Kunstvolle Metallarbeiten aus Uerzlikon
Moritz Häberling ist als Metallbauschlosser weitherum bekannt
«Ich nenne mich nicht Kunstschmied», erklärt Moritz Häberling. «Ich habe Metallbauschlosser gelernt.» Heute nennt man seinen Beruf «Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung». Die Tätigkeiten sind vielfältig: Sie fertigen und montieren Bauteile wie Gitter, Geländer, Metalleinfassungen und -verzierungen oder auch Gebrauchsgegenstände. Meist stellen sie Einzelstücke her, sei es nach Kundenwunsch oder nach eigenen Entwürfen. Gern reparieren und restaurieren Moritz Häberling und sein Team kunstvolle Schmiedeerzeugnisse aus längst vergangenen Zeiten.
Sucht man aber eine Esse mit loderndem Feuer und Blasebalg in der Werkstatt, findet man lediglich eine stillgelegte. Moritz Häberling ist Spezialist, wenn es um historisches Schmiedewerk geht, betreffend Arbeitsprozesse ist er aber auf dem neusten technischen Stand. Das Metall wird mittels Induktionsheizung erwärmt. Diese Methode mindert die Gefahren, die von offenem Feuer ausgehen. Die kontrollierbare Wärme schützt das Metall vor Überhitzung. Für Moritz Häberling spielen aber Umweltfragen eine grosse Rolle: Die Induktionsheizung reduziert die Emission von Treibhausgasen und unterstützt so eine sauberere und nachhaltigere Arbeitsumgebung. Er bezeichnet sich als «Energiefreak». Erneuerbare Energie wie Photovoltaik und ein E-Auto sind für ihn eine Selbstverständlichkeit.
Spuren seiner Tätigkeit
Gern würde man mit Moritz Häberling einen Stadtrundgang in Zürich machen. Man würde beispielsweise beim Barockportal und den Geländern beim Haus zum Rechberg über die originalgetreue, perfekte Schmiedearbeit staunen. Auch die Brückengeländer der Münsterbrücke und die gusseisernen Geländer am Rathausquai, am Utoquai und am Stadthausquai zeugen von seiner Handwerkskunst – wie auch die Kirchenbeleuchtung am Fraumünster und Kronleuchter im Opernhaus. Eine besonders beachtete Restaurationsarbeit sind Gusseisenveranda, Geländer, Zaun, Portal und Leuchten der Villa Tobler. Wirtshausschilder, Vordächer und sogar Kaltwasserduschen, designt von Max Frisch, im Freibad Letzi zeugen von seiner Kunstfertigkeit.
Ein Paradestück sind Jugendstilgeländer, Zaun und Portal der Villa Seerose in Horgen. Auch auf der anderen Seeseite gibt es sehenswerte Arbeiten, beispielsweise die Barockportale der Seehalde in Meilen.
Metallbrücken hat Moritz Häberling mit seinem Team hochprofessionell restauriert. In Wettingen hat er 7500 Nieten entfernt, alle Teile sandgestrahlt und wieder zusammengesetzt. «Brücken werden oft falsch restauriert. Übermalen reicht nicht», kommentiert Moritz Häberling
Auch Neu- und Spezialanfertigungen entstehen in Uerzlikon und werden vor Ort montiert. Moritz Häberling realisierte Portale und Gitter beim Crédit-Suisse-Hauptsitz am Paradeplatz. Bei seiner Werkstatt in Uerzlikon findet man noch alte Portale der CS.
Sammler und Restaurator
Einst lagerten hier auch die Tore der alten Tonhalle Zürich, die 85 Jahre als verschollen galten. Moritz Häberling sammelt alte Metallarbeiten, von deren Schönheit er sich immer wieder zum Kauf verleiten lässt. Rund um seine Werkstätten in Uerzlikon stapeln sich seine Sammlerstücke, von kunstvollen Toren, Gittern und Laternen bis zur Dampfmaschine, die er aus Chile importiert hat. Man nennt ihn – mit einem Augenzwinkern – den «Rostkönig von Uerzlikon».
Berufliche Laufbahn
Moritz Häberling zeichnete bereits als Junge gern und interessierte sich für Geschichte. Seine Mutter war Modezeichnerin, der Vater Fabrikspengler. Im Berufswahlalter entschied er sich für den Werkstoff Eisen. «Eisen ist gar nicht so hart und – anders als Steinmetze – wir können fehlerhafte Stücke einschmelzen und wieder neu bearbeiten», erklärt er.
Er absolvierte seine Lehre bei Werner Baur in Mettmenstetten und ist heute noch voll des Lobes für seinen Lehrmeister. Bereits mit 23 Jahren gründete er 1978 seine Werkstatt bei den Liegenschaften seiner Familie in Uerzlikon, wo er auch aufgewachsen war. Ein Hausteil geht beispielsweise auf das Jahr 1720 zurück.
Der Betrieb wuchs mit den Jahren. Auch die Familie, sechs Kinder haben er und seine Frau Margrit grossgezogen. 18 Lernende absolvierten ihre Lehre bei Häberlings und drei der Kinder wählten teilweise ähnliche Berufe: Oliver, gelernter Kupferschmied, und Pauline, gelernte Silberschmiedin, arbeiten heute im elterlichen Betrieb.
Klare Ziele
Moritz Häberling hat Visionen, beispielsweise betreffend Energie. In Zukunft will er die Energie für den Betrieb der Werkstatt selbst herstellen und speichern. Visionen waren zuerst die Events, die er mit seiner Frau Margrit realisierte. So stellte er beispielsweise riesige Rohre aus dem Gaswerk in Schlieren, gefüllt mit Holz, in Uerzlikon auf und liess Feuer darin entfachen, das in den Himmel loderte. Dazu spielte das Sinfonieorchester Tifico mit 90 Musikern die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel. Musik ist eine weitere Leidenschaft des «Metallers».
Visionen hat er betreffend die englische Dampfmaschine aus Chile. Sie soll – gekoppelt mit neun Jauchepumpen – ein Fast-Perpetuum-Mobile werden. Visionen hat der 70-Jährige auch betreffend seine Pensionierung: «Ich will nur noch Arbeiten ausführen, die mich interessieren.»
Dafür stimmen die Voraussetzungen. Er wird die florierende Firma nach einem Um- und Neubau der Werkstätten der nächsten Generation übergeben. Das Team mit langjährigen Mitarbeitenden, die ursprünglich als Grafiker, Koch und vor allem als Metallbauer arbeiteten, ist fest eingespielt. Er hat es über viele Jahre «an der langen Leine» auf Vertrauensbasis geführt. Seine Werte als Führungsperson und als Handwerker formulierte er stets klar, in seinem Sinne wird weitergearbeitet. «Ich bin kein Schnörkel-Schmied.» Präzise und qualitativ getreu den historischen Vorlagen wird bei Moritz Häberling gearbeitet – auch in Zukunft.
Mit der Serie Unternehmerinnen und Unternehmer stellt der «Anzeiger» in lockerer Folge Unternehmerpersönlichkeiten vor und würdigt damit deren Engagement für den Wirtschaftsstandort Knonauer Amt. (red)
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Jahre alt war
Moritz Häberling,
als er 1978 seine
Werkstatt gründete.








