Wenn dem Bach die Luft ausgeht

Hitze und Trockenheit setzen Fischen zu, doch nicht alle Arten reagieren gleich empfindlich

Am Haselbach bei Rossau ist vom Bach stellenweise kaum noch etwas zu sehen. (Bild Angela Bernetta)
Am Haselbach bei Rossau ist vom Bach stellenweise kaum noch etwas zu sehen. (Bild Angela Bernetta)

Wer derzeit im Säuliamt an einem Bach vorbeikommt, sieht vielerorts vor allem eins: Steine. Wo sonst Wasser fliesst, plätschern nur noch dürftige Rinnsale. Am Haselbach bei Rossau ist vom Bach stellenweise kaum noch etwas zu sehen. Im Oberlauf Richtung Mettmenstetten fliesst nur noch wenig Wasser, abschnittweise ist das Bachbett sogar ganz ausgetrocknet. Auch am Jonenbach bei Rifferswil ist der Wasserlauf stark zurückgegangen. Teilweise hat sich der Bach sogar fast ganz verabschiedet.

Was für Spaziergänger nach den Folgen eines heissen und trockenen Sommers aussieht, wird für die Fische zur Belastung. Mit sinkendem Wasserstand schrumpft ihr Lebensraum. Gleichzeitig steigt die Wassertemperatur. Welche Folgen das hat, hängt auch von der jeweiligen Fischart ab.

Wenn es eng wird

«Grundsätzlich muss man zwischen Seen und Fliessgewässern unterscheiden», erklärt Myriam Hunn von der kantonalen Baudirektion. In einem See können Fische bei hohen Temperaturen in tiefere und damit kühlere Wasserschichten ausweichen. In einem kleinen Bach ist das nicht möglich. Wird das Wasser knapp, bleibt den Fischen immer weniger Platz. «Problematisch sind nicht nur steigende Wassertemperaturen, sondern auch zu wenig oder gar kein Wasser in kleinen Fliessgewässern. Beides kann gravierende Folgen haben», ergänzt Hunn. Sinkt der Pegel, erwärmt sich das verbleibende Wasser schneller. Gleichzeitig schrumpft der Lebensraum der Fische. Trocknet ein Bach ganz aus, haben sie keine Überlebenschance.

Der Kanton Zürich führt deshalb eine Trockenheitskarte für Fischgewässer. Sie zeigt, welche Gewässer besonders gefährdet sind. Grundlage sind unter anderem Erfahrungen aus früheren Trockenheitsabfischungen.

Kühl bleiben

In grösseren Gewässern haben Fische mehr Möglichkeiten, der Hitze auszuweichen. Da das Wasser nicht überall gleich warm ist, zieht sich, wer kann, in tiefere Bereiche zurück. Dort finden sie zumindest vorübergehend kühlere Bedingungen. Für die Bewohner kleiner Bäche im Säuliamt gibt es diese Möglichkeit kaum. Sie sind auf das Wasser angewiesen, das noch im Bachbett ist. Bleiben einzelne tiefere Stellen, sogenannte Kolke oder «Gumpen», zurück, können sie als Rückzugsorte dienen. Hält die Trockenheit an, drohen auch diese Stellen auszutrocknen.

Nicht alle Fischarten reagieren gleich empfindlich auf hohe Wassertemperaturen. Rotfedern und Karpfen kommen mit warmem Wasser gut zurecht. Der Wels mag es sogar richtig warm. «Anders sieht es bei Forellen, Saiblingen, Äschen und Felchen aus», sagt Hunn. Diese Arten brauchen kühlere Gewässer.

Mit steigender Wassertemperatur beschleunigt sich der Stoffwechsel der Fische. Dadurch geraten viele Arten unter Stress und brauchen mehr Sauerstoff. Wird es noch wärmer, kann ihr Körper diesen Bedarf irgendwann nicht mehr decken. Selbst wenn das Wasser noch genügend Sauerstoff enthält, versagt der Organismus. Die Fische sterben.

Wo Gewässer auszutrocknen drohen, können Fachstellen eingreifen. Solche Massnahmen können Fischen helfen, die Folgen einer langen Trockenperiode lassen sich damit jedoch nicht verhindern. Der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) fordert schon seit Längerem Gewässer, die mehr aushalten. «Intakte, vernetzte und strukturreiche Gewässer sind der wirksamste Schutz für unsere Fischbestände», sagte Adrian Aeschlimann, Geschäftsführer des Schweizerischen Kompetenzzentrums Fischerei (SKF), unlängst in einem Interview.

Dazu gehören revitalisierte Bäche und beschattete Ufer. Tiefe Kolke, Seitenarme und grundwassergespeiste Rückzugsräume bieten den Fischen zusätzliche Möglichkeiten, kritische Bedingungen zu überstehen. Wanderhindernisse sollen verschwinden. Wird ein Bachabschnitt zu warm oder zu trocken, müssen die Fische ausweichen können.

Nachdem der Bund 2011 das Gewässerschutzgesetz revidiert hatte, erarbeitete der Kanton eine Revitalisierungsplanung. Sie sieht vor, bis 2035 je fünfzig Kilometer kantonaler und kommunaler Fliessgewässer zu revitalisieren. Damit sollen Lebensräume und die Biodiversität entlang der Flüsse und Bäche verbessert und gleichzeitig die Naherholungsgebiete aufgewertet werden. Auch wer wenig über Gewässerökologie weiss, kann helfen. Schilder, die bei Hitze zum Verzicht aufs Baden auffordern, haben ihren Grund. Beliebte Badestellen können für Fische die letzten Rückzugsorte sein. Auch Hunde sollten dann möglichst nicht ins Wasser.

In kleinen Bächen sollten zudem keine selbst gebauten Staudämme angelegt werden. Sie sehen zwar harmlos aus, können aber wichtige Wanderwege der Fische unterbrechen. Wenn ein Bach ohnehin nur noch aus ein paar flachen Rinnsalen besteht, brauchen die Fische vor allem eines: Ruhe. Wer einen ausgetrockneten Bach oder ein Fischsterben entdeckt, sollte den zuständigen Fischereiaufseher informieren. Ein heisser Sommer wird für Fische also nicht erst dann zum Problem, wenn ein Bach vollständig austrocknet. Entscheidend ist, ob genügend Wasser, Sauerstoff und kühle Rückzugsorte bleiben, wenn kein oder zu wenig Regen fällt. Die trockenen Bachbetten in der Region zeigen, wie wenig Spielraum den Fischen dann noch bleibt.

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