Mit Show-Konditorei und KI in die Zukunft
Trotz momentaner Einschränkungen hat der Pöschtli Beck in Obfelden grosse Pläne
Die Post in Obfelden befindet sich schon lange in einem anderen Dorfteil. Der Name der Obfelder Bäckerei blieb bestehen. 2021 haben Annica und Benj Foster den Pöschtli Beck übernommen. Wegen der Corona-Pandemie war dies nicht gerade der beste Zeitpunkt.
Aber auch in diesem Jahr gibt es für das Paar mit zwei schulpflichtigen Kindern einige Herausforderungen. Der Wohnblock, in dem sich die Bäckerei befindet, wird derzeit umgebaut. Allen Wohnungsmietern wurde gekündigt, und seit Mai wird das Gebäude umfassend saniert. Und seit August befindet sich das Ladenlokal neu an der Tempo-30-Strecke, die die Gemeinde eingeführt hat.
Leichter Umsatzrückgang
Die Bauarbeiten machen sich beim Augenschein vor Ort bemerkbar. Ein Presslufthammer macht gerade viel Lärm. Nicht gerade das Ambiente für einen gemütlichen Kaffee, und trotzdem ist es drinnen fast voll. Das betont auch Geschäftsführer Benj Foster: «Die Umstände haben zu leichten Rückgängen im Umsatz geführt, aber die Stammkunden halten uns die Treue.» Und beide halten fest, dass man sich über die tolle Unterstützung freut. Ob jetzt Tempo 30 oder der Umbau den Rückgang verschulden, lässt sich nicht eindeutig feststellen. «Schwierig ist es aber, im Moment Neukunden zu generieren», erklärt Annica Foster.
Das Paar lässt sich davon aber nicht beirren. Der Umbau bietet auch neue Chancen. So entsteht in diesen Tagen das Fundament für einen Anbau. Dort wird unter anderem der neue Tiefkühler untergebracht. Der bisherige ist seit einiger Zeit defekt und musste durch ein unschönes Provisorium auf dem Parkplatz direkt vor dem Ladengebäude ersetzt werden. Bis Anfang 2027 soll der Tiefkühl-Container nun verschwinden.
Einblicke und Events
Mit dem Umbau zusammen kann im angrenzenden Gebäudeteil eine frei gewordene Fläche übernommen werden. «Dort entsteht der neue Konditorei-Bereich, welcher mit den grossen Schaufenstern auch gleich als Show-Konditorei fungieren wird», erklärt Benj Foster. Für bis wann dies fertiggestellt sein wird, wollen die beiden keine Prognose abgeben. Zu viele Verzögerungen habe es schon beim Umbau gegeben. Sicher ist, dass man auch Events für Firmen oder Geburtstage plant. «Hoffentlich sind wir für Ostern bereit und können zum Beispiel Osterhasengiessen anbieten», meint Annica Foster.
An den weiteren Dienstleistungen soll nichts geändert werden. Neben dem Ladenlokal mit Café ist der Pöschtli Beck auch ennet der Reuss aktiv. In Merenschwand werden im Bröt-Hüsli und im Znüni-Bus auch Teile des Sortiments angeboten. Zudem ist man jeweils am Samstag am Wochenmarkt in Affoltern mit einem Stand vertreten. Auch werden zahlreiche Institutionen und Restaurants in der Region beliefert.
Angesprochen auf ihr Alleinstellungsmerkmal fällt das Stichwort UrDinkel. Damit wird reiner, ungekreuzter Dinkel bezeichnet. Die Kunden kämen teilweise von weit her, um ihre UrDinkel-Produkte zu kaufen. «Mit süssen und salzigen Produkten haben wir ein grosses Sortiment dazu», erklärt Benj Foster. Als Urgetreide sei es verträglicher und bekömmlicher.
Künstliche Intelligenz plant
Auch sonst zeigt sich der Betrieb innovativ. Die Planung, wie viele Brote, Gipfeli oder Bürli produziert werden sollen, wird seit einigen Monaten durch künstliche Intelligenz unterstützt. Dabei fliessen einzelne Verkaufszahlen, Vorjahresdaten und sogar Wetterprognosen in die Berechnung ein. «Wir wollen so möglichst Foodwaste verhindern», sagt Annica Foster dazu. Das System wird von einer Firma speziell für Bäckereien und Gastronomen angeboten.
Beim eingespielten Team kümmert sich Benj Foster um die Bäcker-Angelegenheiten und Annica Foster um alles andere wie Verkauf, Buchhaltung, Administration und das Personal. Gut 20 Personen sind in Produktion und Verkauf angestellt. Benj Foster ist in Obfelden aufgewachsen, absolvierte seine Bäckerlehre in Wettswil und übernahm dann eine Saisonstelle in Davos. Annica Foster kam als Achtjährige in die Schweiz. «Die gute Bergluft und eine Arbeitsstelle zogen meine Mutter von Stuttgart nach Davos», erzählt sie. Sie hat dort eine Verkaufslehre im Detailhandel in Richtung Uhren und Schmuck abgeschlossen. Und in Davos lernte sie auch ihren späteren Mann kennen.
Nach beruflichen Stationen in der Zentralschweiz und Benjs erfolgreicher Berufsprüfung kam der Gedanke an einen eigenen Betrieb auf. Dank einer Vermittlungsfirma stiess man auf Nik und Erika Vogel, welche den Pöschtli Beck abgeben wollten. Für Benj Foster schloss sich damit ein Kreis, denn bereits seine Schnupperlehre als Bäcker absolvierte er bei Nik Vogel.
Rekord mit Riesenbrezel
Auch einen Schweizer Rekord kann der Pöschtli Beck für sich verbuchen. Anfang Juni backte Benj Foster für das Bierfest in Dietikon mit 100 Kilo Teig eine vier auf zwei Meter grosse Brezel. Dabei war nicht mal unbedingt die Teigmenge die Herausforderung, sondern ein Ofen, der die Riesenbrezel in einem Stück backen konnte. Mit vier Gasbrennern und einer eigenen Konstruktion gelang dies nach einigen Probeversuchen. Auch ein Gabelstapler kam zum Einsatz. Mit dem Verkauf der Brezel kamen 5000 Franken fürs Kinderspital Zürich zusammen. Sie selbst spendeten einen Teil der Rohstoffe und ihre Zeit für die Aktion.
«Wir wollen weiterhin auf unsere gute Qualität achten und auch für Kundenwünsche flexibel bleiben», sagt Annica Foster zur Frage nach ihren Zukunftsplänen. Benj Foster sieht im Catering-Bereich gewisses Potenzial.
Nach dem Gespräch mit dem «Anzeiger» wird der Tisch freigegeben und schon steht die angekündigte Gruppe mit zehn Personen im Café. Der Tisch wird sogleich wieder besetzt, und die beiden kehren zügig zu ihrer Arbeit zurück.








