Wo der Rennsportnachwuchs Präzision lernt

Millimeterarbeit am traditionsreichen Seifenkistenrennen GP Rossau

Obschon das Reglement strikt ist, sieht kaum eine Seifenkiste gleich aus wie die andere. Lars Wirth hat sich vom englischen Sportwagenbauer Lotus inspirieren lassen.

Obschon das Reglement strikt ist, sieht kaum eine Seifenkiste gleich aus wie die andere. Lars Wirth hat sich vom englischen Sportwagenbauer Lotus inspirieren lassen.

Warten in der Kolonne auf den Start.

Warten in der Kolonne auf den Start.

So nicht! Fabio Rüegg aus Rossau fährt eine Pylone um, was Strafzeit bedeutet. Er wird schliesslich 9. bei den Rookies.

So nicht! Fabio Rüegg aus Rossau fährt eine Pylone um, was Strafzeit bedeutet. Er wird schliesslich 9. bei den Rookies.

Mit vereinter Kraft werden sie Seifenkisten auf der Startrampe in Poleposition gebracht. (Bilder Martin Platter)

Mit vereinter Kraft werden sie Seifenkisten auf der Startrampe in Poleposition gebracht. (Bilder Martin Platter)

Wenn die Ampeln im Motorsport auf Grün schalten, steht immer öfter die Jugend im Rampenlicht. In der Formel 1 sorgt seit dieser Saison Kimi Antonelli für Schlagzeilen. Mit gerade einmal 19 Jahren konnte sich der Italiener als bisher zweitjüngster Grand-Prix-Sieger und jüngster Führender in der Zwischenwertung der Formel-1-Weltmeisterschaft feiern lassen. Diese Entwicklung im modernen Rennsport basiert auf einer langjährigen Ausbildung, die für viele Talente bereits in früher Kindheit beginnt. Bevor Motoren zum Einsatz kommen, sammeln Kinder und Jugendliche nicht selten erste Erfahrungen in antriebslosen Seifenkisten auf abschüssigen Strassen.

Ein fester Bestandteil dieser nationalen Nachwuchsförderung ist der Grand Prix von Rossau. Die Veranstaltung wurde am letzten Samstag bereits zum 62. Mal tadellos vom Sport-Club Rossau durchgeführt und bildet einen von insgesamt 22 Wertungsläufen des nationalen Autobau Seifenkisten-Derbys. Eine Woche vor den Schweizer Meisterschaften im bernischen Schwendibach war die Prüfung zugleich eine letzte Standortbestimmung für die jungen Rennfahrer.

Hangabtrieb anstatt Motorengeheul

Statt PS-starker Hybridmotoren sorgt die reine Hangabtriebskraft der Strasse von Hauptikon nach Rossau für Beschleunigung. 64 Tiefenmeter bringen Speed und Nervenkitzel, verlangen aber auch höchste Konzentration. Denn dort, wo es steil wird, bremsen fiese Schikanen eine allzu ungestüme Fahrweise. Es galt, drei Läufe zu absolvieren. Die Anforderungen an die fahrerische Präzision sind mit dem Rennsport auf einem Rundkurs vergleichbar. Während in der Formel 1 das Missachten der Streckenbegrenzung zu Zeitstrafen führt, ahndet die Rennleitung in Rossau das Berühren der Streckenbegrenzungen auf der 1300 Meter langen Piste. Wer die in den Kurven platzierten Pylonen touchiert, verschiebt oder sogar umfährt, erhält Strafsekunden, die den Laufzeiten zugerechnet werden.

Der spannendste Teil der Strecke war die berüchtigte Reservoir-Schikane – mit seiner Baumgruppe und dem kühlenden Brunnen auch so der Publikums-«Hotspot». Denn neben der Linienwahl spielte beim diesjährigen Rennen auch die Witterung eine entscheidende Rolle. Temperaturen von rund 36 Grad im Schatten heizten den Asphalt derart stark auf, dass die nur 20 Millimeter breiten Vollgummireifen Haftung abbauten. Die Piloten hatten mit rutschenden Fahrzeugen und ausbrechenden Hecks zu kämpfen.

Rutschende Kisten wegen der Hitze

Aber die Bedingungen waren für alle gleich. Auch was das Material betrifft. Der Seifenkistensport unterliegt einem strengen technischen Reglement. Die Fahrzeuge dürfen nicht länger als zwei Meter und nicht breiter als einen Meter sein. Achsen und Räder sind normiert. Die Kisten dürfen ausschliesslich über eine mittels Kabelzug und Lenkrad bzw. -säule betätigte Lenkung verfügen. Das Maximalgewicht der Kiste beträgt 65 Kilo plus Fahrer. Vor dem Start wird die Einhaltung der Bauvorschriften geprüft.

Neben der Lizenzkategorie, die mit 44 Teilnehmenden mit Abstand das grösste Feld stellte, nahmen auch wieder zahlreiche Rookies, Funfahrer und Kinder aus der Region am GP Rossau teil. Für Neueinsteiger und Jugendliche ohne eigenes Fahrzeug stellte der Veranstalter standardisierte Schnupperkisten zur Verfügung. Sehr zur Freude auch für die mitgereisten Eltern, Onkels, Tanten und Freunde. Wer weiss: Vielleicht kommt der nächste Kimi Antonelli ja aus dem Säuliamt.

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