Wenn Architekten träumen
Wer derzeit am Schönbächler-Areal in Affoltern vorbeikommt und an den Visualisierungen, die dort hängen, wird feststellen: Es ist wieder einmal Zeit für die ganz grossen Gesten.
Da hüpfen Kinder mit wehenden Haaren auf einer Schaukel, rutschen von der Rutschbahn oder springen aus der Spielhütte, die natürlich wie alle Geräte aus Holz ist und nicht etwa aus Kunststoff, Gott bewahre! Da kuscheln Verliebte auf Balkonen (ja, ja, Plural, es gibt sie zahlreich), und sogar das Grosi findet in dieser Welt voller Minne Anschluss und schleicht mit dem Rollator auf ihre Bilderbuch-Nachbarn zu. So oder ähnlich versprechen es die Visualisierungen jedes Mal, wenn irgendwo im Bezirk ein paar neue Blöcke hingestellt werden. Dann ist kein Versprechen zu hochgegriffen, keine Floskel zu blumig. So wird aus ein paar Quadratmetern Betonboden eine Piazza, aus jedem durchschnittlichen Kämmerchen ein «Raum für visionäre Konzepte» und die Dreizimmer-Mietwohnung mit Balkon wird zum «Ort für alle, die nicht einfach wohnen, sondern ankommen, aufleben und Wurzeln schlagen möchten».
Doch einmal im Quartier eingezogen, lebt der Mensch, dieser Spielverderber, den Musterwelten der Architekten meist nur halbherzig nach. Faul, wie er ist, macht er es sich lieber auf der eigenen Ledercouch gemütlich, statt auf dem Merkurplatz ohne Lehne in der Sonne, wie es eigentlich für ihn vorgesehen wäre.
Und auch über den Marktplatz vor dem Kasinosaal, diesem Meisterwerk der Reizarmut, flaniert er kaum. Dabei ist der Platz geradezu ideal für alle, die endlich einmal in Ruhe nichts erleben möchten. Man muss es halt wollen.
Vielleicht wird ja auf dem Schönbächler-Areal alles anders, und im begrünten Innenhof, dem «Herzstück des Quartiers», toben ab Herbst 2028 tatsächlich bald Kinder, und Erwachsene treffen sich, quatschen, lachen und lärmen. Dann entsteht aus diesem öffentlichen Platz vielleicht tatsächlich ein Ort, an dem sich Menschen gerne treffen, statt nur der nächste «Hitze-Hotspot».






