Drei Jahre «Ämtler Bon»: In kleinen Schritten zum Erfolg
Nach schwierigem Start gewinnt das digitale Bon-System zunehmend an Akzeptanz bei Gewerbe und Bevölkerung
Das Projekt startete im Dezember 2022 mit grossen Ambitionen. Mit der Einführung des «Ämtler Bon» wollte man, insbesondere nach den eher schwierigen Jahren der Pandemie, den Konsum in den Gemeinden ankurbeln und das lokale Gewerbe stärken. «Das grosse Ziel? Dass das Geld in unserer Gemeinde bleibt und unser lokales Gewerbe profitiert; ganz einfach!», lautete die zentrale Botschaft. Und unter dem Slogan «Lokal schenken, regional denken» sollte gleichzeitig ein flexibler, im ganzen Bezirk einsetzbarer Gutschein etabliert werden.
Zukunftsprojekt des Gewerbeverbands
Entwickelt wurde der «Ämtler Bon» als digitales Gutscheinsystem. Er kann bequem online gekauft werden und steht sofort als PDF oder in einer eigens entwickelten App in Form eines Barcodes zur Verfügung. Dieser Barcode lässt sich, digital oder ausgedruckt, an jeder Annahmestelle einlesen. Dafür benötigen die beteiligten Gewerbetreibenden lediglich ebenfalls eine App, mit der sie den Bon scannen können. Die Vorteile für alle Beteiligten liegen auf der Hand: Der Gutscheinkäufer kauft Geschenkbons im Wert von 10, 20, 50 oder 100 Franken und verschafft dem Beschenkten damit grosse Flexibilität. Die Gutscheine können überall eingelöst werden und nicht einfach nur in einem einzelnen Geschäft. Und für die Gewerbetreibenden bedeutet der Bon einen willkommenen Zusatzumsatz, ohne dass Kommissionen anfallen. Alles, was sie dafür benötigen, ist ein Smartphone.
Entwickelt und betrieben wird das System vom KMU- und Gewerbeverband Bezirk Affoltern (KGVBA), treibende Kraft hinter dem Projekt ist Thomas Frick, Präsident des Verbandes. An den Entwicklungskosten von rund 20000 Franken beteiligten sich der Arbeitgeberverband Bezirk Affoltern sowie die Standortförderung Knonauer Amt. Die laufenden Kosten für Server, Support, Weiterentwicklung der App und dergleichen trägt der Verband aus eigenen Mitteln.
Erfolg zum Auftakt, Ernüchterung im Verlauf
Der Start pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2022 verlief vielversprechend. Innerhalb kurzer Zeit wurden Bons im Wert von 5000 Franken verkauft. Danach flachte das Interesse jedoch spürbar ab. Es zeigte sich rasch, dass es einen erheblichen Einsatz benötigte, um genügend Käufer für den Bon zu gewinnen. Gleichzeitig erwies sich auch das lokale Gewerbe nicht als spontan begeisterungsfähig für neue Projekte dieser Art.
Im Gespräch betont Thomas Frick den «missionarischen» Aufwand, den er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter leisten müssen, um die Detaillisten von der Idee zu überzeugen. «Zum Teil tun sie sich sehr schwer», sagt er. Ein gewisses Unverständnis schwingt mit, wenn er ergänzt: «Die Geschäfte müssen lediglich das Geld entgegennehmen, es ist eine Ämtler Währung.» Die Gründe für das Zögern sind unterschiedlich: Einige befürchten zusätzlichen technischen Aufwand, andere gehen davon aus, dass sie als Annahmestelle Rabatte gewähren müssen und damit ihre eigene Stammkundschaft «kannibalisieren». Für Frick sind das bedauerliche Verständnis- und Kommunikationsprobleme, deren Klärung für den Gewerbeverband jedoch viel Zeit in Eins-zu-Eins-Gesprächen bedeutet. Technisch muss lediglich eine App installiert werden und Angebote können theoretisch über die App beworben werden, sind aber keineswegs Pflicht.
Strategiewechsel und Neustart nach Zwischenfazit
Nachdem sich der Verkauf im Jahr 2023 nicht wie erhofft entwickelte, entschied sich der Gewerbeverband 2024 zu einem Strategiewechsel. «Der Ämtler Bon entwickelte sich nicht schnell genug und es brauchte viel zu viel Aufwand!», lautete Fricks damaliges Zwischenfazit. In der Folge beschloss man, verstärkt eine neue Zielgruppe anzusprechen: institutionelle Kunden wie Gemeindeverwaltungen und Kirchengemeinden sowie Unternehmen in der Region. Diese Kunden haben über das ganze Jahr hinweg einen Bedarf an Mitarbeiter- oder Kundengeschenken und gleichzeitig ein Interesse an der wirtschaftlichen Stärkung der Region. Dieser Strategiewechsel erwies sich als Erfolgsmodell.
Heute liegt der Gesamtumsatz bei rund 34000 Franken in Bons, davon wurden allein 16000 Franken im Jahr 2025 gekauft. Positiv ist zudem, dass mittlerweile grössere Gemeinden regelmässig monatlich Bons bei Thomas Frick bestellen. Ziel ist es, einen Umsatz dieser Grössenordnung jährlich zu erzielen. Das erscheint durchaus realistisch, insbesondere dann, wenn es gelingt, weitere Gemeindeverwaltungen und andere institutionelle Kunden dauerhaft zu gewinnen.
«Wir wollen das zum Fliegen bringen»
Aktuell ist Thomas Frick daran, einen neuen Vorstand für den Verband zusammenzustellen. Dessen Aufgabe soll vor allem in der weiteren Verbreitung des «Ämtler Bon» liegen: «Der Vorstand stellt sich neu auf, um mit neuen Leuten und neuer Power dem ‹Ämtler Bon› Schwung zu geben», sagt Frick.
Derzeit wird der «Ämtler Bon» bei rund achtzig Annahmestellen akzeptiert, darunter Detailhändler, Gastronomiebetriebe sowie Dienstleister vom Coiffeur bis zum Gartenbaubetrieb. Ziel ist es, dass mittelfristig dreihundert bis dreihundertfünfzig Gewerbebetriebe teilnehmen. Am meisten profitieren von der Ämtler Währung aktuell der Detailhandel und die Gastronomie: «Es sind die Detaillisten und die Gastronomie, die den Umsatz machen, und das ist auch in Ordnung», so Frick. Andere Annahmestellen, wie auch er selbst mit seinem Architekturbüro, beteiligen sich eher aus Solidarität am Projekt. Mitglied kann grundsätzlich jeder Gewerbetreibende in der Region werden. Eine Verbandsmitgliedschaft ist nicht zwingend erforderlich. Für Nicht-Mitglieder fallen allerdings zwei Prozent Umsatzspesen an, für Verbandsmitglieder ist die Teilnahme kostenlos. Von den bislang verkauften 34000 Franken wurden bisher rund 10000 Franken eingelöst. Es kann für das Gewerbe also durchaus attraktiv sein, sich 2026 als Annahmestelle für den «Ämtler Bon» zu registrieren.






