Hausen begrüsst bald den 4000. Einwohner

Gemeindeporträt Hausen: Ausbau und Finanzierung der Infrastruktur bleiben zentrale Herausforderung

Das grösste Infrastrukturprojekt von Hausen: der Bau einer Dreifachturnhalle mit integrierten Tagesstrukturen. (Bilder Daniel Vaia)

Das grösste Infrastrukturprojekt von Hausen: der Bau einer Dreifachturnhalle mit integrierten Tagesstrukturen. (Bilder Daniel Vaia)

Von 1978 bis heute hat sich die Einwohnerzahl von Hausen verdoppelt, das Wachstum dürfte auch weitergehen: Baustelle am Wigarteweg in Hausen.

Von 1978 bis heute hat sich die Einwohnerzahl von Hausen verdoppelt, das Wachstum dürfte auch weitergehen: Baustelle am Wigarteweg in Hausen.

«Er läuft und läuft und läuft.» Mit diesem einprägsamen Satz wurde vor Jahrzehnten für den VW-Käfer geworben. In abgewandelter Form lässt sich der Satz auch auf die Gemeinde Hausen anwenden: Sie wächst und wächst und wächst. Noch in diesem Jahr dürfte die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner erstmals die Marke von 4000 überschreiten. Die Bevölkerungszahl hat sich damit seit 1978 verdoppelt; damals wurde die 2000er-Marke überschritten. Und die Zahlen werden in den nächsten Jahren weiter steigen, gemäss Prognose der Gemeinde jährlich um rund 40 Personen.

Ein solches Wachstum stellt eine Gemeinde vor eine ganze Reihe von Herausforderungen: Die Infrastruktur muss laufend angepasst werden (Strassen, Wasser- und Stromversorgung, Kanalisation, Schulen), die Verwaltung muss Schritt halten können, und nicht zuletzt gilt es, die Bedürfnisse einer neu durchmischten Bevölkerung zu befriedigen. Dabei gilt es unter anderem, die Vorstellungen und Ansprüche der Alteingesessenen mit jenen der Neuzuzüger unter einen Hut zu bringen. Eine anspruchsvolle Aufgabe. Antworten auf diese Herausforderungen muss in erster Linie der Gemeinderat finden – wobei das letzte Wort bei grösseren Projekten selbstverständlich die Stimmbevölkerung hat.

Hausen vor einer Richtungswahl

Einer, der Hausen bestens kennt und die Entwicklung der letzten Jahre stark mitgeprägt hat, ist Gemeindepräsident Stefan Gyseler (FDP). Gyseler, im Hauptberuf Treuhänder und Unternehmensberater; er tritt, nach zwölf Jahren im Gemeinderat und ebenso vielen als Gemeindepräsident, im März nicht mehr zur Wiederwahl an. Für ihn steht «Hausen vor einer Richtungswahl». Es stünden je vier Kandidierende aus dem linken wie aus dem bürgerlichen Spektrum für die Gemeinderatswahlen zur Wahl sowie eine Kandidatin von der SP und ein Kandidat von der FDP für das Präsidium. Gyseler: «Die Bevölkerung hat die Wahl, ob sie das ‹weiter wie bisher› oder lieber etwas Neues wählen möchte. Ich finde diese Wahlmöglichkeit optimal und es ist ein Privileg für die Hausemer Bevölkerung, eine solch grosse Wahlmöglichkeit zu haben.»

Und wo sieht Gyseler die grössten Herausforderungen für den Gemeinderat in den nächsten vier bis acht Jahren? Es ist der Ausbau der Infrastruktur, der schon seit einiger Zeit in vollem Gang ist. «Kindergarten Ebertswil, Schulgebäude, Reservoir, Anschluss an ARA Kanton Zug, Camping Türlen sind realisiert. Die Sporthalle mit Tagesstruktur ist im Bau. Ein grosses Thema wird wahrscheinlich noch das Dorfzentrum rund um den Postplatz werden.»

Das alles kostet. Für die nächsten Jahre sind Investitionen in der Höhe von 56 Millionen Franken geplant. Dabei die finanzpolitischen Zügel in der Hand zu halten, zählt ebenfalls zu den zentralen Aufgaben des künftigen Gemeinderats. Die nötigen Voraussetzungen für die vielen Investitionen schaffte der amtierende Gemeinderat in den vergangenen Jahren. So hatte man in den letzten zwölf Jahren zunächst die Schulden (Fremdkapital) getilgt und sich danach dem Ausbau der Infrastruktur zugewendet und die Steuerbelastung ins Visier genommen.

Finanziell steht Hausen heute äusserst komfortabel da. Das Nettovermögen der Gemeinde beträgt pro Kopf 8688 Franken. Nur gerade zwölf Gemeinden im Kanton weisen einen noch höheren Wert auf.

Keine Steuererhöhung

Gyseler ist überzeugt, dass trotz der anstehenden Investitionen und der vorübergehenden neuen Aufnahme von Fremdkapital keine Steuererhöhung nötig ist. Dazu komme, dass in den letzten Jahren die Prognosen der Finanzplanung immer übertroffen wurden: «Man dachte damals, dass wir Ende 2022 das erste Fremdkapital aufnehmen müssen. Das war aber bis heute nicht nötig.» Dazu beigetragen hätten nicht zuletzt finanzkräftige Neuzuzüger. «Die Verbesserung der Infrastruktur hilft der Standortattraktivität und zieht neue Steuerzahler an, teilweise aus dem Kanton Zug.» Grundsätzlich plädiert Gyseler für ein mässiges Wachstum. «Bisher hatte man es geschafft, dass dieses Wachstum in einem verträglichen Tempo stattfand. Es gibt immer noch Bauland in Hausen. Wenn das Wachstum nicht forciert wird und es in einem ähnlichen Tempo stattfindet, fände ich das begrüssenswert.»

Mangel an bezahlbarem Wohnraum

Und wie sieht es in Hausen mit der Altersstruktur aus? Die Geburtenrate ist in Hausen mit 6,1 Neugeborenen pro 1000 Einwohner relativ tief. Und gleichzeitig ist laut kantonaler Statistik die Hausemer Bevölkerung mit durchschnittlich 44,1 Jahren relativ alt. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus? Gyseler: «Themen wie Wohnen im Alter oder gemischte Wohnformen stehen vermehrt im Fokus wie auch die medizinische Infrastruktur. Hausen hat sich unter anderem immer zu einer starken Spitex-Organisation bekannt. Wir haben das Problem, dass wir zu wenig finanzierbaren Wohnraum für junge Menschen haben. Dies steht auch in dem Zusammenhang damit, dass die Gemeinde viel Wohnraum für Asylsuchende zur Verfügung stellen musste. Das hat den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Hausen verschärft.»

Sinkende Geburtenzahlen

In Bezug auf die generell sinkenden Geburtenzahlen sieht Gyseler keinen besonderen Handlungsbedarf für Hausen, speziell mit Blick auf die Schulraumplanung: «Wir haben laufend die Schülerprognosen mit den aktuellen Zahlen verglichen. Die Prognosen waren oft etwas zu hoch, aber nicht so, dass die Gefahr einer Fehlplanung aufkam. Zwar ist die Geburtenrate tief, aber auch die Zuwanderung ist ein Thema bei der Planung von Schulraum. Ich glaube nicht, dass sich hier etwas in absehbarer Zeit drastisch ändern wird und dass wir zu viel Schulraum haben werden.»

 

Wählerschaft ist leicht polarisierter als der Durchschnitt

Wer schon mal eine Gemeindeversammlung in Hausen erlebt hat, weiss, hier kann es manchmal hitzig zu und her gehen. Zumindest hitziger als in vielen anderen Gemeinden. Aus staatspolitischer Sicht ist die Diskussionsfreudigkeit willkommen, sie ist Ausdruck einer lebendigen Demokratie.

Wieso manchmal so leidenschaftlich argumentiert wird, ist eine andere Frage; eine einfache Erklärung findet sich dafür wohl kaum. Aber dass in Hausen die Meinungen etwas kontroverser sind als anderswo, das lässt sich anhand der Zahlen von den letzten Nationalratswahlen belegen. Die Angaben des Statistischen Amts des Kantons Zürich zeigen, dass in Hausen die Wählerschaft leicht polarisierter ist als im Bezirk und im Kanton. Will heissen, die Wähleranteile der SVP auf der rechten Seite des politischen Spektrums und jene von SP und Grünen auf der linken Seite sind ausgeprägter als im Durchschnitt im Bezirk Affoltern und im Kanton Zürich. So gaben 2023 in Hausen 34,1 % der Wählenden der SVP ihre Stimme (Bezirk 32,8 %, Kanton 27,4 %), 17,8 % der SP (Bezirk 15,5 %, Kanton 21,1 %) und 10,0 % den Grünen (Bezirk 7,8 %, Kanton 9,9 %). Mit anderen Worten: Die Pol-Parteien kamen in Hausen zusammen auf 61,9 % der Stimmen (Bezirk 55,7 %, Kanton 58,4 %). Entsprechend kleiner sind die Anteile der Parteien zwischen den Polen.

Bemerkenswert ist auch, dass die GLP sowohl in Hausen als auch im Bezirk die drittstärkste Partei war, noch vor der FDP (der Nummer 3 im Kanton). Ebenfalls bemerkenswert der relativ hohe Wähleranteil der Grünen von 10,0 %. Noch höhere Anteile erreicht die Partei in nur gerade fünf Gemeinden im Kanton, darunter Winterthur und Zürich und – als kantonale Spitzenreiterin – in Rifferswil (16,5 %).

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