Wie ist die Wirtschaftslage, Herr Kalt?

Prognosen vom Chefökonom UBS Schweiz

Einschätzungen zur Wirtschaft aus erster Hand: Daniel Kalt (links), Chefökonom UBS Schweiz, mit Thomas Naef, Präsident Arbeitgeberverband Bezirk Affoltern, beim alljährlichen Prognosetreffen, diesmal in Rifferswil. (Bild Daniel Vaia)
Einschätzungen zur Wirtschaft aus erster Hand: Daniel Kalt (links), Chefökonom UBS Schweiz, mit Thomas Naef, Präsident Arbeitgeberverband Bezirk Affoltern, beim alljährlichen Prognosetreffen, diesmal in Rifferswil. (Bild Daniel Vaia)

Wie wird das Wirtschaftsjahr 2026? Was ist von den USA und insbesondere deren Präsidenten Donald Trump zu erwarten? Geht es an den Börsen weiter aufwärts? Das weiss natürlich auch Daniel Kalt, Chefökonom UBS Schweiz, nicht. Aber er kann, wie wohl nur wenige im Land, die wirtschaftliche Lage einschätzen und daraus mögliche Szenarien ableiten.

Kalt teilt seine Einschätzungen jeweils im Januar mit den Mitgliedern des Arbeitgeberverbands (AGV) des Bezirks Affoltern, und das seit vielen Jahren; ein Privileg, um das viele andere Wirtschaftsverbände die lokalen Arbeitgeber beneiden dürften. Rund 60 AGV-Mitglieder wollten diesmal im Gasthaus Pöstli in Rifferswil erfahren, wohin die Reise gehen könnte.

Das Fazit nach Kalts einstündigem Vortrag mit dem Titel «Schweizer Wirtschaft zwischen Zollhammer und geopolitischem Amboss»: Die «Rally» (steigende Kurse) an den Aktienmärkten könnte noch einige Zeit anhalten, aber es gibt sehr viele Unwägbarkeiten. Kalt stellte seinen Ausführungen eine Zusammenfassung der von den USA im November veröffentlichten neuen Sicherheitsstrategie voran, welche auch als «Monroe-Doktrin 2.0» bezeichnet wird. Das Papier, das von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde, erklärt laut Kalt vieles, was die USA unter Donald Trump bisher unternommen haben – und wohl noch unternehmen werden. Kurz zusammengefasst: Die USA konzentrieren sich künftig auf die eigene Sicherheit und auf die westliche Hemisphäre (Nord- und Südamerika, inkl. Grönland). In dieser Region sollen externe Mächte ausgeschlossen sowie die Migration und der Drogenhandel gestoppt werden. Jüngstes Beispiel: Das Vorgehen der USA in Venezuela.

Parallel haben die USA in Asien das Ziel, den wirtschaftlichen Wettbewerb zu gewinnen, das Handelsungleichgewicht mit China auszugleichen – und einen Krieg zu verhindern.

Zwischen den beiden Blöcken liegt Europa, aus US-Sicht schon fast eine «quantité négligeable» (Kalt), welche mehr Eigenverantwortung übernehmen muss, wobei die USA gleichzeitig eine strategische Stabilität mit Russland anstreben.

«Durch diese Brille», so Kalt, «muss man es sehen, dann versteht man alles viel besser.» Doch was auf den ersten Blick nach einer Supermacht aussieht, die der Welt den Takt vorgibt, ist auf den zweiten Blick eher die Folge einer – zumindest vorübergehenden – Schwäche. Kalt: «Die USA haben nicht mehr die Kraft, auf der ganzen Welt für Ruhe und Ordnung zu sorgen.» Kalt belegte dies in seinem Vortrag mit einer Grafik, welche die extrem hohe Staatsverschuldung der USA mit anderen Ländern vergleicht. Die Folge: Die USA geben mittlerweile rund 12 Prozent der Staatseinnahmen für Zinsen aus! Die Schweiz, zum Vergleich, benötigt dafür nur gerade ein halbes Prozent. Aber was haben die Anleger 2026 zu erwarten?

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