Vom Abfall zum Rohstoff
Besuch des hiesigen Arbeitgeberverbands im PET-Sortierwerk Hardwald der Agir
Es stinkt, es staubt vom gegenüberliegenden Kiesabbau, es ist laut und der Boden ist klebrig. Von den zahlreichen Förderbändern tropft übriggebliebene Flüssigkeit aus den zusammengepressten Kunststoffflaschen. Die Besichtigung der PET-Flaschen-Sortieranlage Hardwald ist nichts für Zartbesaitete. Täglich werden hier im Einschichtbetrieb von sieben Mitarbeitern 80 bis 100 Tonnen PET-Flaschen sortiert, für die Weiterverarbeitung in Ballen gepresst und für den Abtransport bereitgestellt.
Der Arbeitgeberverband des Bezirks Affoltern hatte zum Besuch am letzten Mittwoch in die 2023 eröffnete PET-Sortieranlage Hardwald der Agir an der Überlandstrasse in Unterengstringen eingeladen. Nach einer kurzen Begrüssung von Arbeitgeberverbandspräsident Thomas Naef wurden die rund zwei Dutzend Interessierten in zwei Gruppen von Agir-Verwaltungsratsmitglied Andreas Meyer und -Geschäftsleistungsmitglied Roger Dällenbach durch das Werk geführt. Ein imposanter Betonbau in der Dimension eines zehnstöckigen Gewerbebaus. Mit dem Unterschied, dass die zahlreichen Bänder der Sortieranlage und auch das Dach seitlich offen sind. Der Grund ist der Brandschutz, denn in der Abfallverwertung sind Schwelbrände eine latente Gefahr.
250 Tonnen PET – jeden Tag
Unten in der Anlage werden mit Lastwagen die unsortierten PET-Ballen angeliefert. «Pro Jahr sind das rund 100000 Lastwagenfahrten», erklärt Andreas Meyer. «Wir haben das leistungsfähigste PET-Sortierwerk der Schweiz gebaut und könnten im Dreischichtbetrieb sogar die gesamte Menge PET-Flaschen, die täglich in der Schweiz anfällt, sortieren.» Das sind rund 250 Tonnen – jeden Tag. Dank dessen, dass die PET-Flaschen zu Ballen gepresst werden, wird das Volumen um Faktor acht komprimiert. Ohne das Pressen würden also rund acht Mal mehr Lastwagenfahrten anfallen.
Auf rund 80 Prozent beläuft sich gemäss Meyer die Rücklaufquote der PET-Flaschen in der Schweiz. «Im Vergleich zu Deutschland, wo rund 98 Prozent gesammelt werden, ist das wenig.» Allerdings habe Deutschland ein Pfand von 25 Eurocent auf den Flaschen und betreibe ein aufwendiges Rücknahmesystem mit Automaten, denn die Flaschen werden nur vom Absender zurückgenommen. «In der Schweiz würde das bedeuten, dass man eine Flasche nur dort zurückgeben könnte, wo man sie gekauft hat, damit das Pfand ausbezahlt würde.» Deshalb habe man von einem Pfand abgesehen. Das derzeitige System sei rund 220 Millionen Franken günstiger als ein Pfandsystem.
Aufwendiger Sortierprozess
Nachdem die Ballen aufgeschnitten sind, wird eine erste Vorsortierung vorgenommen. Dabei wird Kehricht und andere Fremdstoffe ausgesondert. Dann werden die Flaschen auf die Förderbänder verteilt. Mittels Computer, Infrarot und Pressluft werden die verschiedenen Flaschentypen nach Farbe – durchsichtig, Blau, Grün und Braun – und Material in Sekundenbruchteilen sortiert und danach wieder in Ballen gepresst für die Weiterverarbeitung. Rund 60 Prozent Recyclinganteil weist im Durchschnitt eine PET-Flasche auf, die – bei einem Reinheitsgrad von 99,7 Prozent des Recyclingmaterials – fünf bis sieben Mal recycelt werden kann. Noch etwas erstaunt: Gemäss Meyer wird eine PET-Flasche nach der Produktion mit einem Hochdruckreiniger gewaschen. Danach sei die Belastung durch Mikroplastik geringer als bei einer Glasflasche. Und: Mit der Abwärme der Kompressoren werden die Service- und Personalräume geheizt.
Wie ist die Agir als klassischer Baustofflieferant dazu gekommen, ins PET-Recycling einzusteigen? Schliesslich sind 18 Millionen Franken Investitionskosten kein Pappenstiel. Meyer sagt: «Es war eine öffentliche Ausschreibung vom Verein PET-Recycling Schweiz. Wir haben zunächst gezögert, weil PET-Recycling ein Verein ist, der sich jederzeit auflösen kann. Da wir aber mit unserer Tochterfirma Agir Aggregat bereits im Anlagebau tätig sind, haben wir trotzdem mitgerechnet und den Zuschlag erhalten.» Ein weiterer Faktor sei die Renditeaussicht von 11 bis 13 Prozent gewesen: «Das ist wesentlich mehr, als in unserem Stammgeschäft, dem Bausektor, verdient wird, wo sich die Renditen im Bereich zwischen 1 und 3 Prozent bewegen.» Der Ausklang der Besichtigung fand beim gemeinsamen Mittagessen im gegenüberliegenden Golf-Restaurant Nineteen statt: wohlriechend, ohne Staub und in Ruhe.
Das ist PET
Die Abkürzung PET steht für Polyethylenterephthalat. Es handelt sich dabei um einen thermoplastischen Kunststoff aus der Familie der Polyester, der unter anderem auf der Basis von Erdöl hergestellt wird. (red)






