Täglich während 24 Stunden einsatzbereit
Der Rettungsdienst des Spitals Affoltern funktioniert, obwohl er aus Kostengründen reduziert werden musste
Ein Team ist täglich während 24 Stunden abrufbar. Je nach Einsatzmeldung fährt das Team mit Sondersignal oder normal an den Einsatzort und leistet dort nach der Erstbeurteilung die erforderliche präklinische Notfallversorgung: Die Frauen und Männer des Rettungsdienstes Affoltern (RDA) sind zur Stelle bei Unfällen oder bei medizinischen Problemen. Bis im Mai 2015 mit zwei Fahrzeugen. Die eine Zweier-Equipe leistete 24-Stunden-Dienst, die andere jeweils von 8 bis 18 Uhr.
Weil aus dieser phasenweisen Doppelbesetzung ein immer grösserer Fehlbetrag resultierte – bedingt durch die immer steigenden Anforderungen an die Mitarbeitenden und die Ausrüstung, wurde der RDA einer vertieften Analyse unterzogen. Fazit: Es braucht einen Rettungsdienst im Bezirk, aber: Reduktion auf einen Einsatzwagen im 24-Stunden-Betrieb und betriebliche Arbeiten «verdichten». «Wir hatten dabei das Glück, dass wir den damit verbundenen Stellenabbau nicht zwangsweise vornehmen mussten. Es handelte sich um natürliche Fluktuationen», sagt Edwin Meier, Leiter Rettungsdienst und Pflegedienstleiter am Spital Affoltern. Derzeit beschäftigt der RDA elf Mitarbeitende, davon drei Studierende.
Einsatzleitstelle der Nr. 144 disponiert
Grundsätzlich deckt der RDA mit seinen Einsätzen den Bezirk Affoltern ab, fährt aber bei Bedarf auch in die benachbarten Regionen, ins Limmattal, in den Kanton Zug oder ins aargauische Freiamt. Die Einsätze werden von der Einsatzleitstelle 144 Zürich koordiniert und disponiert. Aufgeboten wird jeweils der dem Ereignis am nächsten liegende Rettungswagen. Ist zum Beispiel der RDA im Limmattal im Einsatz, kommt ein auswärtiger bei einem zur fast gleichen Zeit stattfindenden Ereignis im Säuliamt zum Einsatz. Die Einsatzleitstelle ist also bestrebt, bei einem Alarm die Hilfsfrist für die Betroffenen so kurz wie möglich zu gestalten, auch wenn der eigentlich zuständige Rettungsdienst zurzeit gerade nicht im Einsatzgebiet ist.
Eine Zeiterscheinung ist auch, dass die Menschen heute vermehrt auch bei Bagatellfällen auf die Telefonnummer 144 anrufen. Auch in einer solchen Situation ist die Einsatzzentrale 144 gefordert; sie geht dabei nach einem standardisierten Fragenkatalog vor, kann aber nicht verhindern, dass die Rettungssanitäter dann vor Ort tatsächlich auf einen Menschen mit einer kleinen Verletzung oder geringfügigen medizinischen Problem treffen, einer sogenannten Bagatelle.
Von den 1890 Einsätzen des RDA (Gesamt-Einsatzzahl 2015) führten deren 200 in benachbarte Regionen. Und rund 200-mal standen Fahrzeuge aus der Nachbarschaft in der gleichen Zeitspanne im Säuliamt im Einsatz. «Das funktioniert sehr gut, weil wie schon erwähnt, alle Teams aus dem Kanton Zürich und auch Zug über die gleiche Notrufzentrale Zürich alarmiert und koordiniert werden», fügt Edwin Meier bei. Er wirft aber auch ein, dass die Reduktion bei den Einsatzfahrzeugen zu mehr Notfallfahrten führt und – weil ja der Bezirk Affoltern dabei ja auch verlassen wird – die Hilfsfristen länger werden können, wenn ein Team aus der oder in die Nachbarschaft anrücken muss. Die Regel ist aber, dass innerhalb von 15 Minuten ein Rettungsteam vor Ort ist. So sind auch die Vorgaben des Interverbands Rettungswesen Schweiz (IVR). Dauert es etwas länger, weil in eine andere Region gefahren werden muss – bei Notfällen wird das oft als «Ewigkeit» empfunden –, so müsse man das Patienten und Angehörigen jeweils erklären, sagt der RDA-Bildungsverantwortliche Matthias Gretler. Nicht immer sind es die längeren Anfahrtswege, sondern die äusseren Faktoren. Strassenverkehr und/oder Witterung können durchaus Gründe sein, dass man einige Minuten länger zur Anfahrt benötigt.
Vermehrt ins Wunsch-Spital fahren
RDA-Leute sehen sich heute vermehrt mit Wünschen von Patienten (oder deren Angehörigen) konfrontiert, diese in ihr Wunsch-Spital zu transportieren. Das wird nach Möglichkeit berücksichtigt, ist aber nicht in jedem Fall möglich – vor allem dann nicht, wenn es sich um eine vital Gefährdung handelt, wie beispielsweise Herzinfarkt, Hirnverletzungen oder um komplexe medizinische Probleme, die spezieller Abklärungen / Behandlung in einem Zentrumspital mit entsprechender Fachabteilung bedürfen. Der Rettungssanitäter oder die -sanitärerin, welche im Einsatz die medizinische Verantwortung trägt, entscheidet, in der Regel unter Einbezug der Betroffenen, welches das richtige Zielspital sein soll. Dann wird entweder ins Spital Affoltern gefahren, ins Triemli- oder ins Uni-Spital. Auch das Limmattalspital oder das Kantonsspital Zug in Baar wird regelmässig angefahren. Notfälle bei Kindern werden in erster Linie im Kinderspital oder Triemli behandelt.
Edwin Meier betont aber auch, dass die Spitalwahl aus medizinischer Sicht Sinn machen soll und der zeitliche Aspekt bis zur Ankunft im Spital berücksichtigt werden muss.
Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit erfolgt nicht nur unter den benachbarten Rettungsdiensten. Auch Polizei, Feuerwehren und Hausärzte gehören natürlich dazu. So werden bei verschiedenen Alarmmeldungen wie zum Beispiel «Bewusstlosigkeit/Atemlos» nebst dem Rettungsdienst auch eine Equipe First-Responder-Feuerwehr (FRF) gleichzeitig aufgeboten. «Oft ist die FRF-Gruppe der Ortsfeuerwehr schneller vor Ort und macht die Erstversorgung inklusive der Möglichkeit einer Frühdefibrillation bei einem Herzstillstand. Der Rettungsdienst ist dann für die weitere Behandlung und für die schnelle Überführung ins Spital zuständig», sagt Barbara Kirtz, stellvertretende RDA-Leiterin.
Eine weitere Hilfestellung bietet der RDA als ein Glied in der Kette des Notrufs des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) an Personen, welche zu Hause einen SRK-Hilferuf installiert haben. Sind keine Angehörigen erreichbar, so wird der RDA alarmiert und bietet die nötige Hilfestellung. Das kann auch mal sein, dass jemand aus dem Bett gefallen ist und nicht in der Lage ist, ohne fremde Hilfe wieder ins Bett zu kommen.
Gelernt, über schwierige Situationen zu sprechen
Rettungsdienst-Arbeit ist nicht nur wegen der Tag-und-Nachteinsätze und der körperlichen Anstrengung beim Tragen anspruchsvoll und fordernd. Er kann – je nach Vorkommnis – auch psychisch belastend sein. In Einsatznachbesprechungen oder auch ausführlichen, intensiven Debriefing, wo auch psychologische Hilfe beigezogen werden kann, werden Fälle nochmals besprochen und analysiert. «Unser Team hat gelernt, über schwierige Situationen zu sprechen», sagt Barbara Kirtz. Bei Bedarf bietet der RDA via Einsatzzentrale oder Kantonspolizei auch ein Careteam auf. Das kann auch mal für Angehörige nötig und wichtig sein. Selten kommt es auch vor, dass RDA-Leute auch als Zeugen zu Ereignissen befragt werden. Um für die schwierige und anspruchsvolle Arbeit jederzeit das nötige Rüstzeug zu haben, finden im RDA regelmässig, mehrmals im Jahr themenspezifische Fortbildungen statt. Diese beinhalten theoretische Themen, immer aber auch praktische Trainings.
Schulungsangebote
Eine wichtige Aufgabe ist die Ausbildung der FRF aller Feuerwehren im Bezirk. Matthias Gretler erklärt, dass nebst der dreitägigen Grundausbildung alle FRF jährlich einmal zu einem sogenannten «Refresher»-Tag kommen, um die FRF-Tätigkeit aufzufrischen und zu festigen. Das sei wichtig, für die Arbeit der Leute im Einsatz und um damit eine qualitativ hochstehende Erstversorgung garantieren zu können. Jedes Jahr werden die rund 50 Feuerwehrdienstleistenden eingeladen und diese machen Gebrauch von diesem Angebot. Der RDA selber bietet neben dem «Kerngeschäft», der präklinischen Notfallversorgung, auch Fortbildungen an, zum Beispiel für medizinisches Personal im Spital Affoltern, für Arztpraxen, Pflegeheime, Firmen, Schulen oder Horte usw.








