Nach einem Tag in der Schnupperlehre war alles klar

Serie «Start ins Berufsleben»: Ladina Simshäuser lernt im Spital Affoltern Gesundheitsfachfrau EFZ

Ladina Simshäuser demonstriert an einer Übungspuppe, wie man als Fachperson Gesundheit Patienten bei der Körperpflege unterstützt.

Ladina Simshäuser demonstriert an einer Übungspuppe, wie man als Fachperson Gesundheit Patienten bei der Körperpflege unterstützt.

Ladina Simshäuser zeigt, wie sie beim Zusammenstellen der Utensilien für Ihre Arbeit an den Patienten vorgeht. (Bilder Marcus Weiss)

Ladina Simshäuser zeigt, wie sie beim Zusammenstellen der Utensilien für Ihre Arbeit an den Patienten vorgeht. (Bilder Marcus Weiss)

«Ich war gerade im Büro beim Dokumentieren für eine Patientin, vorgängig hat ein Gespräch im Team stattgefunden, wobei ich mir Notizen gemacht habe», erklärt Ladina Simshäuser bei der Begrüssung des Gastes vom «Anzeiger». Wir sind im Spital Affoltern, und die Lernende hat an diesem Montagnachmittag bereits den Grossteil ihrer Aufgaben an den Patientinnen und Patienten bewältigt. «Ich hatte Frühdienst, da werde ich meist um halb drei Uhr vom Spätdienst abgelöst, die Arbeit ist dann aber noch nicht zu Ende», berichtet die 19-Jährige weiter. Sogenannte Aemtli würden im Anschluss noch folgen, darunter fallen Aufgaben wie etwa das Auffüllen von Schränken mit Verbrauchsmaterial sowie das Desinfizieren von Arbeitsutensilien. Ladina ist im zweiten Lehrjahr ihrer dreijährigen Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit EFZ, kann aber schon auf weitaus grössere Erfahrung im Umgang mit Patienten und medizinischen Gerätschaften zurückblicken, als man dies beim ersten Hören annehmen würde.

«Ich habe im letzten Sommer bereits meine zweijährige Lehre als Assistentin Gesundheit und Soziales EBA abgeschlossen, und ich konnte in meiner EFZ-Lehre nun nach drei Monaten schon vom ersten ins zweite Lehrjahr wechseln», berichtet die im aargauischen Villmergen wohnhafte junge Frau. Es sei innert Kürze klar geworden, dass sie mit ihren Kenntnissen bereit für das nächste Lehrjahr war und ein Verbleiben im Einstiegsjahr einer Unterforderung gleichgekommen wäre. Die Freude über diesen Erfolg ist der angehenden Fachkraft noch immer anzumerken, es funkelt regelrecht in ihren Augen, als sie erzählt. Ihr Berufsziel Rettungssanitäterin ist mit dem Überspringen einer Jahrgangsstufe ein gutes Stück nähergerückt.

Das durchlässige Bildungssystem zeigt seine Stärken

Die angehende Fachfrau Gesundheit hatte in der Oberstufe die Realschule im Kanton Aargau besucht, im Schulsystem des Kantons Zürich entspricht dies der Stufe C der Sekundarschule. «Sehr viele Schülerinnen und Schüler der Sek C bringen ideale Voraussetzungen für Pflegeberufe mit, als Einstieg ist für sie die EBA-Attestausbildung vorgesehen, bevor dann die EFZ-Ausbildung begonnen werden kann», führt dazu Sibylla Odermatt, Ausbildungsverantwortliche Pflege im Spital Affoltern, aus. Auf diese Weise erschliesst sich für die Lernenden das gesamte Spektrum an Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu einem Studium an einer Fachhochschule oder Universität, das nach dem Abschluss einer EFZ-Lehre offensteht. Ihre Ausbildung mit Eidgenössischem Berufsattest hat Ladina Simshäuser in einer Pflegeeinrichtung absolviert. War ihr dadurch auch der Spitalalltag von Beginn weg eine vertraute Welt? «Nicht ganz», antwortet die junge Frau. «Früher hatte ich Bewohnerinnen und Bewohner, die ich in- und auswendig gekannt habe, heute jedoch habe ich häufig eine geschlossene Türe vor mir und weiss nicht, wer dahinter ist.»

Pflegerische Handlungen an Patienten sind gewöhnungsbedürftig

Man müsse sich jeweils sehr rasch auf neue Persönlichkeiten einstellen und dürfe sich auch nicht verunsichern lassen, falls mal jemand schlecht gelaunt oder gar aggressiv auftritt. «Versuchen, die Gründe dahinter zu sehen und es nicht persönlich nehmen», dies sei das Credo in solchen Situationen. Am Anfang sei es auch gewöhnungsbedürftig gewesen, pflegerische Handlungen an Patienten vorzunehmen, während andere Patienten im Zimmer sind. «Dies ist aber normalerweise für mich schwieriger als für die Patienten, die sich meist schon sehr gut kennengelernt haben», resümiert Ladina Simshäuser mit einem Lachen.

Aufgrund der Spezialisierung des Spitals Affoltern unter anderem in diesem Bereich hat die in Ausbildung stehende Fachfrau Gesundheit oftmals mit akut geriatrischen sowie Delir-Patienten zu tun, die meist zwischen 14 und 21 Tagen auf der Abteilung verbleiben. Diese Begegnungen liefern ihr überaus wertvolle Erfahrungen im Umgang mit altersspezifischen Erkrankungen. So habe sie bereits gelernt, dass beispielsweise Delir-Betroffene eine ganz andere Tagesstruktur als geriatrische Patienten benötigen. Im Verlauf ihrer weiteren Ausbildung wird sie auch noch auf der Palliativ- sowie der psychiatrischen Abteilung eingesetzt werden. «Ich bin gespannt darauf, welche Spezialkenntnisse ich dort noch hinzugewinnen kann», blickt die Lernende nach vorne. Dass sie sich auf diese herausfordernden neuen Erfahrungen freuen kann, liegt auch daran, dass sie sich im Kreise der Mitarbeitenden bestens aufgehoben fühlt. «Das Team ist wie eine kleine Familie, ich war an den ersten Tagen überrascht und fast ein wenig überwältigt, wie offen man auf mich zugegangen ist und mich herzlich aufgenommen hat», erinnert sie sich. War schon immer klar für sie, dass sie einen Beruf im medizinischen Bereich erlernen möchte? «Nein, gar nicht, mein erster Berufswunsch seit dem Kindergarten war Polizistin», antwortet Ladina Simshäuser. Später sei der Wunsch in Richtung von technischen Berufen umgeschwenkt, so habe sie sich für eine Ausbildung als Motorradmechanikerin interessiert, und auch eine Lehre als Maurerin sei durchaus infrage gekommen. «Nach einem Sozialjahr, das ich bei einer Familie mit einem Zwillingspaar absolviert hatte, meinte meine Mutter dann, ich solle doch im Bereich der Pflege schnuppern gehen, sie sehe mich lebhaft in einem solchen Beruf», berichtet die junge Frau. Obwohl sie diesem Schnuppertag in einem Pflegeheim in Muri AG zuerst ohne grosse Begeisterung entgegengeblickt habe, sei bereits nach wenigen Stunden vor Ort alles klar gewesen: «Ja, das will ich machen, es ist genau das Richtige für mich», habe ihr Fazit gelautet.

Auf die Frage, welche persönlichen Eigenschaften man für diesen Beruf mitbringen sollte, antwortet Ladina Simshäuser, dass Empathie und Teamfähigkeit zentral seien, Offenheit gegenüber Patienten und Angehörigen sei in jeder Situation gefragt. «Wer Gutes tun will, als Mensch echt ist und gerne Dienstleistungen erbringt, ist hier am richtigen Ort», so die zusammenfassende Umschreibung. Nebst einer gesunden Einstellung zum Leben brauche es auch eine gewisse Robustheit an Körper und Seele, um in diesem Beruf längerfristig bestehen zu können, sowie Ausgeglichenheit im Charakter. «Vorbild sein für die Patienten – zeigen, wie es gelingen kann, nicht urteilen, immer Mensch bleiben», ist auch für die Ausbildungsverantwortliche Sibylla Odermatt der Leitgedanke im Umgang mit den anvertrauten Patienten. «Diese gelebte Mitmenschlichkeit ist zentral in unserem Beruf», fügt sie an.

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