Wahlpodium Hedingen: Informativ und unterhaltsam

Wer kandidiert warum für den Gemeinderat? Das wurde am vergangenen Donnerstagabend geklärt

Die acht zur Auswahl stehenden Kandidierenden für den Gemeinderat Hedingen. (Bild Sandra Isabél Claus)
Die acht zur Auswahl stehenden Kandidierenden für den Gemeinderat Hedingen. (Bild Sandra Isabél Claus)

Marina Gantert von «Hedingen-engagiert» begrüsste die knapp 150 Hedingerinnen und Hedinger zum Wahlpodium in der Turnhalle Schachen. Rasch übergab sie das Wort an Moderatorin Bettina Dieterle, die mit Witz und Charme – im breiten Basler Dialekt – gekonnt durch den Abend führte. «Wenn unsere Theater so gut belegt wären wie diese Turnhalle heute, dann ginge es der Kulturszene grossartig», stellte sie erfreut fest. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Erneuerungswahlen vom 8. März bewegen und das Dorfgeschehen auf breites Interesse stösst.

Effektvolle Moderation

Effektvoll machte die Moderatorin mit wenigen Sätzen auf jede einzelne Persönlichkeit neugierig. Anschliessend bat sie die Kandidatin und den Kandidaten mit Namen auf die Bühne und stellte auch gleich die ersten knackigen Fragen. Den Anfang machte Nicole Doppler, die für das Präsidium kandidiert. Auf die Frage, was ihr als Gemeindepräsidentin besonders wichtig wäre, antwortete die aktuelle Finanzvorsteherin: «Die gute Zusammenarbeit innerhalb des Gemeinderates und mit der Verwaltung ist essenziell. Grosse Projekte möchte ich effizient vorantreiben.» Vorwärtsgehen möchte auch Marco Vanetta, derzeit im Gemeinderat zuständig für das Ressort Tiefbau, Natur und Umweltschutz. Er findet, Stillstand sei ein Rückschritt, es müsse möglich sein, Tradition und Fortschritt zu verbinden. Der Rückgang der Schülerinnen und Schüler sowie die komplexe Schulraumplanung beschäftigen Esther Nievergelt. Sie kandidiert erneut für das Amt als Schulpräsidentin, das sie im Moment innehat, und möchte die Gemeinde für Familien attraktiv halten. Auch für Fabian Kraxner stehen familienpolitische Themen im Fokus, ebenso wie psychische Gesundheit und das Gemeinwohl. Einen Psychiater brauche das Dorf Hedingen zwar nicht, doch den vielfältigen sozialen Themen müsse weiterhin ein hoher Stellenwert eingeräumt werden. «Was ist für Sie in Hedingen Ihr Herzensprojekt?», fragte Bettina Dieterle Rolf Schilliger, derzeitiger Vorsteher für Hochbau und Energie. «Dazu gehört sicherlich die Zentrumsplanung, für die wir bereits viel Zeit und Arbeit investiert haben», antwortete der Immobilienspezialist. Ein bemerkenswerter Aspekt in Sachen Energie sei, dass drei Windräder so viel Energie produzieren würden, wie die Gemeinde Hedingen (inklusive Industrie) in einem Jahr benötige. Nach der Vorstellung der bisher amtierenden Gemeinderäte wurden die neuen Anwärterinnen und Anwärter in den Ring geholt. Wie andere Kandidierende zog auch Debora Senn Mohanathas nach Hedingen, weil in Zürich keine Wohnung zu finden war. Als Einwohnerin und unbelastete Newcomerin liegt ihr am Herzen, dass die Bedürfnisse der Bevölkerung gehört und Veränderungen im Dorf sichtbar gemacht werden, nicht nur darüber gesprochen werde. Neben diversen Ämtern will sich auch Jürg Werner politisch engagieren. Auf seine Kernkompetenz angesprochen, führt er an, dass er über langjährige Führungserfahrung verfügt und in den Bereichen Finanzen, Planung und Strategie Impulse liefern kann. In die FDP-starke Gemeinde möchte er etwas SVP-Wind bringen.

Last, but not least trat Franziska Bossert in die Runde. Die Steuerpolitik steht bei ihr unter anderem ganz oben auf der Liste, wie auch das Thema Sicherheit – insbesondere die Zusammenarbeit mit der Polizei reizt sie. «Wollen Sie aus Hedingen ein kleines Zug machen – mit tiefen Steuern und Briefkastenfirmen?», erkundigte sich die Moderatorin mit einem Augenzwinkern. «Natürlich nicht. Zug ist steuerattraktiv, ja, doch habe ich kürzlich in einer neuen Statistik gelesen, dass Hedingen bereits im Begriff ist, aufzuholen», entgegnete die Expertin für Rechnungslegung und Controlling.

Grossprojekt Zentrumsplanung

Nach dieser Vorstellungsrunde lockte Bettina Dieterle mit Fragen zu möglichen, nicht gebundenen Investitionen, zu bezahlbarem Wohnraum und Alterswohnungen sowie zur Kommunikation zwischen Behörde und Bevölkerung die Kandidierenden aus der Reserve. Das Grossprojekt Zentrumsplanung kam zudem mehrfach zur Sprache. Dabei lautete die teils verhaltene Kritik, dass die Bevölkerung zu wenig oder zu spät in den Prozess eingebunden worden sei. Die Themen Verkehrsberuhigung und Biodiversität sorgten ebenfalls für differenzierte Anregungen.

Für Auflockerung sorgte das anschliessende Spiel «Landsgemeinde». Auf Fragen der Moderatorin antworteten die Kandidierenden mit Ja oder Nein, wobei Handheben Zustimmung bedeutete. So zeigte sich dem Publikum auf einfache Weise, wie sich die Kandidierenden zu unterschiedlichen Themen positionieren. Zum Abschluss erläuterten die acht Anwärterinnen und Anwärter kurz und prägnant, warum sie gewählt werden sollten. Einige Anwesende aus dem Publikum stellten noch letzte Fragen, die sich auf den zunehmenden Verkehr, insbesondere den stark frequentierten Kreisel, sowie auf ein allfälliges ganzheitliches Energiekonzept bezogen.

In eineinhalb kurzweiligen Stunden erhielt das Publikum nicht nur einen guten Überblick über die Kandidatenschaft, sondern wurde auch bestens unterhalten.

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