Ein tristes Kapitel aus der Geschichte der Ämtler Wirtschaft

Vor genau 25 Jahren erfolgte die Betriebsaufgabe der OVA Produkte AG

Der Abbruch der OVA-Gebäude im Februar 2011. (Bild Archivbild -ter.)

Der Abbruch der OVA-Gebäude im Februar 2011. (Bild Archivbild -ter.)

Orlando Rabaglio, damals Vertreter der BDO Visura, der OVA-Nachlassverwalterin. Er war auch Urheber einer Einzelinitiative für höheren Wohnanteil auf dem Areal. (Bild Werner Schneiter)

Orlando Rabaglio, damals Vertreter der BDO Visura, der OVA-Nachlassverwalterin. Er war auch Urheber einer Einzelinitiative für höheren Wohnanteil auf dem Areal. (Bild Werner Schneiter)

Sie war während Jahrzehnten eine Institution im Säuliamt, die OVA in Affoltern. Der Volksmund nannte sie schlicht «Moschti», diese in der Region stark verankerte Genossenschaft, geprägt von heimischen und auswärtigen Bauern als Obstlieferanten. Das Geschäft der OVA, später in eine AG umgewandelt, lief während Jahrzehnten sehr gut – auch dank der Markengetränke, die sie hervorgebracht und diese mit Erfolg beworben hat: Fruchtsäfte wie Merlino, Purgold, Casinette, Apfelsäfte wie Urtrüeb, aber auch Spirituosen wie den Apfelcognac Pomac – und natürlich das schweizweit erste alkoholfreie Bier: Malti, beworben mit dem Spruch «Halt di an Malti». Die OVA produzierte auch Essig.

46 Mitarbeiter verloren ihren Job

Alles fest verankerte Marken, von denen sich unter anderen auch die Swissair bediente. Der Niedergang der OVA begann dann zu Beginn der 1990er-Jahre. So schrieb sie von 1991 bis 1999 Betriebsverluste von fast 12 Millionen Franken. Durch Wertberichtigungen und Betriebsdefizite waren die Reserven im Jahr 2000 schliesslich vollständig aufgebraucht. Ende Oktober folgte die Nachlassstundung, vor genau 25 Jahren – im Februar 2001 – die Schliessung des Traditionsunternehmens. 46 zum Teil langjährige Mitarbeiter verloren ihre Stelle, für einen Grossteil unter ihnen fanden sich adäquate Anschlusslösungen. Und die Fremo in Muri übernahm die gut eingeführten Marken der OVA. Der Niedergang des Traditionsunternehmens war während Jahren begleitet von zum Teil üblen Nebengeräuschen, ausgetragen auf juristischer Ebene – mit wechselseitigen Anschuldigungen, Verleumdungsklagen und anderem zwischen Verwaltungsrat und damaligem Direktor.

Initiative für höheren Wohnanteil

Die OBT als anfängliche Sachwalterin und schliesslich die BDO Visura als Nachlassverwalterin kamen dann ins Spiel. Der Betrieb mit immer noch vollen Tanks musste heruntergefahren werden. «Wir haben dann mit den Gläubigern einen Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung ausgearbeitet; diesem haben sie grossmehrheitlich zugestimmt», erinnert sich Orlando Rabaglio, damals für die BDO tätig. Auf der Liegenschaft bestand eine pfandgesicherte Forderung der CS in der Höhe von 15.6 Millionen Franken. Die Frage drehte sich vor allem darum, wie gut sich die Liegenschaft auf dem über 20000 Quadratmeter grossen Areal verkaufen lässt. Sie diente verschiedenen Firmen als Zwischennutzung. Vor allem drängte sich die Frage nach einer Umzonung von der Industriezone in eine Gewerbezone mit hohem Wohnanteil auf, was einen Verkauf des Areals erleichtert hätte. Der Gemeinderat argumentierte, das Areal müsse Arbeitsplatzzone bleiben. 2005 reichte der in Affoltern wohnhafte Orlando Rabaglio eine Einzelinitiative ein, die bei einer Überbauung einen Wohnanteil von bis zu 70 Prozent forderte. Die Initiative wurde im Rahmen einer emotionalen Gemeindeversammlung im Juni 2006 äusserst knapp, mit 119 zu 116 Stimmen, abgelehnt. Der Gemeinderat versprach damals bezüglich Wohnanteil «eine etwas flexiblere Haltung».

Aktionäre gingen leer aus

Die Verkaufsbemühungen dauerten bis 2007, als der Deal mit der Nestor Immobilien AG (Zürich) zustande kam, nachdem frühere Verkaufsverhandlungen am Preis gescheitert waren. Der Verkauf brachte einen Erlös von 12.5 Millionen Franken. Die Gemeinde bezog daraus knapp 1.5 Millionen Franken Grundstückgewinnsteuer. Die CS erhielt aus dem Verkauf noch rund 10.8 Millionen Franken; 4.8 Millionen Franken ihrer Hypotheken blieben ungedeckt. So kam die CS zusammen mit anderen Gläubigern in die 3. Klasse der Forderungen. Davon bekamen die Gläubiger knapp 24 Prozent ausbezahlt, insgesamt rund 2.5 Millionen Franken. Die OVA-Aktionäre gingen allesamt leer aus. Die lange Dauer dieser Verkaufsbemühungen, die schwierige Investorensuche und politische Zwischenspiele machten es schliesslich möglich, das OVA-Areal mit Zwischennutzungen und befristeten Mietverträgen zu belegen. Es nisteten sich Kleingewerbe, Altstoffhandel und Eventveranstalter ein, aber auch die Zingg Transporte AG aus Hedingen zählte vorübergehend zu den Mietern. Im April 2007 folgte schliesslich die Räumung. Die Hess Immobilien AG entwickelte das Areal, wie es sich heute präsentiert – mit hohem Wohnanteil dank der Senevita.

Ruhe kehrte aber danach noch nicht ein – nicht wegen des Bauherrn. Der ehemalige, inzwischen verstorbene Direktor gewann einen arbeitsrechtlichen Streit vor Bezirksgericht Affoltern und bekam gut 200000 Franken. Dieser reichte dann auch noch eine Beschwerde wegen angeblicher Rechtsverzögerung und -verweigerung durch die Liquidatorin ein. Sie wurde 2010 abgewiesen. Der Direktor wartete danach auch noch mit einer Strafanzeige gegen Verwaltungsrat und die damalige Revisionsstelle auf: wegen angeblicher Misswirtschaft, Verschleuderung von Aktiven in der Nachlassstundung und Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung – vergeblich. Das Verfahren wurde im Sommer 2012 eingestellt. Eine Schlussabrechnung dieser Liquidation erfolgte 2014, das Verfahren endete 2018/19 – fast 20 Jahre, nachdem die Arbeiter ihren Spind räumen mussten. Ein Kapitel Ämtler Wirtschaftsgeschichte fand sein Ende.

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