«Unsere Grösse ist Chance und Herausforderung»

Zwischenbilanz nach drei Jahren Kirchgemeinde Knonauer Amt

Vor drei Jahren schlossen sich neun reformierte Kirchgemeinden aus dem Bezirk Affoltern zur Kirchgemeinde Knonauer Amt zusammen. Das Projekt löste im Vorfeld Begeisterung wie auch Kritik aus. Der Start war für viele Beteiligte anspruchsvoll, manchmal auch kompliziert und harzig. Wo steht die neue Kirchgemeinde heute? Wie geht es der Leitung, den Mitarbeitenden und den Mitgliedern? Der kürzlich in stiller Wahl gewählte Präsident der Kirchenpflege Andreas Schmid und Kirchgemeindeschreiber Simon Plüer berichten im Gespräch mit dem «Anzeiger» von den Herausforderungen und Erfolgen.

«Anzeiger»: Wo steht die Kirchgemeinde Knonauer Amt heute?

Andreas Schmid: Vieles läuft inzwischen gut oder sogar sehr gut. Es hat auf allen Ebenen eine Konsolidierung stattgefunden. Die Basis steht, wir können die nächste Etappe angehen und uns nun Gedanken machen, was in der nächsten Legislatur im Vordergrund stehen soll.

Simon Plüer: Sowohl die Mitglieder wie auch die Mitarbeitenden haben in diesen Jahren eine Entwicklung erlebt. Zu Beginn bestand bei vielen der Wunsch, dass möglichst alles bleiben soll, wie es war. Die Abwehrhaltung war zum Teil gross, auch was Neuerungen in den Strukturen und der Verwaltung betraf.

Was waren zu Beginn die grössten Hürden?

Simon Plüer: Wir mussten in kurzer Zeit neue Strukturen aufbauen. Trotz Vorbereitung zeigten sich viele Details erst während der Arbeit. Am Anfang empfanden die meisten der Mitarbeitenden, dass aus kurzen Wegen lange geworden und sie von Mehrarbeit belastet sind. Doch eigentlich ist es bei einem neuen Projekt normal, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis es läuft. Die Wege sind jetzt professioneller geworden, was irgendwann sowieso nötig geworden wäre.

Welche Herausforderungen bleiben?

Andreas Schmid: Unsere Grösse ist Chance und Herausforderung zugleich. Neue Möglichkeiten ergeben sich, gleichzeitig gilt es, sorgfältig mit Bestehendem umzugehen.

Simon Plüer: Eine weitere Herausforderung ist die Suche nach Pfarrpersonen. Vor diesem Problem stehen wegen des Pfarrermangels zurzeit viele Kirchgemeinden.

In der Anfangsphase erhielten Sie immer wieder kritische Rückmeldungen vonseiten der Mitarbeitenden und der Mitglieder. Wie hat sich das entwickelt?

Simon Plüer: Das hat deutlich abgenommen. Die Abläufe sind inzwischen recht gut eingespielt, die Mitarbeitenden nicht mehr verunsichert oder übermässig belastet. Den Kirchenmitgliedern trauten viele zu wenig zu. Inzwischen wird es immer mehr geschätzt, auch mal über den Dorf-Haag zu schauen und einen Gottesdienst oder einen Anlass in einem anderen Dorf zu besuchen.

Was ist nebst den Strukturen neu geworden?

Andreas Schmid: Das sind die Angebote in den verschiedenen Kirchenorten, die allen Mitgliedern offenstehen und auch immer mehr genutzt werden. Die Bandbreite ist sehr gross und vielfältig. Eine andere Erfolgsstory sind die Fachteams.

Erzählen Sie bitte mehr dazu.

Andreas Schmid: Die Pfarrpersonen, Katechetinnen, Sozialdiakoninnen, Musizierenden und die Mitarbeitenden im Sigristen- und Hausdienst sowie in der Verwaltung arbeiten in Fachteams zusammen, tauschen sich aus und profitieren voneinander. Dadurch entstehen immer wieder spannende, bereichernde und ortsübergreifende Projekte.

Wie funktioniert die Arbeit in den Kirchenkommissionen in den Dörfern?

Simon Plüer: Das Kirchenleben vor Ort wird überall mit hohem Einsatz und viel Kreativität gestaltet. Einige Kommissionen sind sehr gut aufgestellt, andere suchen weitere Mitglieder.

Und wie ist die Kirchenpflege aufgestellt?

Andreas Schmid: Wir arbeiten konstruktiv zusammen und ergänzen uns gut. Ausser im Präsidium gab es in dieser Legislatur keine Rücktritte. Zur neuen Legislatur sind Veränderungen zu erwarten, doch wir möchten die Kontinuität erhalten.

Wo gibt es noch zu tun?

Andreas Schmid: Vieles ist schon passiert, vieles ist noch am Entstehen. In erster Linie geht es darum, die Zusammenarbeit und die Vernetzung über die Kirchenorte hinweg weiter zu vertiefen.

Simon Plüer: Wir möchten auch die Mobilität fördern, zum Beispiel den Transport zu den Gottesdiensten oder Anlässen in den verschiedenen Kirchenorten. Dazu planen wir, ein Fahrzeug, ein «(P)fahrmobil», anzuschaffen und auch eine zentrale Anlaufstelle einzurichten.

Eine Kritik, die da und dort zu vernehmen ist, betrifft die Gottesdienste. Manchmal findet im eigenen Dorf nur noch ein Gottesdienst im Monat statt.

Simon Plüer: Das ist eine Entwicklung, die nicht mit der Fusion, sondern mit der Reduktion der Stellenprozente unserer Pfarrpersonen zu tun hat. Auch ohne die Fusion wäre diese von der Landeskirche beschlossene Reduktion eingetroffen.

Andreas Schmid: Es ist uns aber ein grosses Anliegen, neue gottesdienstliche Formen zu finden und zu gestalten, um so weiterhin kirchliche Gemeinschaft vor Ort zu leben.

Kritische Stimmen gibt es auch zur Kommunikation. Kirchgängerinnen und Kirchgänger müssen sich in der Zeitung mühsam durch die lange Auflistung der Anlässe durchlesen, um herauszufinden, ob im eigenen Dorf ein Gottesdienst stattfindet.

Andreas Schmid: Ja, vor allem die Darstellung im Kirchenzettel am Freitag ist wirklich nicht benutzerfreundlich. Leider haben wir auf das Layout im «Anzeiger» keinen Einfluss. Immerhin kann man sich im «ref.lokal» besser über alle Orte hinweg orientieren.

Wie sieht die finanzielle Situation aus? Wurden durch die Fusion Ausgaben eingespart?

Simon Plüer: Nein, der Zusammenschluss wurde nicht durchgeführt, um Geld zu sparen, sondern um vielfältiger und kreativer auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können.

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