«Wärmeenergie hat riesiges Potenzial»
Analyse möglicher Wärmeoptimierungen, anhand von Daten der Gemeinde Aeugst
Für ihre Bachelorarbeit im Energie- und Umwelttechnik-Studiengang an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (Zhaw) haben sich Larissa Styger und Roman Gohl unter dem Titel «Bilanzierung der thermischen Energie am Beispiel der Gemeinde Aeugst am Albis», mit der Energieregion Knonauer Amt auseinandergesetzt. In der Gemeinde Aeugst wird im Heizungsbereich immer noch mehrheitlich auf Heizöl zurückgegriffen. Allein durch Heizöl werden in Aeugst jährlich acht Gigawattstunden Heizenergie erzeugt, 60 Prozent des Aeugster Verbrauchs. Auf Strom entfallen 19 Prozent der Wärmeenergie, Umweltwärme, also Wärmepumpen machen bereits 15 Prozent aus und Holz hat nur noch einen Anteil von vier Prozent. 2015 lag der Gesamtverbrauch für die Erzeugung von Wärme in Aeugst bei 12,9 Gigawatt. Dies entspricht rund 6,45 Megawatt pro Einwohner. Zur Produktion dieser Menge Energie müsste das Atomkraftwerk Gösgen rund 13 Stunden unter Vollleistung Strom produzieren.
Eingesparte Energie ist die sauberste Energie
Das grösste langfristige Energiesparpotenzial verorteten die Studierenden im Bereich Gebäudesanierung. «Unsere Analyse hat gezeigt, dass durch energetische Gebäudesanierungen bis 2050 bis zu acht Gigawattstunden Strom pro Jahr eingespart werden können. Dabei ist zu beachten, dass nicht benötigte Energie immer noch die sauberste Energie ist», erläutert Roman Gohl.
Das grösste kurzfristige und zweitgrösste langfristige Potenzial bei thermischer Energie besteht im Bereich Betriebsoptimierung und Raumwärme. In diesem Bereich können Leitungen, beispielsweise im Keller, besser gedämmt werden. Zudem sollte das Warmwasser zwischen 55 und 60°C warm sein und Wasserhähne und Duschbrausen können mit Sparvorrichtungen ausgerüstet sein.
«Den grössten Teil macht aber die Raumtemperatur an sich aus. Wer die Nachtabsenkung der Temperatur zeitlich gut einstellt und die Grundtemperatur je nach Raum anpasst, kann mit sehr wenig Aufwand riesige Mengen Energie sparen», erläutert Larissa Styger. Bis 2020 besteht in Aeugst im Bereich Betriebsoptimierung und Raumwärme ein Potenzial von zwei Gigawattstunden pro Jahr, bis ins Jahr 2050 könnten sogar mehr als vier Gigawattstunden mit minimen, oft kostenlosen Anpassungen eingespart werden.
Riesiges Potenzial von Erdsonden
Neben zahlreichen Möglichkeiten für Einsparungen von Heizenergie förderte die Bachelorarbeit von Roman Gohl und Larissa Styger auch Potenzial für energieeffiziente Wärmeproduktion zutage. Das grösste Potenzial wird in der Geothermie verortet, wo rund 6,7 Gigawattstunden Heizenergie ungenutzt sind. Diese Energie könnte mit Erdsonden-Wärmetauschern nutzbar gemacht werden. Der Strom für den Betrieb der Erdsondenheizungen könnte zudem problemlos durch Fotovoltaikanlagen oder Kleinwindturbinen produziert werden.
Über zwei Gigawattstunden Potenzial bestehen für Solarthermie-Anlagen, mit oder ohne saisonale Speicherung. Gerade im Bereich Warmwasser bieten sie grosses Potenzial. Überproduktion kann in Kombination miteiner Erdsonde genutzt werden, um das Erdreich aufzuwärmen, damit die Erdsonde im Winter wieder mehr Heizenergie generieren kann. Weitere 2,2 Gigawattstunden könnten durch Holzenergie aus den Aeugster Wäldern generiert werden. Momentan wird in den Aeugster Wäldern viel weniger Holz genutzt als nachwächst.
Energieregion Knonauer Amt strahlt bis nach Winterthur aus
Bis 2050 würde ohne Massnahmen mit einer Steigerung des Stromverbrauchs um 50 Prozent gerechnet, auf 18 Gigawattstunden. Durch die konsequente Nutzung der Sparpotenziale von über 12 Gigawattstunden, in Kombination mit der Nutzung von nachhaltigen Energiequellen könnte Aeugst bereits vor 2050 klimaneutral sein, in Bezug auf Heizenergie.
Ob dies der Fall sein wird, hängt von privaten Initiativen und dem Nachhaltigkeitsbewusstsein von Politik und Einwohnern ab. Aeugst scheint, wie der gesamte Bezirk Affoltern, auf einem guten Weg zu sein. Denn die Energieregion Knonauer Amt strahlte bereits bis zur Zhaw aus, weshalb sich die Studenten für den Bezirk Affoltern zu interessieren begannen. Aeugst schien ihnen eine sehr engagierte Gemeinde zu sein; der Aeugster Planungsvorstand Bruno Fuchs stellte ihnen nicht nur die nötigen Daten für ihre Studie zur Verfügung, er unterstützte die Bachelorarbeit auch mit viel Engagement.


