Wenig Zuversicht im Baugewerbe
Die Quartalserhebung des Schweizerischen Baumeisterverbandes sieht das Bauvolumen ähnlich hoch wie im Vorjahr. Die Bauunternehmen im Knonauer Amt sind weniger optimistisch. Sie leiden unter Mitbewerbern aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland.

Wer letztes Jahr durch die Dörfer des Säuliamts fuhr, brauchte nicht lange zu suchen, um einen Baukran zu entdecken. Da waren Grossbaustellen, welche bis zu vier Kräne aufwiesen.Eilige Automobilisten sahen sich umzingelt von Lastwagen, beladen mit Baumaterial, Rotlichter und Einbahnverkehr infolge Baustellen schienen den Verkehr fast permanent und überall zu behindern. Bauausschreibungen und Baugespanne praktisch in jeder Gemeinde zeigen deutlich, dass der Strassen- und vor allem auch der Wohnungsbau im Säuliamt boomen.
Dieser Feststellung widerspricht jedoch die Quartalserhebung des Schweizerischen Baumeisterverbandes. Bezogen auf die gesamtschweizerischen Zahlen, spricht der Verband von einem markanten Rückgang im Wohnungsbau. Die Umsätze im Bauhauptgewerbe sind 2015 um 8,6% auf 18,4 Milliarden Franken gesunken.Silvan Müggler, Leiter Wirtschaftspolitik des Schweizerischen Baumeisterverbandes, kennt die Situation in den einzelnen Regionen nicht. Er schliesst aber nicht aus, dass gewisse Gebiete von den Zahlen der Gesamterhebung abweichen können. Ebenfalls keine genauen Zahlen für einzelne Bezirke kennt Markus Hungerbühler, Geschäftsleiter des Schweizerischen Baumeisterverbandes Zürich-Schaffhausen (BZS).
Baufirmen von weit her drängen ins Säuliamt
Er ist auch über die Auftragslage in der Sektion des Baumeisterverbandes Zürichsee, Sihltal und Amt nur rudimentär informiert. Allerdings bezeichnet er den Auftragsbestand als immer noch ziemlich gut. Dieter Greber, Dipl. Ing. ETH und CEO der Leuthard-Gruppe, bestätigt zwar die grosse und entwicklungsfähige Bautätigkeit im Säuliamt. Die Firmennamen auf den vielen Baukränen bestätigen jedoch den Rückgang der Bautätigkeit in der gesamten Schweiz deutlich. Baufirmen von weit her drängen in das noch prosperierende Knonauer Amt und konkurrenzieren das einheimische Gewerbe. Dieter Greber spricht bezüglich Auftragsvolumen von einem Rückgang der Aufträge und sieht, wenn auch auf einem soliden Niveau, mit etwas weniger Zuversicht als auch schon in die Zukunft. Flavio De Luigi, Bauunternehmer in Affoltern, darf sein Auftragsvolumen als gut bezeichnen. Er baut momentan auch für den Eigenbedarf. Seinen Personalbestand habe er den Umständen angepasst. Um die Anzahl ihrer Anstellungen halten zu können, würden viele Unternehmen immer extremere Preisnachlässe gewähren.
Entlassungen mit ruinösen Offerten vermeiden
Die Konkurrenz aus der Innerschweiz, Glarus und noch weiter entfernten Regionen, vor allem im Strassenbau der öffentlichen Hand, arbeite mit ruinösen Offerten – lediglich, um keine Mitarbeiter entlassen zu müssen, welche bei einem allfälligen nächsten Auftrag dann schwierig zu rekrutieren wären.
Das Auftragsbuch der Firma Ferrari AG, Bauunternehmung in Mettmenstetten, ist bis Ende Juni 2016 gefüllt. Geschäftsleiter Emilio Ferrari musste keine Leute entlassen, wird aber vorderhand Abgänge nicht ersetzen. In den Monaten Dezember 2015 und Januar, Februar herrschte Vollbeschäftigung und zeitweise sogar eine leichte Überhitzung. Trotzdem musste die Firma insgesamt eine Umsatzeinbusse von rund 2 Prozent hinnehmen.
Die vielen Baukräne im Säuliamt widersprächen den Angaben des Baumeisterverbandes nicht, hält er fest. Damit die Mitbewerber aus weit entfernten Regionen ihre Mitarbeiter beschäftigen können, würden Konkurrenzfirmen Aufträge regelrecht «kaufen». Die nahe Zukunft dürfte für seine Firma nicht gerade als rosig bezeichnet werden.


