Zersiedelung im Säuliamt - Hintergründe
«Zürich ist gebaut», verkündete 1986 die neue Zürcher Hochbauvorsteherin Ursula Koch. Sie zementierte damit eine Politik, die bereits seit Jahrzehnten für die Zersiedelung der Zürcher Agglomeration verantwortlich war.

Seit der Gründung des Schweizer Bundesstaats 1848 wuchs die Stadt Zürich von 41'000 Einwohnerinnen und Einwohnern auf 440'000 Einwohner im Jahr 1962. Sie wurde damit zur bevölkerungsreichsten Stadt der Schweiz und zum Wirtschaftsmotor der Region. Der Bezirk Affoltern wuchs in der selben Zeit nur um 4000 Einwohner. Da Verdichtung in der Stadt möglich war, wurde verdichtet.
Ende der 1960er-Jahre drehte jedoch der gesellschaftliche Wind. Durch das Wirtschaftswunder kamen die Menschen in der Stadt zu mehr Geld und fingen an, mehr Wohnraum für sich in Anspruch zu nehmen. Und auch der politische Wind drehte. Die SP wurde stärkste politische Kraft in der Stadt und 1984 wurde die Initiative für ein Hochhausverbot in der Innenstadt angenommen. Die linke Mehrheit im Zürcher Gemeinderat versuchte, das bisherige Stadtbild zu bewahren.
Linkskonservative Politik erhöht den Siedlungsdruck auf dem Land
1980 war die Bevölkerung der Stadt Zürich auf 370'000 Menschen geschrumpft. Da in der Stadt nicht mehr verdichtet werden konnte und gleichzeitig immer mehr Wohnraum pro Person genutzt wurde, entstand ein riesiger Siedlungsdruck auf die Zürcher Agglomeration. Die stadtnahen Bezirke wie Dietikon begannen bereits in den 1960er-Jahren dem Siedlungsdruck nachzugeben und auch die Bevölkerung des Säuliamts wuchs in den 1960er-Jahren stärker als in den 100 Jahren zuvor.
Die Folge der linkskonservativen Siedlungspolitik in der Stadt Zürich war Zersiedelung in der Agglomeration. Denn Menschen wollen bis heute dort leben, wo sie Arbeit finden. Mit der neuen Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich, die noch dieses Jahr verabschiedet wird, wird der Druck auf die Landschaft noch stärker steigen. Denn die Hürden für Verdichtung bleiben extrem hoch.


