurück und beleuchtete die Zeit und das gesellschaftliche sowie politische Umfeld in den Gründerjahren der GGA. Er schilderte eindrücklich, wie die Menschen darum kämpften, vom Untertanen zum Bürger zu werden, wie der Bezirk Affoltern entstand und wie schwierig es für Landkinder war, Bildung zu erhalten. Er stellte den Anwesenden auch den Gründer der GGA vor, den jungen, liberalen Conrad Melchior Hirzel. Abschliessend fasste er zusammen: «Vieles von damals ist uns heute fremd geworden, andere Aspekte waren damals völlig neu, und sind uns heute absolut vertraut, das heisst: selbstverständlich.» Die Überzeugung, dass Bildung für die Schweiz ein hohes Gut sei und dass es immer wieder Impulse einer aktiven Zivilgesellschaft brauche, die sei uns aber sicher geblieben.

Der zweite Referent war Lukas Niederberger, Geschäftsleiter der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG. Er äusserte sich zur grossen Bedeutung des gemeinnützigen Engagements in der heutigen Zeit. Er stellte pointiert fest, dass die Bereitschaft zur unbezahlten Freiwilligenarbeit immer mehr nachlässt und auch Sport-, Jugend- oder Gesangsvereine nicht mehr auf verlässliche Mitglieder zählen können. Und er machte verschiedene originelle Vorschläge, wie Freiwilligenarbeit gefördert werden könnte. Einige seiner Beispiele: Anlässe für Neu-Pensionierte, mehr Würdigung der Arbeit, Anerkennung von Freiwilligenarbeit als Weiterbildung, Angebot von flexibleren Einsätzen oder der Einsatz von neuen Kommunikationsformen.

Nach den beiden spannenden Vorträgen erhob man die Gläser, um auf die GGA anzustossen, und genoss bei einem feinen Apéro das Zusammensein.

Informationen zur GGA und den Jubiläumsaktivitäten unter www.ggaffoltern.ch.

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