«Die frisst hier kein Kilo Salz!»

Nach turbulentem Einstand feiert Renata Schönbächler 20 Jahre Wirtin auf dem «Adler»

Renata Schönbächler (ganz rechts) im Kreise ihrer Eltern und Geschwister während der Jugendjahre in Jonen. (Bild zvg)

Renata Schönbächler (ganz rechts) im Kreise ihrer Eltern und Geschwister während der Jugendjahre in Jonen. (Bild zvg)

Renata Schönbächler flankiert von ihren Edelhelfern Silvio Brotschi (links) und Werner Lüthi. (Bild Martin Platter)

Renata Schönbächler flankiert von ihren Edelhelfern Silvio Brotschi (links) und Werner Lüthi. (Bild Martin Platter)

Am 1. November 2006 trat Renata Schönbächler ihre Arbeit als Wirtin des Kappeler Restaurants Adler an. 20 Jahre später kann sie über ihren nicht ganz einfachen Einstand lachen. Doch Anfang November 2006 war ihr nicht danach zumute. Dabei hatte alles so gut begonnen. Für die Feuerwehrhauptübung im Dorf öffnete sie den «Adler» bereits am 28. Oktober und hielt souverän der Invasion durstiger und hungriger Feuerwehrmänner stand, die sich ihrerseits freuten, dass es mit dem «Adler» weiterging. Nicht ganz so wohlwollend war dann ein Gast bzw. dessen Frau am offiziellen Eröffnungstag am 1. November. «Die frisst hier kein Kilo Salz», sagte sie zu ihrem Mann. Renata Schönbächler hörte die abfällige Bemerkung beiläufig. Bis heute ist ihr der schräge Spruch geblieben, eine derbe Ableitung des Volksmunds: «Man muss erst ein Scheffel Salz mit jemandem essen, bevor man ihn wirklich kennt» – oder vereinfacht: Die bleibt hier nicht lange.

Etablierte Wirtin mit musikalischen Wurzeln

Inzwischen hat sich Renata Schönbächler als Wirtin in Kappel etabliert und lässt sich von den Gästen auch nicht mehr alles bieten. Muss sie auch nicht, denn sie hat mit ihrer Leidenschaft und familiären Verbindung zur volkstümlichen Volksmusik nicht nur ein exklusives Alleinstellungsmerkmal. Für eine Gemeinde ist es bald ein Alleinstellungsmerkmal, überhaupt noch ein Dorfrestaurant zu haben. 2006 gab es in der damals 1000-Seelen-Gemeinde Kappel auch noch das Restaurant Post und den «Lindenhof» in Uerzlikon sowie im Umkreis von fünf Kilometern das «Sonnental» in Rossau, den «Schwanen» in Ebertswil, den «Hirschen» und das «Wiesental» in Hausen – alle sind verschwunden, die Grundstücke grösstenteils mit Wohnhäusern überbaut.

Renata Schönbächlers Affinität zur Volksmusik wurde ihr und ihren Geschwistern in die Wiege gelegt. Ihr Vater war die Ländlermusik-Legende Stanti Schönbächler, bekannt aus den Formationen Handorgelduett Schönbächler-Buser, Ländlerkapelle Schönbächler-Wachter – Letzterer war ein Neffe – sowie Kapelle Zimmermann-Schönbächler. Als «Swissair-Musig» bestritt Stanti Schönbächler sogar als fliegender musikalischer Botschafter internationale Auftritte. Renata Schönbächler erinnert sich gerne an ihre Jugend im aargauischen Jonen, wo die Eltern den Landgasthof Löwen zu einem schweizweit bekannten Volksmusikantentreffpunkt machten. Sie sagt: «Bei uns zu Hause gaben sich die prominenten Volksmusiker die Türklinke in die Hand.» Sie selbst war damals eine gute Jodlerin.

Jubiläum ganz im Sinne der Eltern

Im gleichen Sinne wie ihre Eltern führt sie nun schon seit 20 Jahren den Gasthof Adler in Kappel. Neben zahlreichen Volksmusikkonzerten und regelmässigen Stubeten schaute immer mal wieder auch das Schweizer Fernsehen SRF für Aufzeichnungen («Potzmusig», «Mini Beiz, dini Beiz») vorbei. Bei «Potzmusig» im Mai 2023 war die Sendung als Hommage an Renatas 1994 verstorbenen Vater gestaltet. Dabei trat auch ihr Bruder Thomas auf.

Das 20-Jahre-Jubiläum bringt durch den ganzen Monat September immer freitagabends ein veritables Volksmusik-Festival in den «Adler» nach Kappel (Details im Kasten). Es beginnt am 4. September gleich mit einem Knüller: Die Kapelle Carlo Brunner spielt. Und am Samstag gibts einen Frühschoppen ab 11 Uhr mit der Blaskapelle Windows – stets bei währschaftem Essen aus der gepflegten Küche und viel Gemütlichkeit. Während des ganzen Monats wird es auch unter der Woche zu spontanen Stubeten und Gesangseinlagen in der Gaststube kommen.

Dazu mussten zusätzliche Sitzplätze geschaffen werden. Ein Organisationskomitee um die Stammgäste Werner Lüthi und Silvio Brotschi hat mit tatkräftiger Hilfe lokaler Bauern die Terrasse wetterfest gemacht. Seither ist die Nervosität bei Renata Schönbächler noch grösser geworden. Sie ist aber auch dankbar für die grossartige Hilfe und erwähnt ganz besonders ihre Vermieter Reto Studer und Marco Vanoli, die ihre Vorhaben nach Kräften unterstützen. Im Anschluss ans Jubiläums-Volksmusik-Festival folgt am 26. September gleich der nächste Höhepunkt: die 15. Schweizer Hölzler-Meisterschaft. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Weitere Informationen: www.adler-kappel.ch

Jubiläumsprogramm

Freitag, 4. September, ab 18 Uhr: Kapelle Carlo Brunner

Samstag, 5. September, 11 bis 15 Uhr: Frühschoppen mit Blaskapelle Windows

Freitag, 11. September, ab 18 Uhr: Quartett Waschächt

Samstag, 12. September, 11 bis 15 Uhr: Frühschoppen mit MüKo, Toni und Heidi

Freitag, 18. September, ab 18 Uhr: Kapelle Gupfbuebä

Freitag, 25. September, ab 18 Uhr: HD Wachter-Rutz

Samstag, 26. September, ab 13 Uhr: 15. Schweizer Hölzler-Meisterschaft

Abendprogramm: 12 Franken Eintritt. Reservierung für alle Konzerte obligatorisch.

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