Von Kindsbeinen an in der Autogarage

Stefan Müller übernahm den elterlichen Betrieb sehr früh

Stefan Müller führt seine freie Multimarkengarage erfolgreich in Zusammenarbeit mit AutoFit, einem Garagenkonzept, das es ermöglicht, als Garagist ein optimaler Dienstleister zu sein. (Bild Regula Zellweger)

Stefan Müller führt seine freie Multimarkengarage erfolgreich in Zusammenarbeit mit AutoFit, einem Garagenkonzept, das es ermöglicht, als Garagist ein optimaler Dienstleister zu sein. (Bild Regula Zellweger)

Stefan Müller ist einerseits ein Automechaniker der alten Schule: ein Tüftler, der gern repariert, technische Herausforderungen liebt und keine Angst hat vor schmutzigen Händen. Andererseits ist er ein neugieriger, wissensdurstiger Mensch, offen für Neues und sprudelnd vor Ideen. Aus eigener Erfahrung kann er von der Entwicklung der Motorfahrzeuge der letzten Jahrzehnte erzählen.

Sein Grossvater war Velomechaniker in Obfelden. Sein Vater Ernst Müller wechselte später zum Automobilbereich, damals waren Marken wie der englische Vauxhall in der Schweiz noch vertreten. Die Automarkenlandschaft wandelte sich und Ernst Müller übernahm 1973 die offizielle Vertretung von Datsun. Datsun war eine Tochtergesellschaft von Nissan und wurde 1981 in Nissan umbenannt. In den besten Zeiten in den 1980er-Jahren erreichte Nissan einen Marktanteil von 5,5 Prozent, heute sind es nur noch 1,1 Prozent. Bis 2025 blieb die Garage Müller offizielle Vertreterin der Marke Nissan.

Familienunternehmen

Ernst Müller verstarb 1986 früh, sein Sohn war noch in der Oberstufe. Seine Mutter Johanna übernahm daraufhin die Leitung der Garage; die drei Schwestern waren zu diesem Zeitpunkt bereits in der Lehre und im Beruf. Nesthäkchen Stefan schnupperte zwar in anderen technischen Berufen, doch für ihn war früh klar, dass er den elterlichen Betrieb übernehmen würde. 1988 begann er seine vierjährige Lehre im Betrieb, den seine Mutter führte; ein langjähriger Mitarbeitender fungierte als Lehrmeister.

Später absolvierte er die anspruchsvolle Weiterbildung zum Automobildiagnostiker mit eidgenössischem Fachausweis. Damit optimierte er sein Wissen zu mechanischen, hydraulischen, pneumatischen und elektronischen Komponenten und Systemen an Fahrzeugen. Er lernte, Fehler an Benzin-, Diesel- oder Hybridmotoren, an Antriebssystemen wie Kupplung oder Getriebe sowie an Federung, Bremsen oder Fahrerassistenzsystemen zu diagnostizieren. Zudem befasste er sich intensiv mit den wirtschaftlichen Aspekten der Betriebsführung und mit Mitarbeiterführung.

Heute arbeiten neben ihm zwei Mechaniker, eine Person in der Administration und eine im Rechnungswesen im Unternehmen. Johanna Müller engagiert sich mit 80 Jahren noch immer im Unternehmen. Stefan Müller ist seinen Eltern dankbar, insbesondere seiner Mutter, die es schaffte, nach dem Tod ihres Mannes als vierfache Mutter den Betrieb erfolgreich weiterzuführen, bis der Sohn übernehmen konnte.

Nase vorn

Stefan Müller bildete sich stetig weiter, nicht weil er musste, sondern weil ihn interessierte, wie sich die Automobilbranche weiterentwickelt. Viel Wissen eignete er sich über das Internet an. Heute arbeitet die Garage Müller als selbstständiges Unternehmen, angeschlossen an AutoFit.

AutoFit bietet freien Multimarkengaragen umfassende Unterstützung von Technik über Marketing bis hin zu umfangreichem betriebswirtschaftlichem Support an. «Es ist eine Win-win-Situation», erklärt Stefan Müller. «Der Betrieb bleibt unabhängig und wird nicht eingeschränkt, sondern Teil eines familiären Netzwerks. Das bedeutet beispielsweise, dass ich markenübergreifend Zugriff auf Diagnosegeräte, Ersatzteile und Zubehör habe. Zudem kann ich bei komplexen Fragen Spezialisten von AutoFit beiziehen.»

Stefan Müller ist stolz auf das Multimarkenkonzept. Es entspricht seinen eigenen Präferenzen und Kompetenzen: ganzheitlich denkend, unabhängig, nahe an den mechanischen Aspekten seines Berufs und der Fähigkeit, zu reparieren, was kostengünstig repariert werden kann. Er ist kein Befürworter jährlich neu angeschaffter Neuwagen – aus Umweltschutzgründen, denn jedes zu früh verschrottete Auto bedeutet einen unnötigen Energieverlust.

Er plädiert für Elektroautos, jedoch für kleine Modelle mit vernünftiger Leistung und Reichweite. «Grössere Batterien erhöhen das Gewicht, das ständig mitgeführt werden muss.» Auch hier gehe es um Vernunft und um das Bewusstsein für graue Energie. Graue Energie bezeichnet die gesamte indirekt eingesetzte Energie, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produkts benötigt wird.

Sich selbst treu

Stefan Müller ist heute 53 Jahre alt und gedenkt, seine Autogarage in Obfelden noch lange zu führen. Da er neugierig und vielseitig ist und sich gern in neue Wissensgebiete einarbeitet, hat er zusammen mit seiner Frau Selesia die Brennerei «zum Tröpfli» übernommen. Mit Herzblut ist er Brennmeister und sieht sich an der Schnittstelle von Technik und regionaler Obstverwertung.

Nicht nur technisch ist er ein Tüftler – auch als Brennmeister experimentiert er mit unterschiedlichsten «Tröpfli» und konnte bereits Erfolge an der nationalen Spirituosenprämierung erzielen. «Die Erfolge machen Lust auf weitere Entwicklung», sagt er. Dies gilt sowohl für die Brennerei als auch für die Garage.

Ausgleich findet er im Sport, beim Laufen und seit 20 Jahren in der chinesischen Kampfkunst. Das Geheimnis seines Erfolgs besteht darin, dass er sich mit Begeisterung und Wissensdurst einer Sache widmet, zuverlässig ist, viele Ideen und Visionen hat – und dabei bodenständig bleibt.

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