Die Weltbühne ruft

Swiss-Skills-Siegerin Gwenda Bösch will an den World Skills ihr Potenzial ausschöpfen

Gwenda Bösch, rechts, als Lehrlingsausbildnerin. An den Word Skills in Shanghai will sie ihr Bestes geben – und die Momente auch ein wenig geniessen. (Bild Martin Platter)
Gwenda Bösch, rechts, als Lehrlingsausbildnerin. An den Word Skills in Shanghai will sie ihr Bestes geben – und die Momente auch ein wenig geniessen. (Bild Martin Platter)

Es war ein Moment puren Glücks, als im September 2025 der Name Gwenda Bösch bei der Siegerehrung durch die PostFinance-Arena in Bern hallte. Die junge Fachfrau aus Stallikon hatte sich an den Swiss Skills durchgesetzt und wurde Schweizer Meisterin der Bäckerinnen-Konditorinnen. Damit hat sie sich vielleicht am meisten selbst überrascht, denn es war ursprünglich nicht ihre Idee, an der Berufsschweizermeisterschaft teilzunehmen. Ihr Lehrmeister Rafael Betschart sowie ihr Berufsschullehrer hatten sie zur Teilnahme überredet. Sie war skeptisch, ob sie an der Lehrabschlussprüfung Kantonsbeste werden würde. Sie wurde es mit ihrer Note von 5,5 – und setzte an den Swiss Skills dann gleich noch einen obendrauf.

Seither hat sich im Leben der jungen Berufsfrau einiges geändert: Unterstützt von der Schweizer Berufsnationalmannschaft und ihrem Berufsverband, bereitete sie sich seit Monaten intensiv auf die World Skills 2026 in der chinesischen Metropole Shanghai vor, die am 22. September beginnen und eine Woche dauern. Gemeldet haben sich 1400 Berufs-Champions aus 68 Ländern.

Training in Luzern und London

Ihr neuer Lebensmittelpunkt wurde die renommierte Fachschule Richemont an der Luzerner Seepromenade. Hier absolviert die Stallikerin ein straffes Programm. Ihr Arbeitsalltag ist eine Mischung aus intensivem Wettkampftraining und produktiver Arbeit: Gwenda Bösch steht regulär in der Richemont-Produktion und hilft bei überbetrieblichen Kursen, um ihr Wissen weiterzugeben. Ihre gelungenen Trainingsgebäcke landen dabei manchmal direkt auf den Tellern der Kundschaft. Um auch sprachlich und handwerklich auf internationalem Parkett Erfahrungen zu sammeln, machte sie ein einmonatiges Praktikum in England. Bei der bekannten Bäckerei Sourdough Sophia in London feilte sie an ihren Englischkenntnissen und überzeugte das Team vor Ort so sehr, dass man die talentierte Schweizerin am liebsten gleich behalten hätte. Daneben pflegt sie nach wie vor einen regen Kontakt zu den Bezugspersonen in ihrem Lehrbetrieb, der Bäckerei Betschart in Bonstetten.

Mit Zuversicht nach China

In Luzern ist die intensive Phase der Vorbereitung inzwischen abgeschlossen. Zusammen mit 42 weiteren Mitgliedern des Swiss-Skills-Nationalteams ist Gwenda Bösch am letzten Dienstag nach Shanghai abgeflogen.

Als Mitglied des Nationalteams trainierte sie unter den Augen ihrer Expertin Ramona Bolliger. Das Training forderte Perfektion unter grossem Zeit- und Wettkampfdruck. «Ich bin seit den Swiss-Skills viel offener geworden», reflektiert Bösch. Sie habe gelernt, unvorhergesehene Situationen im Training anzunehmen und als Lehrstücke zu nutzen. Ihre Trainerin lobt vor allem ihr Improvisationstalent und ihre Unbeschwertheit – Qualitäten, die in China entscheidend sein werden. Denn:

«Die Gastgeber sind sehr strikt. Wir dürfen den Backofen nur ganz kurz vor dem Wettkampf für einen Probelauf nutzen. Auch das Mehl wird in China anders sein. Wobei ich ergänzen muss, dass sich die Qualität des Mehls auch bei uns ständig verändert. Es kann sogar innerhalb derselben Ernte beziehungsweise Charge zu Qualitätsunterschieden kommen. Das ist eine der grossen Herausforderungen für mich», erklärt Bösch. Nicht ohne Stolz blickt sie auf das intensive Training und die Zusammenzüge mit dem Berufs-Nationalteam zurück. Eine äusserst vielseitige Zeit, in der sie auch mental und im Umgang mit den Medien geschult wurde. Sie sagt: «Ausgleich fand ich in meinem Hobby Reiten.» Ihr Ziel klingt geerdet: das Beste zu geben, jeden Moment zu geniessen und so viel wie möglich für ihre berufliche Zukunft mitzunehmen.

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