Wie schreibt man einen Krimi?
Krimiautorin Mitra Devi und Filmerin Bea Huwiler in der Bibliothek Ottenbach

Die preisgekrönte Autorin war inOttenbach nicht ausschliesslich als Lesende zu erfahren, sondern auch als Protagonistin in einem Dokumentarfilm. Mitra Devi und Bea Huwiler haben bereits mit dem gemeinsamen Film «Gothic» gezeigt, wie gut sie zusammenarbeiten. Sie beleuchteten in «Gothic» die Vielfalt dieser oft falsch eingeschätzten Szene und zeigten düstere, aber gewaltfreie Menschen, die sich mit den Themen beschäftigen, welche die Gesellschaft zu allen Zeiten gemieden hat: Vergänglichkeit, Dunkelheit, Trauer und Tod.
Es sind denn auch zutiefst menschliche Fragestellungen, die sowohl in den Krimis als auch in den Filmen aufgegriffen und gekonnt in eine spannende Geschichte verpackt sind. Was macht, dass es nie belehrend oder moralisch wirkt.
Der Täter schaut vor der Tat in den Spiegel und beschreibt sich selbst
Die Krimi-Autorin las aus «Der Blutsfeind» in der Reihe um Privatdetektivin Nora Tabani. Raffiniert: Der Täter schaut vor der Tat in den Spiegel und beschreibt sich selbst, so haben Lesende und Zuhörende bereits eine komplexe Persönlichkeit vor Augen.
Mitra Devi ist und schreibt vielschichtig: Es geht um Geheimnisse im Kreis vier und in der Zürcher Finanzwelt, um düstere Ecken der Stadt Zürich, um Mord und Action. Aber auch um Einfühlungsvermögen, um differenzierte Bilder von Persönlichkeiten, um emotionale Betroffenheit. Die Lesung aus dem fünften Fall von Nora Tabani packt die Besucher der Lesung: Zwei Maskierte stürmen die Zurich Credit Bank. Nora Tabani wird als Geisel genommen. Die Räuber zwingen Angestellte und Kunden in den Tresorraum. Hier sieht sich Nora, in Gefangenschaft zur Untätigkeit verdammt, mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert. Hat jemand Nora Tabani in eine Falle gelockt? Einer der Täter kennt sie. Woher?
Interviews und Spielfilm-Sequenzen
Bea Huwiler begleitet die Krimiautorin in ihrem Film «Crime – Auf Spurensuche mit Krimiautorin Mitra Devi» ein Jahr lang beim Planen, Schreiben und Produzieren des Zürcher Krimis. Bea Huwiler hat dabei ein eigenständiges Werk geschaffen, quasi einen Film mit verschiedenen Elementen kunstvoll gewoben: mit kurzen, temporeichen Spielfilmsequenzen, mit Gesprächen bei den Recherchen, mit Auszügen aus Interviews, welche die bekannte Moderatorin Mona Vetsch mit Mitra Devi macht, mit Besuchen bei der Druckerei und der Buchbinderei, mit Momenten des Schreibens zuhause oder in Beizen. Emotionen wecken zudem die wunderschönen filmischen Naturbetrachtungen und die Filmmusik, welche den Rahmen zum filmischen Bilderteppich geben. Die Filmdauer von 50 Minuten realisierten die Bibliotheksbesucher kaum.
Künstlerinnen
Mitra Devi, 1963, wuchs in Zürich auf und lebte als Jugendliche zwei Jahre in Israel. Sie ist als Autorin, Journalistin und bildende Künstlerin tätig. 2007 war sie Krimi-Stadtschreiberin von Leipzig, 2009 war sie Krimi-Stipendiatin von Wiesbaden. Ihr Schaffen umfasst Krimis, schwarzhumorige Kurzgeschichten und Gedichte sowie Filme.
Die Fotografin und Dok-Filmerin Bea Huwiler hat mehrere Fotowettbewerbe gewonnen und das Foto-Buch «Farbenzauber» im Appenzeller Verlag herausgegeben. Ihre Fotos und Filme zeugen von einer äusserst feinen Sensitivität. Der Dokumentarfilm wird anlässlich von Lesungen und in kleineren Kinos gezeigt. Besonders geeignet ist er für die Arbeit mit Schulklassen, denn viele Jugendliche interessiert das Thema «Krimis schreiben» – und die Art der Vermittlung durch BeaHuwiler begeistert auch Erwachsene.
Der Blutsfeind, Mitra Devi, Appenzeller Verlag, 2012, 286 Seiten, ISBN 978-3-85882-636-7, 38 Franken. Infos: <link http: www.mitradevi.ch crime-auf-spurensuche-mit-krimiautorin-mitra-devi external-link-new-window>www.mitradevi.ch/crime-auf-spurensuche-mit-krimiautorin-mitra-devi.


