Vom Teddy bis zu «Star Wars»: Nostalgische Spielzeugwelt in Aeugst

Die Ausstellung «Kleine Schätze, grosse Augen» feierte Vernissage in der KommBox

«Space Toys» – zu sehen in der KommBox in Aeugst. (Bild Brigitte Reemts Flum)

«Space Toys» – zu sehen in der KommBox in Aeugst. (Bild Brigitte Reemts Flum)

Ein Teil der Ausstellung ist dem Thema Puppen gewidmet.

Ein Teil der Ausstellung ist dem Thema Puppen gewidmet.

Ewald Schuler inmitten «seiner» Steiff-Tiere. (Bilder Brigitte Reemts Flum)

Ewald Schuler inmitten «seiner» Steiff-Tiere. (Bilder Brigitte Reemts Flum)

Die KommBox im Gemeindehaus von Aeugst ist ein originell genutzter Ort. Statt eines langweiligen und nicht notwendigen Warteraums entschied man sich nach der Fertigstellung, die freie Ecke als kleinen Kunstraum zu nutzen. Das ist inzwischen 20 Jahre her – seither finden jedes Jahr drei Ausstellungen statt, aktuell organisiert von den Projektleiterinnen Denise Meiler und Barbara Hesse im Ehrenamt.

Jede Ausstellung muss einen Bezug zur Gemeinde haben, sei es durch das Thema, sei es durch die Ausstellenden. Am Montag wurde nun «Kleine Schätze, grosse Augen» eröffnet, eine kuratierte Auswahl von Exponaten aus dem «Pegasus Small World Spielzeugmuseum» am Türlersee in Aeugstertal.

«Es geht um Erinnerungen, Geschichte, Zeitgeist – nicht um Objekte», betonte Barbara Hesse in ihrer Begrüssung den emotionalen Zugang zu den ausgestellten Spielzeugen und forderte die Besucherinnen und Besucher auf, «ihr inneres Kind zu dieser Ausstellung einmal hervorkommen zu lassen.»

Der Initiator der Ausstellung ist Ewald Schuler, Besitzer des «Pegasus Small Word Spielzeugmuseums». Zudem führt er das Geschenkartikelgeschäft «Pegasus» in Zürich sowie die «Steiff-Galerie» und war lange operativer Leiter des Franz-Carl-Weber-Museums.

Schon diese Stationen zeigen: Schuler verbindet eine aussergewöhnliche Passion mit grosser Fachkenntnis. Zum Sammeln kam er ursprünglich eher zufällig. Beruflich war er bis vor wenigen Jahren Inhaber einer Messe- und Ladenbaufirma. Einer seiner Kunden, ein grosser Spielwarenhändler, begann dann, seine Arbeit in Spielzeug zu bezahlen. Und so begann er Schritt für Schritt, seine eigene Sammlung aufzubauen.

Von Puppenklassikern bis Space Toys

Die Ausstellung kann naturgemäss nur eine kleine Auswahl der umfangreichen Sammlung aus den Jahren 1890 bis 1980 zeigen. «Der Raum ist klein, aber ich habe doch viel hineinbekommen», resümiert Schuler zufrieden.

In seiner Einführung wird schnell deutlich, dass er ein lebendes Lexikon ist, wenn es um Geschichten rund um «sein» Spielzeug geht. Und ganz besonders interessiert ihn dabei auch die Beziehung zwischen der «Massenware Spielzeug» und deren Kommerzialisierung.

Wenn Kunst zur Massenware wird

Eine Ecke der Ausstellung ist den Puppen gewidmet. Am Beispiel der bekannten «Sasha Puppen» der Schweizer Künstlerin Sasha Morgenthaler zeigt Schuler, wie sich ein ursprünglich kunsthandwerklich hochwertiges und teures Produkt durch industrielle Fertigung veränderte. Nach der Übernahme der Produktion durch die Götz Puppenmanufaktur in Deutschland und den Vertrieb durch die Migros in den 1950er-Jahren wurde aus der exklusiven Kunstpuppe schliesslich ein Massenartikel.

Steiff-Tiere sind eine Spezialdisziplin von Ewald Schuler. Entsprechend finden sich auch in der Ausstellung mehrere Exemplare, zum Teil auf einem beweglichen Schaustück präsentiert. Die deutsche Traditionsfirma Steiff gehört zu den bekanntesten Spielzeugmarken weltweit. Die zehn teuersten Teddybären stammen aus ihrem Haus, ein Exemplar wurde für rund 280000 Franken verkauft.

Der Weg von «Bild-Lilli» zur Barbie

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind Barbiepuppen, genauer gesagt Barbiepuppen in Tracht. Auch hier kennt Schuler die Geschichte im Detail. Ursprünglich kommt die Puppe nämlich nicht aus den USA, sondern aus Deutschland: Die «Bild-Zeitung» entwickelte in den 1950er-Jahren die Figur Bild-Lilli, gedacht als «Puppe für den Herren».

Die amerikanische Unternehmerin Ruth Handler, Mitgründerin von Mattel, entdeckte die Puppe 1956 in einem Geschäft von Franz Carl Weber, kaufte mehrere Exemplare und zeigte sie ihren Designern. 1959 erschien die erste Barbie-Puppe. Die Ähnlichkeit führte zu einem Rechtsstreit, bevor Mattel 1964 die Rechte an Bild-Lilli übernahm. Danach verschwand das deutsche Original vom Markt und Barbie wurde weltweit über eine Milliarde Mal verkauft.

Auch eine kleine Auswahl von Space Toys ist in der KommBox zu sehen. Staunend erfährt das eher ältere Publikum, wie populär diese Spielzeuge bis heute sind. Produkte rund um «Star Wars» wie Actionfiguren, Raumschiffe, LEGO-Sets oder Lichtschwerter gehören zu den erfolgreichsten Merchandising-Artikeln der Geschichte. George Lucas, Regisseur der «Star Wars»-Filme, verdiente damit Milliardenbeträge. Aktuell zeigt das Spielzeugmuseum eine grössere Sonderausstellung zu diesem Thema.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22.Mai während der Öffnungszeiten des Gemeindehauses zu sehen. Wer dadurch auf den Geschmack gekommen ist, kann anschliessend auch die umfangreiche Sammlung im Spielzeugmuseum in Aeugstertal besuchen, dies allerdings nur jeweils Samstag und Sonntag.

Die nächste Vernissage in der KommBox findet am3. Juni statt. Für diese Jubiläumsveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen ist eine Ausstellung zur Dorfgeschichte von Aeugst geplant

Weitere Artikel zu «Bezirk Affoltern», die sie interessieren könnten

Bezirk Affoltern19.02.2026

Lina Kozomara am Samstag im Mixed

Die Rifferswilerin Aerials-Athletin Lina Kozomara kam am vergangenen Mittwoch an den Olympischen Spielen von Milano Cortina zu ihrer Olympia-Premiere. Sie…

Vier Nationalräte und -rätinnen waren am Podium in Bonstetten (von links): Benjamin Fischer (SVP), Bettina Balmer (FDP), Meret Schneider (Grüne) und Gregor Rutz (SVP). Ganz rechts: Moderator Claude Wuillemin (SVP). (Bild Florian Hofer)
Bezirk Affoltern19.02.2026

Pointierte Positionen beim Podium

In Bonstetten wurde über die Halbierungsinitiative und die Individualbesteuerung diskutiert
In den 90er-Jahren wurden noch ganze Seiten im «Anzeiger» mit Wahlpropaganda gefüllt. Ein Traum für jeden Verlagsleiter.
Bezirk Affoltern19.02.2026

«Er steht mit beiden Beinen in der Wirtschaft»

Polemik, Skurriles und Humorvolles in früheren Wahlkämpfen