Unerfülltes und Erreichtes in Affoltern

Eveline Fenner, Stadtpräsidentin Affoltern.
Eveline Fenner, Stadtpräsidentin Affoltern.

Kurz vor Weihnachten nach meinem Einkauf für die Festtage kam es zu einem kurzen Gespräch mit einem mir nicht bekannten Einwohner, wie ich es in meinem Amt oft erlebe. Er hätte noch einen letzten Wunsch an die Stadt. Es wäre einfach schön, wenn wir ein Hallenbad bauen würden. Er kenne so viele, die diesen Wunsch mit ihm teilen würden.

Unerfüllte Wünsche

Gleich schob er nach, dass er schon wisse, dass das wegen der Finanzlage der Stadt schwierig sei, aber schön wäre es schon. Viel musste ich dazu nicht sagen. Beim Weitergehen musste ich schmunzeln. So kurz vor Weihnachten darf man Wünsche haben, und es wäre schön, wenn plötzlich unter dem städtischen Weihnachtsbaum ein Couvert liegen würde mit dem nötigen Kleingeld für ein Hallenbad. Doch wir alle haben schon die Erfahrung gemacht, dass auch an Weihnachten nicht immer alle Wünsche in Erfüllung gehen.

Spannendes und intensives Jahr

In dieser Silvesteraufgabe sind wir Gemeindepräsidien aufgefordert, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Was haben wir erreicht, und was bleibt noch offen für die Zukunft? Die Legislatur 2022 bis 2026 neigt sich ja schon langsam dem Ende zu, und man spürt auch, dass wir uns in einem Wahljahr befinden.

2025 war ein spannendes und intensives Jahr. So konnten wir vor den Sommerferien das Bildungsgebäude an der Breitenstrasse der Primarschule als Benutzerin übergeben. Das Haus begann, sich mit Leben zu füllen. Was als Kindergartengebäude in die Planung ging, dient heute Kindergartenkindern und Erstklässlern als Schulhaus. Auch die Tagesbetreuung hat neue Räume beziehen dürfen. Diese Entwicklung zeigt einmal mehr sehr deutlich, wie wichtig es ist, dass in der Planung eine flexible Nutzung beachtet wird, weil sich die Bedürfnisse während der Nutzungsdauer ändern können.

Eine funktionierende Abwasserreinigungsanlage (ARA) zu haben, ist vermutlich für die Menschen in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit. Doch auch eine solche Anlage lebt nicht ewig. Der Urnenentscheid macht es möglich, die ARA in Zwillikon in den nächsten zehn Jahren komplett zu erneuern. Es ist vermutlich die grösste Investition, die Affoltern zusammen mit den Vertragsgemeinden je getätigt hat. Doch wir sind sehr dankbar, dass wir dieses Projekt nun schrittweise an die Hand nehmen dürfen. Damit wird die Abwasserreinigung auch für kommende Generationen wieder zur Selbstverständlichkeit.

Die Freude über das deutliche Resultat für das neue Sportinfrastrukturgebäude und die Sanierung der Anlage Im Moos war leider von kurzer Dauer. Eine Stimmrechtsbeschwerde wurde erstinstanzlich gutgeheissen und ist zurzeit beim Verwaltungsgericht hängig. Wir sind gespannt, ob es eine erneute Abstimmung brauchen wird.

Trotz Steuersenkung ab 2025 konnten wir im Dezember ein Budget 2026 präsentieren, das einen Ertragsüberschuss von rund 2.5 Millionen Franken zeigte. Was das schöne Bild jedoch trübt, sind die vielen Investitionen, welche zu einer Neuverschuldung führen werden. Hier eine gute Balance und Lösungen zu finden, wird auch die kommende Legislatur prägen. Es bleibt spannend und herausfordernd.

Der Stadtrat hat auch im vergangenen Jahr wieder Hunderte von Geschäften beraten, dies auch dank einem Team von starken Mitarbeitenden, die jeden Tag ihr Bestes geben, damit Geschäfte gut ausgearbeitet sind und das Tagesgeschäft erledigt wird. Zum Schluss bleibt mir nur noch der Dank an die Bevölkerung, die uns immer wieder auch das Vertrauen ausspricht und uns mit konstruktiver Kritik anspornt, hinzuschauen und nach guten Lösungen zu suchen.

Vieles bleibt im Verborgenen

Dankbar bin ich, wenn ich sehen kann, wie viele unsere Stadt lebenswert machen. Sei dies durch nachbarschaftliche Hilfe, Engagement in Vereinen, Integrationshilfe für Menschen, welche nicht in der Schweiz geboren wurden. Vieles bleibt im Verborgenen, macht aber für die Menschen, die davon profitieren, einen grossen Unterschied im Alltag. Ich hoffe, dass auch im kommenden Jahr die Menschen im Zentrum stehen in unserer Stadt.

Eveline Fenner,Stadtpräsidentin Affoltern

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