Trächtige Tiere sind besonders gefährdet
Abgerissene Wildwarner beim Fahrradweg zwischen Obfelden Hirschen und der Autobahneinfahrt Affoltern

CD-grosse, blaue, runde Scheiben wehen zwischen Obfelden Hirschen und der My-Stop-Raststätte im Wind. Was einer Kunstinstallation gleichen könnte, wurde aufgrund praktischer Überlegungen montiert. Es sind Wildwarner, welche seit sechs Wochen dort hängen. Sie müssen jedoch immer wieder ersetzt werden, da sie mutwillig entfernt werden. «Seit wir die Wildwarner montiert haben, gab es dort erfreulicherweise keine Wildunfälle mehr, was die Effektivität dieser Wildwarner untermauert. Andererseits müssen wir die Wildwarner regelmässig ersetzen, da sie immer wieder abgerissen werden», berichtet der Obfelder Jagdobmann Bruno Fuchs. Die aus CDs und reflektierender Folie selber hergestellten Wildwarner sind zwischen Frühling und Sommer besonders wichtig.
Rehe passen ihr Sozialverhaltender Jahreszeit an
Nach der herbstlichen Paarungszeit schliessen sich Rehgeissen zu kleinen Gruppen zusammen, sogenannten Sprüngen. Die Gruppen leben aber nicht vergleichbar dicht wie Schafherden. Die Tiere eines Sprungs halten oft Abstände von rund 50 Metern zueinander.
Im Winter sind die Nahrungsquellen rar, und die Rehe müssen grössere Gebiete absuchen, um genügend Nahrung zu finden. In Gruppen können die Tiere Gefahren schneller erkennen und diesen ausweichen. Wer im Auto fährt und ein Reh über die Strasse rennen sieht, sollte deshalb – gerade im Winterhalbjahr – verlangsamen oder sogar anhalten. Denn wo ein Reh über die Strasse rennt, sind weitere meistens nicht fern. Es kann aber gut und gerne zehn Sekunden dauern, bis das nächste Reh die Strasse überquert.
Im Frühling, wenn das Nahrungsangebot für die Rehe dank vieler junger Triebe reichhaltig wird, werden die Rehgeissen wieder zu territoriumstreuen Einzelgängerinnen. Nach einer Tragezeit von rund 290 Tagen werfen Rehgeissen im Mai oder Juni ein bis vier Jungtiere, Kitze genannt. Momentan ist nachts beim Autofahren deshalb besondere Vorsicht geboten, da die hochträchtigen Rehgeissen nicht mehr so flink sind und bei^einem angefahrenen Muttertier immer auch Kitze zugrunde gehen.
Rehe überqueren die Strassen immer wieder an denselben Orten
Rehe sind sehr anpassungsfähig, gehen aber – einmal angepasst – immer wieder dieselben Wege. Seit der Inbetriebnahme der Autobahn A4 durch das Knonauer Amt zirkuliert das Wild zwischen Knonau und Zwillikon entlang der Autobahn und somit kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Verkehrsunfällen mit Rehen, Dachsen oder Füchsen. Angefahrene Tiere sterben meistens einen qualvollen Tod und auch die Autos nehmen beträchtlichen Schaden. Die blauen Wildwarner halten Rehe davon ab, die Strasse zu überqueren wenn Autos kommen, indem sie das Scheinwerferlicht reflektieren. «Da die Wildwarner nicht als solche erkennbar waren, wurden sie immer wieder abgerissen. Wir haben nun zwei Informationstafeln aufgestellt und hoffen, dass die Wildwarner nun endlich in Ruhe gelassen werden, wenn die Leute wissen, welchen Zweck sie erfüllen», meint der Obfelder Sicherheitsvorsteher Franz Müller zuversichtlich.


