Tiefsinniger Sprücheklopfer und komischer Geschichtenerzähler

Im Rahmen von Kultur Affoltern trat Kabarettist Stefan Waghubinger am Samstag in Affoltern auf

«Auf dem Flohmarkt verkaufen ist so traurig. Da stehst du hinter deiner eigenen Vergangenheit und hoffst, dass noch jemand für sich eine Zukunft darin sieht», sagt Stefan Waghubinger bei seinem Auftritt. (Bild Christine Häusermann)

Wenn man am Abend vorher einen Film gesehen hat wie «C’è ancora domani», in dem eine gescheite Frau nicht von einem prügelnden, dummen Ehemann loskommt, hat man eigentlich keine Lust auf einen Unterhalter, der Sprüche über Paarbeziehungen klopft. Christian Scheurer von Kultur Affoltern stellt ­Stefan Waghubinger allerdings als geistreichen Zeitgenossen vor, der den ­subtilen, doppelbödigen Wortwitz beherrsche und dessen banal beginnende Geschichten oft eine tiefsinnige Wendung fänden. Das tönt dann zum Beispiel so: «Wir haben die ganze Wohnung komplett umgestellt und meine Frau hat gesagt, ich weiss nicht, aber etwas stört einfach immer noch. Dann hats mir gereicht und ich bin hinausgegangen und da sagte sie, jetzt passts.»

Stefan Waghubinger steht zwei Stunden als Alleinunterhalter auf der Bühne, als einzige Requisite ein Holztisch, darauf ein Monopoly, das er mit sich selbst spielt. «Der Hermann von der Stadtplanung hat gesagt, genauso machen sie es auch.» Wenn die imaginierten Mitspieler an der Reihe sind, wartet er und «jammert österreichisch mit deutscher Gründlichkeit», wie er es selbst ausdrückt, der Österreicher lebt seit 40 Jahren in Deutschland. Seine Überlegungen beginnen naiv, führen vielleicht auf ein sarkastisches Gleis, nehmen eine Kehrtwendung und enden nachdenklich doppelbödig. Das Publikum folgt seinen Gedankengängen, wie der Fuchs auf der Fährte des hakenschlagenden Hasen, eine sehr belebende, aber auch anstrengende Tour d’Horizon vieler Lebensthemen mit viel Schmunzeln und fröhlichem Losprusten. Nach zwei Stunden geistigem Feuerwerk ist man übervoll mit Gedankengängen und Ideen. Vieles bleibt hängen und regt auch am nächsten Tag noch zum Schmunzeln und Weitersinnieren an. Seine Texte gibt der Kabarettist auch in Buchform heraus.

Zu allem, was zu sagen

Beim Monopolyspielen – «Wenn du dich nicht ärgerst, wenn du verliest, nimmst du doch dem andern die Freude am Gewinnen» – kommen ihm die Themen querbeet in den Sinn. «Die Steinzeitmenschen haben ja schon die Höhlen bemalt, von unten bis oben, obwohl das schon Weltkulturerbe war. Wahrscheinlich hat der Steinzeitpapa zum Steinzeitsohn gesagt: Hör auf mit deinen Schmierereien, denk lieber an deine Zukunft.» Oder zum Thema Artenverlust der roten Eichhörnchen, die in 50 Jahren durch die grauen amerikanischen komplett verdrängt sein werden, meint er: «Ist doch schade, gä’ – wenn man dann noch ein rotes Eichhörnchen sieht, wahrscheinlich nur so ein graues, mit Nussallergie!» Und kommt dann ins Philosophieren, wie genial das Tier ausge­rüstet ist, findet dann aber, «dass ein Eichhörnchen ja kein Genie ist, obwohl alles, was es tut, genial ist. Warum? Wahrscheinlich, weil es nie etwas anderes getan hat, als was ein Eichhörnchen halt tut, das Eichhörnchen sucht nicht nach einer Geschäftsidee, dem Sinn des Lebens, es sucht nach einer Nuss, und wenn es eine Nuss gefunden hat, dann war das ein guter Tag, und wenn es auf einem Walnussbaum lebt, hat es ziemlich viele gute Tage.»

Wer Stefan Waghubinger im lamarotte verpasst hat, kann ihn bereits am 13. Juni im Singsaal Chilefeld in Obfelden, im Programm von Kultur Obfelden, nachholen.

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