Vernetzte Bücher von Petra Ivanov
Gute Krimis locken Leser selbst an warmen, frühherbstlichen Abenden in geschlossene Räume. Für rund 60 Krimi-Fans hat es sich am vergangenen Dienstag gelohnt: Petra Ivanov begeisterte sie mit ihrer herzlichen, offenen Art und mit Spannung aufbauenden Ausschnitten aus ihrem Krimi «Täuschung».

Petra Ivanov hat sich als Krimiautorin längst einen Namen gemacht. Mit dem Wechsel vom Appenzeller Verlag zum Unionsverlag will sie als Zürcher Autorin in Deutschland Fuss fassen. Acht Krimis aus der Reihe mit der Staatsanwältin Regina Flint und Kriminalpolizist Bruno Cavalli sind bereits erschienen, «Täuschungen» ist der dritte Krimi in der Meyer- und Palushi-Reihe. Beide Reihen sind vernetzt, Jasmin Meyer lernt man bereits in den Flint- und Cavalli-Krimis kennen. Auch in ihren Jugendbüchern tauchen Personen aus anderen Geschichten auf. Gespannt sein darf man auf das Jugendbuch «Crash», das in den nächsten Wochen in den Buchhandlungen aufliegen wird.
Entwicklung der Protagonistin
Jasmin Meyer hat ihren Dienst bei der Polizei gekündigt. Sie war selbst Opfer eines Verbrechens. Dieses Trauma hinterliess tiefe Spuren – und Anwalt Pal Palushi, der sich um sie gekümmert hat und in dessen Wohnung das unterschiedliche Paar nun wohnt, hatte eine beschützende, führende Rolle. Mit den privaten Ermittlungen nach ihrem verschollenen Vater in Thailand, die Jasmin Meyer mit Palushi zusammenführt, ändert sich das Beziehungsmuster. Endlich in einer Umgebung, in der man nichts von ihrer Geschichte weiss, findet sie wieder zurück zu ihrer ursprünglich mutigen, aktiven Persönlichkeit. Es geht im neuen Krimi nicht nur um das Verschwinden eines Mannes in Thailand – es geht auch um Beziehungen, Paar-beziehungen, Verstrickungen in der Familie. Jasmin Meyer hat zwei Brüder. Die Auseinandersetzung mit der Mutter kann nicht offen stattfinden, weil diese sich der Vergangenheit nicht stellen will. Der Vater ist zu Beginn der Geschichte verschollen und Auslöser für alles ist ein toter Grossvater, von dem seine Enkel nichts gewusst haben – und den sie nun beerben sollen. Diese Verstrickungen und Familiengeheimnisse machen den Roman neben der spannenden Handlung vielschichtig. Handlungsstränge verweben sich – bis zur erstaunlichen Auflösung.
Ungeheure Spannung aufgebaut
Es herrschte Totenstille, als Petra Ivanov einige Szenen aus «Täuschungen» vorlas. Sie wählte die Textstellen gut: Man lebte sich fasziniert in ihren Schreib- und Lesestil ein und es baute sich ungeheure Spannung auf – ohne Auflösung. Man kam nicht darum herum, das Buch zu kaufen.
Besonders beliebt sind bei Lesungen die Erzählungen der Autoren über ihr Schaffen. Petra Ivanov arbeitet gleichzeitig an mehreren Büchern. Vor allem nach Beenden des Schreibens braucht die Phase des Gegenlesens durch Spezialisten wie Juristen, Gerichtsmediziner, die Polizei und andere, die vor allem die sachlichen Zusammenhänge und Einzelheiten aus ihrem Fokus beurteilen, eine Menge Zeit. Ivanov recherchiert genau und alles muss bis ins Detail stimmen.
Hohe Erwartungen an sich und andere
Sich mit ihr lachend identifizieren konnte sich ein Teil der Zuhörerschaft, als sie von ihren Bemühungen erzählte, ihre beiden Söhne zum Lesen zu bewegen. Ivanov liest selbst viel und gern. Sie gibt zu, dass sich ihr Verhalten als Lesende mit dem Schreiben verändert hat. Sie hinterfragt die Geschichten, hat hohe Erwartungen an sich, aber auch an andere Autoren. Vergisst sie das Hinterfragen, ist eine Geschichte wirklich packend. Gefragt wurde nach eBooks, Hörbüchern… Wer einmal Krimis von Petra Ivanov gelesen hat, will mehr.
Nächster Anlass in der Buchhandlung Scheidegger: Mittwoch, 5. Oktober, 19.30 Uhr: «Bauernleben - Die unglaubliche Geschichte des Wisi Zgraggen».


