Mobiles Märtkafi bereichert Wochenmarkt

Seit Ende Juni kann nach dem Einkauf auf dem Markt wieder gemütlich zusammen Kaffee getrunken werden

Endlich gibt es wieder eine Art Märtkafi am Wochenmarkt in Affoltern.

Endlich gibt es wieder eine Art Märtkafi am Wochenmarkt in Affoltern.

Das Angebot am Wochenmarkt in Affoltern wird von der Bevölkerung sehr geschätzt, es muss aber auch regelmässig genutzt werden. (Bilder Claudia Eugster)

Das Angebot am Wochenmarkt in Affoltern wird von der Bevölkerung sehr geschätzt, es muss aber auch regelmässig genutzt werden. (Bilder Claudia Eugster)

Das Ehepaar Haller.

Das Ehepaar Haller.

Der Marktplatz mag kahl wirken, aber es sind jeden Samstag immer mindestens zwischen sieben und neun Standbetreibende vor Ort.

Der Marktplatz mag kahl wirken, aber es sind jeden Samstag immer mindestens zwischen sieben und neun Standbetreibende vor Ort.

Die Heinigers aus Mettmenstetten.

Die Heinigers aus Mettmenstetten.

Brot vom Pöschtli Beck in Obfelden.

Brot vom Pöschtli Beck in Obfelden.

Heidi Bühler-Eugster aus Hedingen.

Heidi Bühler-Eugster aus Hedingen.

Ob Brot, frisches Gemüse und Obst, Bio-Lebensmittel, farbenfrohe Blumengestecke oder Deko-Artikel – auf dem Wochenmarkt in Affoltern gibt es eine schöne Auswahl regionaler Produkte, und dies zu einem angemessenen Preis. «Wir haben eine Art ‹Gerüst›, das besteht», so Thomas Haller, der als Präsident des Vereins Wochenmarkt Affoltern am Albis die Verantwortung für die Organisation trägt. Gleichzeitig bietet er gemeinsam mit seiner Frau selbst Sträusse, Gestecke, Kräuter, Geschenke und gerösteten Kaffee an. Es sei Hobby und Nebenerwerb in einem.

Dieses «Gerüst», von dem Thomas Haller spricht, bilden Standbetreiber, die praktisch immer – das heisst 40 Mal im Jahr – auf dem Wochenmarkt in Affoltern vertreten sind. Sie erfreuen sich einer grossen Stammkundschaft. Heute sind der Pöschtli Beck aus Obfelden mit Brot und Backwaren, Heidi Bühler-Eugster aus Hedingen mit ihren Deko-Artikeln und Blumen und Schneider Kaffee und Flowers vor Ort. Obst und Gemüse finden sich am Stand vom Bauernhof Heiniger in Mettmenstetten, Bio-Lebensmittel direkt vom Demeterhof an jenem vom Biohof Schönboden. Rita Tomasini bietet Taschen und andere Textilwaren an, die sie in ihrem Atelier aus ausgemusterten T-Shirts und Jeans herstellt. Ursula Helfrich mit Dogcreationen fehlt heute. Die Pfadi macht Werbung für ihr Pfadi Folk Fest Ende August. Und viele Kundinnen und Kunden erledigen ihren Einkauf und tummeln sich um die Stände. Es hätte jedoch durchaus noch Platz für ein paar weitere. «Einen Stand, der Käse verkauft, könnten wir noch brauchen», so Thomas Haller. Auch Fleischwaren sucht man heute vergeblich. Weil der Anbieter für Bio-Waren eigentlich bereits pensioniert wäre, wird dringend ein Standbetreiber gesucht, der solche Lebensmittel anbietet, denn es sei ein regelrechter Kundenmagnet. «Und natürlich ist es ein grosser Verlust, dass es das Märtkafi nicht mehr gibt», bedauert Thomas Haller.

Das Märtkafi kehrt zurück

Beim Food-Truck gleich neben dem Stand des Ehepaars Haller wird – darauf angesprochen – Maurice Keiser, ehemaliger Leiter des Märtkafi, leicht schwermütig und er erinnert sich zurück: «Trotz grosser Bemühungen aller Beteiligten konnte keine langfristig tragfähige Lösung gefunden werden. Insbesondere die Deckung des Defizits sowie die Personalsuche unter den gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen stellten uns vor grosse Herausforderungen.» Daher musste man das Märtkafi schweren Herzens aufgeben. Aber das war für Maurice kein Grund, selbst aufzugeben. Er liebt es, Kaffee zu machen, und sein Bruder Dominique ist Bäcker. Gemeinsam bauten sie im letzten Dreivierteljahr einen Pferdeanhänger zu einem Food-Truck um, aus dem sie nun seit Ende Juni unter dem Namen «Beans & Crumbs» Kaffee und Kuchen auf dem Wochenmarkt in Affoltern verkaufen.

Wie es denn bis jetzt so laufe? «Wir stehen erst am Anfang», so Maurice Keiser. Gerade seien ausserdem noch Sommerferien und daher generell weniger los. Schade sei auch, dass noch nicht alle Stammkunden zurück seien, aber da gibt der 29-Jährige sich zuversichtlich, denn: «Ein paar Stammkunden sind bereits wiedergekommen und haben sich sehr gefreut.»

Und auch die Standbetreibenden selbst nehmen das Angebot in Anspruch. Stefan Heiniger, der gegenüber Gemüse und Obst verkauft, bestellt einen Kaffee. Er ist mit seinem Stand bereits seit über 30 Jahren jeden Samstag auf dem Wochenmarkt. Auch sein Vater bot hier bereits Waren feil. Ob es weniger Kundschaft habe als früher? Nicht unbedingt, aber es würden kleinere Mengen gekauft als früher. An einem klassischen Markttag habe er zwischen 100 und 120 Kunden, daher muss er, als Maurice Keiser den Kaffee aufgebrüht hat, auch gleich wieder zurück zu seinem Marktstand, denn das Geschäft brummt beim Bauer aus Mettmenstetten.

Auch Angi Stimpfl hat kaum eine freie Minute, um ein paar Worte zu wechseln. Sie verkauft seit fünf Jahren Brot am Stand vom Pöschtli Beck aus Obfelden. In diesem Jahr laufe es etwas «harzig», was schade sei, da alles regionale Produkte seien, beim Pöschtli Beck sogar alles handgemacht, aber: «Die Leute gehen halt heute eher zum Grossverteiler, wo sie alles auf einmal einkaufen können.» Nicht so Ursula Ferrat, die sogar extra aus Bonstetten jeden Samstag auf den Markt in Affoltern kommt. «Ich möchte das unterstützen, und ausserdem gibt es hier einen Bio-Stand, der Demeter-Produkte verkauft», sagt sie, während sie das Geld zählt, das sie Angi Stimpfl für das Brot, das sie gerade einkauft, schuldet. Es sei natürlich aber nicht mehr so charmant wie früher, der Platz sei kalt. Mit ein Grund, warum sie von Affoltern nach Bonstetten umgezogen sei. «Alles, was Charme hatte, wird abgebrochen», meint Ursula Ferrat und geht weiter zum Gemüse- und Obststand des Bauernhofs Heiniger.

Wer auch immer mit ihrem Stand am Wochenmarkt vertreten ist, ist Heidi Bühler-Eugster aus Hedingen. Seit 2020 bietet sie ihre Deko-Artikel und selbst gemachte Traumfänger an, zur Weihnachtszeit Adventskränze und weihnachtliche Sachen. Auch für Kinder gibt es allerlei an ihrem Stand zu entdecken. Neu hat sie das Angebot auf Blumen und Topfpflanzen ausgeweitet. Besonders Freude macht es ihr, wenn die Leute kommen und stöbern, und sie wünschte sich, der Markt wäre etwas mehr wie ein Flohmarkt, aber: «Es ist halt ein Markt, auf dem die Leute einkaufen, was sie wirklich brauchen.» Marktstände und Marktbetreiber habe es weniger als früher. Hat das Interesse am Markt denn generell abgenommen? Nicht unbedingt, findet Heidi Bühler-Eugster, gerade die älteren Leute seien dankbar, hier ihre Lebensmittel einkaufen zu können und dafür nicht in einen Coop oder Migros gehen zu müssen.

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