«Kreativ sein zu können, ist mir ganz wichtig»

Cora Bollier lernt bei der Bäckerei Pfyl in Hedingen Bäckerin/Konditorin-Confiseurin EFZ

Cora Bollier zeigt ein Beispiel einer Torte, die in ihrem Lehrbetrieb gefertigt wird. (Bilder Marcus Weiss)

Cora Bollier zeigt ein Beispiel einer Torte, die in ihrem Lehrbetrieb gefertigt wird. (Bilder Marcus Weiss)

Adrette, aber dennoch bequeme Berufskleidung mit passender Mütze, dazu ein strahlendes Lächeln. So sieht jemand aus, der sich wohlfühlt in seinem Handwerk, dieser Gedanke stellt sich bei der Begegnung mit Cora Bollier gleich schon auf Anhieb ein. Wir sind im Café der Bäckerei Pfyl im Zentrum von Hedingen, und die 17-Jährige wird für unsere Serie von ihren Erfahrungen in der Lehre als Bäckerin/Konditorin EFZ berichten. «Ich war gerade dabei, Sablé-Stangen zu formen, sie werden dann in Scheiben geschnitten und zum Kaffee gereicht», so die junge Frau, die in Hedingen aufgewachsen ist und quasi in der Nachbarschaft zur Bäckerei wohnt. Cora Bollier ist bereits im dritten und somit letzten Lehrjahr, bedingt durch ihren Geburtstagstermin ist sie im Alter von fünfzehn Jahren in ihre Berufsausbildung eingestiegen. «Heute habe ich um fünf Uhr früh mit der Arbeit angefangen, normalerweise dauert mein Tag in der Backstube aber von sechs Uhr morgens bis um drei Uhr am Nachmittag», erfährt der Gast vom «Anzeiger». Als Erstes werde immer das Laugengebäck vorbereitet, da es dann noch im Gärschrank ruhen müsse, während das Team die anderen Brote – etwa Pfünder und Halbpfünder – herstelle. «In der Nachtschicht produzieren sie jeweils die Pirolle-Brote, die lang und gedreht sind, das werde ich bald auch üben können, wenn ich im März eine Woche dort eingesetzt werde», blickt die angehende Bäckerin nach vorne. Die Produktion des Betriebs befinde sich zentral in Hedingen, und am Morgen gelte es jeweils, die Zeit im Blick zu behalten, damit die zwei Touren, welche die Backwaren auf die anderen Filialen der Bäckerei verteilen, pünktlich starten können.

Sonntagsarbeit und Kurse in der Freizeit verdeutlichen Engagement

Dass sie als Lernende wie das übrige Personal zwischendurch am Samstag zur Arbeit eingeteilt ist, stört Cora Bollier nicht, die junge Fachkraft leistet sogar freiwillig jeden dritten Sonntag Dienst. «Es geht darum, die frischen Backwaren für die Filiale in der Raststätte Knonauer Amt herzustellen, die ja auch am Sonntag geöffnet ist», erklärt sie. Aus Solidarität mit dem übrigen Team habe sie sich vor einem halben Jahr dazu entschlossen, auch bei diesen Einsätzen mitzuhelfen. Auf die Frage, was ihr bei der Arbeit in der Bäckerei besonders gut gefällt, muss die Bäckerin/Konditorin in Ausbildung nicht lange nachdenken: «Ich habe riesige Freude daran, anspruchsvolle Konditor-Aufträge auszuführen, das mache ich wirklich mega gerne.» Strahlend erzählt sie davon, schon einzigartige Torten hergestellt zu haben, die auf Kundenwunsch beispielsweise richtiggehend um ein Kinderspielzeug herumgebaut waren, oder von einer «Vintage-Torte», die nach einem per Foto eingereichten Motiv verziert war. Schon während ihrer Lehre besucht Cora Zusatzkurse, für die sie mit Begeisterung Freizeit investiert. So gebe es beispielsweise Lehrgänge in Schokoladen-Artistik und Zucker-Artistik, ausserdem habe sie einen Kurs in Aarau besucht, bei dem sie modellieren gelernt habe. Unter diesen Vorzeichen verwundert es natürlich nicht, dass die junge Berufsfrau schon konkrete Weiterbildungs-Pläne für ihre Zeit nach der Lehre hat. «Im nächsten Sommer werde ich eine einjährige Zusatzlehre als Confiseurin anfangen», freut sie sich.

Zu Hause in der Küche zu backen, hat Cora Bollier schon als Kind begeistert. Dennoch sollte ihrer Ansicht nach nicht unerwähnt bleiben, dass dies hier nicht ganz dasselbe ist: «Man muss sich vor Augen halten, nicht alle, die als Hobby gerne backen, sind auch im Beruf automatisch am richtigen Ort in einer Bäckerei. Wir arbeiten als Team, man muss sich an die anderen Personen anpassen können und Flexibilität zeigen, ausserdem ist es vonnöten, körperlich fit genug zu sein, um den ganzen Tag stehen zu können.» Sie selbst sei am sogenannten Zukunftstag in der sechsten Primarschulklasse zum ersten Mal in ihrem jetzigen Lehrbetrieb zu Gast gewesen, später habe sie während der zweiten Klasse der Sekundarschule zweimal je fünf Tage hier geschnuppert. Sind dennoch auch andere Berufssparten in die engere Wahl gekommen für die ambitionierte Lernende, schliesslich ist ihr als Sek-A-Schülerin ja eine breite Palette an möglichen Lehrberufen zur Auswahl gestanden? «Ja, ich habe auch eine mehrtägige Schnupperlehre als Zeichnerin Architektur gemacht, die mir ebenfalls sehr gefallen hat», lautet die Antwort. «Meine Entscheidung für den Bäcker/Konditorberuf war dann aber eine ganz bewusste, weil ich glaube, hier meine Kreativität am unmittelbarsten ausleben zu können.» Ihre Eltern hätten sie nicht in eine bestimmte Richtung drängen wollen, sondern sie ermuntert, das zu machen, was ihr selbst Freude bereitet. Auch Coras drei ältere Schwestern haben ihren je ganz eigenen beruflichen Weg eingeschlagen, der von Drogistin über Physiotherapeutin bis hin zu einem Jurastudium reicht.

Schon zwischen Mitte April und Mai steht für die Lernende aus Hedingen der praktische Teil der Lehrabschlussprüfung an, im Juni folgen dann die Theorieprüfungen an der Berufsschule BBW in Winterthur, wo sie einen Tag pro Woche unterrichtet wird. «Dafür schreibe ich für mich selbst Zusammenfassungen von Fachbüchern, ich arbeite sehr gerne in Bibliotheken, weil ich die Atmosphäre dort liebe», führt sie aus. Auch die Theorie sei in ihrem Fach nicht staubtrocken, sondern im Gegenteil hoch spannend, man lerne unter anderem, warum im handwerklichen Bäckerbetrieb so viel weniger Zusatzstoffe als bei der industriellen Fertigung benötigt werden.

Dass kreative Menschen in der Ausbildung als Bäcker/Konditor(in) am richtigen Ort sind, bestätigt auch der Ausbildungsverantwortliche von Cora Bollier, Hansjörg Wetli. «Wir arbeiten mit den Händen, dies ist gerade in der heutigen Zeit ein grosser Pluspunkt», findet er. Auch er erwähnt, dass der Beruf kräftemässig fordernd ist und eine gewisse körperliche Robustheit voraussetzt. «Man trägt den ganzen Tag Bleche und Mehlsäcke, und man muss bei der Arbeit immer stehen, dies ist nicht zu unterschätzen.» Auch mit dem Zeitdruck in der Produktion sei in diesem Beruf umzugehen, ohne dadurch in Stress zu geraten. Er selbst verlasse sich jeweils auf seine Intuition, wenn er beurteilen müsse, ob seine Schnupperlernenden für die Ausbildung geeignet seien. «Diejenigen, die wirklich hier hingehören, erkenne ich daran, dass ihre Augen zu glänzen beginnen, wenn sie bei uns am Tisch stehen und Spitzbuben machen dürfen», meint Hansjörg Wetli verschmitzt.

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