Der Code-Breaker

Wie Dimo Notarfrancesco aus Stallikon vom Lernenden zum Hightech-Pionier wurde

Am Flugplatz in Hausen erfüllte sich Dimo Notarfrancesco 2012 den Traum vom Fliegen. (Bild Deviprasad Rao)
Am Flugplatz in Hausen erfüllte sich Dimo Notarfrancesco 2012 den Traum vom Fliegen. (Bild Deviprasad Rao)

Mit gerade einmal zehn Jahren, als die meisten Kinder noch Videospiele spielten, schrieb Dimo Notarfrancesco bereits den Code dahinter. Autodidaktisch, unermüdlich neugierig und von klassischen Schulbüchern eher gelangweilt, war sein früher Einstieg ins Programmieren keine geplante Karriereentscheidung, sondern vielmehr ein Spielplatz für seine Kreativität. Dimo war stets von einer einfachen Grundüberzeugung geleitet: «Es gibt nichts, was man nicht schaffen kann – man muss es einfach versuchen.»

Als Schüler des Langzeitgymnasiums erschien Dimo der theoretische Weg zum Informatikstudium zu wenig praxisnah. Deshalb entschied er sich für eine Berufslehre. Doch schon bald war klar, dass der reguläre Lehrplan ihn nicht mehr forderte. Sein Lehrbetrieb vermittelte ihm deshalb eine aussergewöhnliche Zusammenarbeit mit dem Institut für Embedded Systems der ZHAW, wo er bereits als Teenager gemeinsam mit Bachelor- und Masterstudierenden an anspruchsvollen Softwareprojekten mitarbeitete.

Gründung mit 18 Jahren

Im Jahr 2009, mit erst 18 Jahren und frisch aus der Lehre, gründete Dimo mit einem Sparkonto seiner Grosseltern seine eigene Firma: DimasterSoftware GmbH, benannt nach seinem Spitznamen aus der Gaming-Welt. Rückblickend sagt er: «Damals war es einfacher, den Schritt zu wagen. Man hatte noch kaum Verantwortung – keine Familie, keine Verpflichtungen. Es war genau der richtige Zeitpunkt, es einfach zu versuchen. Und es hat funktioniert.»

Die ersten Aufträge kamen über Webprojekte, teilweise vermittelt durch seinen Vater, einen Marketingspezialisten, der später Mitgesellschafter der GmbH wurde. Gemeinsam spezialisierten sie sich auf technische Herausforderungen, die andere IT-Unternehmen als zu riskant oder gar unmöglich ablehnten. «Die anderen sagten: ‹Das geht nicht, das Risiko ist zu gross.› Wir sagten: ‹Wir können es versuchen. Garantieren können wir es nicht, aber wir probieren es.› Genau so begann unser Wachstum.»

Obwohl Dimo heute knapp jenseits der Kantonsgrenze in der Region Muri wohnt, liegt das eigentliche Zentrum seines beruflichen Alltags fest im Säuliamt. Sein Bürostandort befindet sich in Stallikon – bewusst gewählt als strategischer Standort mit schneller Anbindung an Zürich, jedoch ohne den städtischen Verkehr. Umgeben von Natur. Hier kann Dimo zwischen intensiven Entwicklungsphasen mit seinen Hunden Spaziergänge unternehmen. Wie er selbst sagt: «Stallikon ist ein guter Kompromiss zwischen Stadt und Land. Es gibt praktisch nie Stau, die Kunden sind schnell erreichbar, es ist ruhig und rundherum hat man Natur.»

Nur rund 20 Fahrminuten entfernt liegt sein zweiter Ankerpunkt: der Flugplatz Hausen des SWISS Flying Clubs, in dem Dimo seinem Hobby nachgeht. Dort erfüllte sich Dimo um 2012 den Traum vom Fliegen. Als ihm die veralteten Papierlogbücher auffielen, entwickelte er für seinen Heimatflugclub eine digitale Plattform. Daraus entstand das Luftfahrtunternehmen Airtraining GmbH mit den Produkten AirManager, BaseManager und CustomsManager, das Flugstunden, Wartungsdaten, Zollgebühren und Landegebühren automatisch erfasst. Heute ist die Lösung Schweizer Marktführer. Dimo sagt: «Die Hälfte aller Regionalflugplätze und drei Viertel aller Flugclubs in der Schweiz nutzen unsere Lösungen.»

Den Goliath bezwingen

Mit der Entwicklung anspruchsvoller Prototypen für risikoreiche Projekte gewann die in Stallikon ansässige DimasterSoftware rasch das Vertrauen internationaler Technologiekonzerne und bedeutender Schweizer Institutionen: darunter IWC, IKEA, Zalando, Swisscom, PostFinance und der UBS.

Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Verbindung von physischer und digitaler Welt. Für PostFinance entwickelte Dimos Team beispielsweise den Prototyp eines kassenlosen Ladens auf RFID-Basis: Kundinnen und Kunden nehmen Produkte aus dem Regal und verlassen das Geschäft, während Sensoren den Einkauf automatisch erfassen und abrechnen. Gemeinsam mit der Kommunikationsagentur JEFF Zürich AG gründete die DimasterSoftware zudem das Joint Venture Staay AG, das interaktive Hightech-Markeninstallationen, AR-, VR- und Gamification-Lösungen für nationale und internationale Marken, unter anderem für die Swisscom auf einigen der grössten Festivals der Schweiz realisiert, darunter das Openair Frauenfeld, das Paléo Festival und das Openair Gampel.

Zwei Welten, eine Philosophie

Von seinem ruhigen Standort in Stallikon aus betreut Dimo heute ein wachsendes internationales Kundenportfolio in den USA, Asien, Spanien, Italien und Frankreich. Anstatt die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz als Bedrohung für die Softwareentwicklung zu sehen, hat er Methoden des maschinellen Lernens konsequent in seine Entwicklungsprozesse integriert. Dabei bleibt seine Grundhaltung unverändert: «Unser Ansatz ist derselbe geblieben: Wir wollen Dinge lösen, die andere für schwierig oder unmöglich halten. Und wir versuchen immer, bei neuen Technologien einen Schritt voraus zu sein.»

Die Fliegerei prägte auch seine Arbeitsweise bei komplexen Softwareprojekten für Behörden und internationale Unternehmen. «Das Fliegen hat mir gezeigt, wie wichtig Checklisten sind – selbst wenn man genau weiss, was zu tun ist. Sie helfen zu überprüfen, ob wirklich alles korrekt erledigt wurde. Gerade im Projektmanagement, wenn es hektisch wird, ist eine klare Struktur enorm wertvoll.»

Für Dimo bedeutet Unternehmertum nicht, möglichst grosse Firmenstrukturen aufzubauen oder Unternehmensbewertungen hinterherzujagen. Entscheidend ist für ihn die Freiheit, anspruchsvolle technische Probleme zu lösen – von seinem Standort in Stallikon aus. Seine unternehmerische Philosophie fasst er so zusammen: «Wenn etwas nicht funktioniert, dann nicht, weil es unmöglich ist – sondern weil man es noch nicht lange genug oder nicht hartnäckig genug versucht hat.»

Mit der Serie Unternehmerinnen und Unternehmer stellt der Anzeiger in lockerer Folge Unternehmerpersönlichkeiten vor und würdigt damit deren Engagement für den Wirtschaftsstandort Knonauer Amt. (red)

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