Strassensanierung drückt den Umsatz
Die voraussichtlich rund vier Monate dauernden Sanierungs-arbeiten an der Zürcherstrasse und das Umfahrungsprojekt stellen Haas-Shopping in Ottenbach vor grössere Herausforderungen. Auch andere Betriebe sind betroffen.

Muss eine Strasse wegen Sanierungsarbeiten gesperrt werden, so ist das für Anwohner oft mühsam und für Betriebe mit Umsatzeinbussen verbunden. Damian Isler, CEO der Créasphère-Gruppe, zu der auch Haas-Shopping gehört, befürchtet in diesem Sommer bis Ende Oktober einen Umsatzrückgang von 30 bis 50 Prozent. Vor allem die Laufkundschaft – ein grosser Teil auch aus dem Kanton Aargau – wird sich gut überlegen, ob sie nach der Sperrung von Birri Richtung Ottenbach den Umweg über Merenschwand und Obfelden in Kauf nehmen will. Kommt hinzu, dass das kleine Einkaufszentrum nicht durch den öffentlichen Verkehr erschlossen ist und die Kundschaft mit dem Auto anreist.
«Mit einer temporären Anpassung der Personal-Arbeitsverträge können wir die Verluste etwas auffangen», sagt Damian Isler. Eine Massnahme, die von den mehrheitlich in Teilzeit arbeitenden Angestellten «im Grossen und Ganzen» akzeptiert wird. Wenn sich die Strassensanierungsmassnahmen wetterbedingt verzögern, was nicht auszuschliessen ist, so wäre das für Haas-Shopping ein Worstcase: «Ab Ende Oktober beginnt bei uns die Hochsaison», hält Damian Isler fest.
Idyllische Umgebung als Kapital
Wann mit dem Bau der Umfahrung Ottenbach begonnen werden kann, steht noch in den Sternen und ist frühestens 2017 zu erwarten. Ein Gang ans Bundesgericht, der nicht auszuschliessen ist, würde mit Sicherheit verhindern, dass die Bagger zu diesem Zeitpunkt auffahren werden.
Wie auch immer: Auch dieses Grossprojekt erschwert die Zukunftsplanung von Haas-Shopping erheblich. Die Strasse führt direkt am ehemaligen Fabrikareal vorbei und quert den idyllisch gelegenen Kanal. Rund 1600 Quadratmeter Gewerbeland und 2000 Quadratmeter Grünfläche fallen weg, dazu fast 80 Parkplätze; zwei Schöpfe werden abgerissen, die Lager- und Verkaufsfläche «Schopf» fallen weg. Beim Ersatz für die Parkplätze ist die Rechtslage noch unklar. Laut Damian Isler gibt es ein Projekt, bei dem rund 30 Parkplätze entlang der alten, dannzumal verkehrsberuhigten Strasse vorgesehen sind – dies vorbehältlich einer Zustimmung durch die kantonale Denkmalpflege.
Die Umfahrung kratzt etwas an der Idylle, die für Haas-Shopping mitunter eine «Umsatztreiberin» darstellt. «Wir haben viele Kunden, die bei uns nach einem Spaziergang im angrenzenden Naherholungsgebiet bei uns einkaufen. Oder Wanderer, die unser Geschäft zufällig entdecken», sagt Damian Isler, für den ein ins Naherholungsgebiet eingebettetes Verkaufsgeschäft «nicht alltäglich» ist. Mit dem Bau der Umfahrung ändert sich die Szenerie. «Wir haben uns natürlich auch zu verschiedenen Ansätzen Gedanken gemacht, eine Lösung ist noch nicht in Sicht. Wir hoffen aber, dass der Kanton Zürich Hand bietet, damit wir den Standort Ottenbach und damit 53 Arbeitsplätze sichern können.
Mit Blick auf die Aussichten im Textilhandel ist dieses Ansinnen nicht so einfach. Schwindenden Margen, zunehmender Konkurrenz aus dem Ausland und Euroschwäche begegnet Haas-Shopping mit Diversifizierung. Neben Vorhang- und Kleiderstoffen, die nicht mehr so gefragt sind wie einst, werden auf zwei Etagen Dekos und Wohnaccessoires geführt. Das läuft gut. Mit Bingo (Schuhe) und Kimo Kinderkleidermode gibt es zudem zwei Untermieter im Haus.
Auch andere Geschäfte von der Sperrung betroffen
Von der Strassensperrung betroffen sind auch andere Geschäfte, wenngleich die Metzgerei Aregger die Situation – zumindest im Moment – nicht so pessimistisch beurteilt. «Wir können auf viele Stammkunden zählen – auch aus dem Aargau, anderen Kantonen und aus der Stadt Zürich. Und die wollen bewusst unsere Produkte kaufen. Da nehmen viele auch einen Umweg in Kauf», glaubt Frau Aregger. «Richtig beurteilen können wir die Situation wohl erst nach einem Monat», fügt sie bei.
Anders bei der Bäckerei Rimann. «Uns fehlt die Kundschaft aus dem Aargau. Von dort sind es täglich rund 20 Kunden, die wegen der Sperrung nun nicht mehr in unserem Geschäft auftauchen», bedauert Beatrice Rimann. Sie hofft nun auf noch mehr Solidarität der Ottenbacher Bevölkerung und will jetzt mit einem Flugblatt auf die besondere Situation hinweisen.
Auch Klaus Imhof, Wirt im Restaurant Reussbrücke, spürt den ausbleibenden Verkehr. An Nachmittagen ist die idyllische Gartenwirtschaft, anders als sonst, nur noch zu einem Drittel besetzt. Bei schlechtem Wetter ist auch das Mittagsgeschäft derzeit nicht gut, dafür aber in den Abendstunden, wenn die Gäste mehr Zeit haben. «Für eine schlüssige Beurteilung der Situation ist es aber noch etwas zu früh», fügt Imhof bei.


