Zwischen Handwerk und Wandel
Wie Daniel und Stephan Käser Kontinuität in einer sich verändernden Druckbranche sichern

Daniel Käser und Stephan Käser führen gemeinsam die Käser Druck AG in Stallikon, ein Familienunternehmen, das über Generationen gewachsen ist und von technischem Know-how, unternehmerischer Erfahrung und einem klaren Verständnis für die Veränderungen in der Branche geprägt wird. Ihre unterschiedlichen beruflichen Hintergründe und gemeinsamen Werte bilden das Fundament eines Betriebs, der sich weiterentwickelt, ohne seine Identität zu verlieren.
Auf die Frage, welche Prinzipien trotz technologischem und marktbedingtem Wandel unverändert geblieben sind, nennen beide Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Für Stephan ist Transparenz gegenüber Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitenden zentral. «Es ist wichtig, offen zu sagen, was wir können – und was nicht», sagt er. Ebenso entscheidend sei Vertrauen: Zusagen einzuhalten und eine Beratung zu bieten, die sich am tatsächlichen Bedarf orientiert. Gleichzeitig bleibt fachliche und technologische Kompetenz unerlässlich in einer Branche, die sich laufend verändert.
Ergänzende Rollen
Die Zusammenarbeit der beiden Brüder ist durch sich klar ergänzende Stärken geprägt. Daniel, mit einem Hintergrund in Betriebswirtschaft, ist für die kaufmännische Seite verantwortlich, während Stephan als gelernter Drucker sich um die technischen Belange kümmert.
«Diese Rollenverteilung hat sich über Jahre bewährt und trägt zu ausgewogenen Entscheidungen bei», sagt Daniel.
Die enge Zusammenarbeit als Brüder empfinden beide nicht als Belastung. Gegenseitiges Vertrauen und Respekt bilden die Grundlage ihrer Kooperation. Berufliches und Privates werden weitgehend getrennt, Konflikte aufgrund vermischter Rollen spielten bislang kaum eine Rolle. «Wenn wir arbeiten, arbeiten wir. Und wenn wir uns privat sehen, ist es privat», hält Stephan fest.
Drucken im digitalen Zeitalter
Die Druckbranche wird häufig als aussterbendes Handwerk beschrieben, doch die Erfahrungen bei Käser Druck zeichnen ein differenzierteres Bild. Zwar haben digitale Medien das Druckvolumen insgesamt reduziert, dennoch schätzen viele Kundinnen und Kunden weiterhin physische Produkte. Laut Stephan ist es für viele Menschen nach wie vor wichtig, etwas in der Hand zu halten – zu lesen, aufzubewahren oder bewusst wahrzunehmen.
Daniel vergleicht gedruckte Produkte mit Vinyl-Schallplatten: Einst als überholt erklärt, haben sie aufgrund ihrer analogen Qualität wieder an Bedeutung gewonnen, weil viele Leute wieder etwas in den Händen halten wollen. Gedruckte Medien hätten deshalb weiterhin ihre Berechtigung, wenn auch in kleineren Auflagen und gezielteren Anwendungen.
Käser Druck ist stark regional verankert und bedient gleichzeitig Kundschaft über Stallikon hinaus. Rund ein Drittel des Geschäfts stammt aus dem Säuliamt, wo das Unternehmen seit Jahren mit Gemeinden und öffentlichen Institutionen zusammenarbeitet. Dazu gehören Abstimmungsunterlagen, Gemeindemagazine sowie weitere administrative Drucksachen für mehrere Gemeinden im Säuliamt. Damit leistet der Betrieb einen Beitrag zum reibungslosen Funktionieren kommunaler Verwaltungs- und demokratischer Prozesse.
Darüber hinaus betreut Käser Druck Kundinnen und Kunden im Raum Zürich sowie in anderen Teilen der Schweiz. Öffentliche Aufträge bilden eine wichtige Säule des Geschäfts, ergänzt durch private Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen.
Wettbewerb jenseits des Preises
Wie viele Schweizer Druckereien steht auch Käser Druck im Wettbewerb mit Online-Anbietern und ausländischen Produzenten, die mit tieferen Preisen operieren. Die Brüder begegnen dieser Situation realistisch: Aufgrund höherer Lohn-, Infrastruktur- und Lebenshaltungskosten könne die Produktion in der Schweiz preislich oft nicht mithalten.
Anstatt sich auf einen reinen Preiswettbewerb einzulassen, positioniert sich Käser Druck bewusst in Bereichen wie kleineren Auflagen, spezialisierten Druckaufträgen und persönlicher Beratung. Kundinnen und Kunden kämen häufig nach enttäuschenden Erfahrungen mit Online-Druckereien ins Unternehmen, nachdem sich gezeigt habe, dass günstige Preise nicht automatisch brauchbare Resultate liefern.
Ein entscheidender Unterschied liegt in der menschlichen Kontrolle: Druckdaten werden geprüft, Fehler erkannt und Rückmeldungen vor der Produktion gegeben. Diese Sorgfalt trage wesentlich zur langfristigen Kundenbindung bei.
Blick in die Zukunft
Für die Zukunft bleiben Daniel und Stephan vorsichtig optimistisch. Sie gehen davon aus, dass Druckerzeugnisse in bestimmten Bereichen – etwa bei Wahlen, amtlichen Dokumenten oder hochwertigen Printprodukten – weiterhin gefragt bleiben, während die Produktionsprozesse zunehmend digital werden. Technologien wie Inkjet- und Digitaldruck dürften den klassischen Offsetdruck schrittweise ablösen, wobei diese Veränderungen vor allem interne Abläufe betreffen.
Unverändert bleiben soll die Grundhaltung des Unternehmens: Kundinnen und Kunden zu verstehen, Lösungen zu bieten und verlässlich zu liefern – unabhängig von der eingesetzten Technologie. Ob sich Käser Druck künftig in Richtung Medien- oder Inhaltsdienstleistungen entwickelt, ist offen; Anpassungsfähigkeit wird jedoch als zentral erachtet.
Auch die Nachfolgefrage ist noch nicht entschieden. Zwar hat Stephans Sohn eine Ausbildung als Drucktechnologe absolviert und Interesse am Beruf, doch es besteht kein Druck in Bezug auf eine spätere Weiterführung. Der Fokus liegt derzeit darauf, das Unternehmen stabil, relevant und verantwortungsvoll weiterzuführen.
Ein Unternehmen mit Kontinuität
Daniel trat 1994 in den Betrieb ein, um die betriebswirtschaftliche Führung zu unterstützen, während Stephan einen klassischen Berufsweg im grafischen Gewerbe einschlug und nach seiner Ausbildung 1988 ins Unternehmen eintrat. Beide verbindet eine starke Beziehung zum Handwerk – und die Zufriedenheit, am Ende des Tages ein greifbares Ergebnis in den Händen zu halten.
Gemeinsam führen sie Käser Druck als Unternehmen, das für handwerkliche Qualität, Vertrauen und bedachte Weiterentwicklung steht – fest verankert in Stallikon und zugleich aufmerksam gegenüber wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen.


