«Zwischen Zollhammer und geopolitischem Amboss»
Einschätzungen von UBS-Chefökonom Kalt beim Arbeitgeberverband des Bezirks Affoltern

Vergangenen Mittwoch hielt Daniel Kalt, Chefökonom der UBS Schweiz, einen einstündigen Vortrag mit dem Titel «Schweizer Wirtschaft zwischen Zollhammer und geopolitischem Amboss». Er teilte seine Einschätzungen beim alljährlichen Prognosetreffen, diesmal in Rifferswil, mit den Mitgliedern des Arbeitgeberverbands (AGV) des Bezirks. Kommt bald schon die nächste Blase und was bringt Börsenblasen zum Platzen?
Wirtschaft «resilienter als vermutet»
Wie sehr die USA direkt auch die Schweiz beeinflussen, zeigte sich im Herbst, als Trump den «Zollhammer» niedersausen liess. 39 Prozent brummte er der Schweiz auf, später wurde der Satz auf 15 Prozent gesenkt. Ein Schock für die Schweizer Wirtschaft. Er trifft das Land indes regional unterschiedlich stark. So ist gemäss einer UBS-Studie von Exporten in die USA insbesondere der Jurabogen betroffen (Uhrenindustrie). Dort hängen mancherorts gegen 10 Prozent der Arbeitsplätze von diesem Absatzmarkt ab. Kalt rückblickend: «Immerhin ist es nicht so schlimm gekommen, wie vor einem halben Jahr gedacht. Die Wirtschaft ist resilienter als vermutet.»
Grundsätzlich, so Kalt, stehe die Schweiz trotz gewisser Probleme nach wie vor gut da. Obwohl flächenmässig nur das 136-grösste Land der Welt, stehe die Schweiz von der Wirtschaftsgrösse her auf Platz 20 und in Sachen Wettbewerbsfähigkeit auf Platz 1. Allerdings müsse das Land sich bemühen, um diese Errungenschaften zu erhalten. Sorge bereite ihm unter anderem die Tatsache, dass fast nur noch der Staat für Beschäftigungswachstum sorge (Zahlen 3. Quartal 2025), so in den Bereichen Gesundheits- und Sozialwesen, öffentliche Verwaltung, Erziehung und Verkehr. Das könne auf die Dauer nicht gut gehen. Er hoffe daher, dass die von den Jungfreisinnigen lancierte «Verwaltungsbremse»-Initiative auf grosse Zustimmung stosse.
«Relativ optimistisch»
Und was haben die Anleger 2026 zu erwarten? Geht es weiter aufwärts auf den Börsen, die sich zuletzt von politischen Ereignissen ziemlich unbeeindruckt zeigten (Stichwort: «Teflon-Wirtschaft»). Laut Kalt kann die Börsen-Rally «noch ein bis zwei Jahre anhalten, aber die Korrektur kommt». Vor allem in den USA sei das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei den Aktien mittlerweile sehr hoch. Das liege vor allem an den Tech-Firmen. Auf der anderen Seite zeige ein Vergleich vom Kursverlauf rund um die Dotcom-Bubble (Internetblase, Ende der 1990er- und frühe 2000er-Jahre) mit dem aktuellen Verlauf der US-Technologiebörse Nasdaq, dass man noch weit weg von einer Blase ist. Interessant sei in diesem Zusammenhang die Frage: Was bringt Börsenblasen eigentlich zum Platzen? Die UBS sei dieser Frage nachgegangen und zum Schluss gekommen, dass es vor allem Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed sind. Das sei der Fall gewesen bei der erwähnten Dotcom-Bubble und bei der Subprime-Krise (Immobilienkrise USA, 2007/2008). Dies sei mit ein Grund, weshalb Trump derart scharf gegen Noch-Fed-Chef Jerome Powell schiesse, der sich mit Blick auf die US-Inflation standhaft weigert, die Zinsen zu senken.
Insgesamt, so Kalt, blicke er «relativ optimistisch ins Jahr, vorausgesetzt, es passiert nichts Apokalyptisches». Hier müsse unter anderem auch die Situation rund um Taiwan im Auge behalten werden. Doch gehen die Analysten der UBS davon aus, dass es weiterhin bei chinesischen Druckversuchen unterhalb der Kriegsschwelle bleiben wird.
1.
Platz in Sachen Wettbewerbsfähigkeit für die Schweiz und 20. Platz von der Wirtschaftsgrösse her.


