«Die Natur liess mich nie los»

Tanja Rose ist Umweltfachperson und arbeitet seit zehn Jahren bei Ades

Tanja Rose mit zwei Energiesparkochern, die in Madagaskar hergestellt und von der Bevölkerung angewendet werden. (Bild Marianne Voss)

Tanja Rose mit zwei Energiesparkochern, die in Madagaskar hergestellt und von der Bevölkerung angewendet werden. (Bild Marianne Voss)

Das Treffen findet in den Räumen von Ades in Mettmenstetten statt. Bilder von Madagaskar, Solarkocher, Landkarten und Energiesparkocher sind beim Eintreten die ersten Eindrücke. Doch was bedeutet der Name dieser Organisation? Tanja Rose erklärt: «Ades steht für Association pour le Développement de l’Energie Solaire. Das Projekt startete vor 25 Jahren mit Solar- und Energiesparkochern. Heute gehören auch die Aufgabenbereiche Aufforstung und Bildung dazu.» Sie fasst die Ziele der Arbeit von Ades so zusammen: «Wir möchten die Lebensräume in Madagaskar erhalten, die Abholzung vermindern, die Armut bekämpfen und den Umweltschutz fördern.»

Vor zehn Jahren hat sich Tanja Rose für eine Stelle bei Ades beworben. «Ausgeschrieben war die Suche nach einer Allrounderin. Das passte genau zu mir.» Sie habe sich in den ersten Jahren vor allem um Administratives gekümmert, aber auch um die Freiwilligenbetreuung oder die Organisation von Marktauftritten. «Zudem war ich zuständig für alles Grafische. Ich betreute die Homepage und kreierte Flyer.»

Talent für Technisches

Warum das Grafische automatisch bei ihr lag, erklärt sie bei einem Rückblick auf ihren privaten und beruflichen Weg. Aufgewachsen ist sie in der Flughafenregion. Sie habe unter dem dauernden Lärm gelitten, doch ein Vorteil seien für sie die grossen Freiräume und Naturschutzflächen rund um den Flughafen gewesen. «Dort war ich schon als Jugendliche mit Pferden unterwegs und genoss die Natur.» Eigentlich habe sie sich einen Beruf mit Tieren gewünscht. Doch ihre Eltern seien der Ansicht gewesen, sie solle «zuerst etwas Rechtes» erlernen. Mit Glück fand sie eine Lehrstelle als Fotolithografin – heute Polygrafin. «Dort merkte ich, dass ich Talent und ein gutes Verständnis für technische Zusammenhänge habe. In der Berufsschule war ich eine der Besten.»

Sie arbeitete nach der Lehre in ihrem Beruf und erlebte den grossen digitalen Umbruch in der Branche. «Das war keine Herausforderung, denn ich habe mein ganzes Leben gerne Neues gelernt.» Sie wechselte die Stelle und arbeitete im Support für grafische Systeme. «Da ging es um Installationen, um Schulungen oder Unterstützung bei der Anwendung. Ich reiste in der ganzen Schweiz zu Kundschaft. Manchmal war das stressig, doch es machte in erster Linie Freude, anderen etwas beizubringen.» Einen weiteren Job übte sie in Cham aus, wo sie dann auch einige Zeit wohnte.

Privat und beruflich Sinnvolles tun

«Bei all meinen Tätigkeiten fehlte etwas: Die Natur, sie liess mich nie los. Daher versuchte ich, wegzukommen von der technischen Industrie und zur Natur zurückzukehren.» Sie war um die 30 Jahre alt, als sie begann, sich in verschiedene Richtungen weiterzubilden. «Ich setzte mich mit alternativen Tierbehandlungen auseinander, besuchte Kräuterkurse und erlernte den Umgang mit Klangschalen.» Schliesslich beschloss sie, Biologie zu studieren, und holte dazu die Matur nach. «Dieses Vorhaben musste ich aber fallenlassen. Stattdessen absolvierte ich in Biel am Bildungsunternehmen sanu future learning ag einen Lehrgang.» Bei einem Praktikum, wo es um Energieberatungen ging, habe sie gespürt: «Das ist der Schritt zu einem neuen Berufsfeld.» Die Stelle in Mettmenstetten war genau zu dem Zeitpunkt ausgeschrieben, als sie den Lehrgang zur Natur- und Umweltfachfrau abgeschlossen hatte.

Inzwischen wohnt Tanja Rose mit ihrem Partner in Ottenbach in einem Haus mit viel Umschwung. «Wir haben Katzen und einen grossen Garten. Einen Teil überlassen wir der Natur, einen Teil nutzen wir für Gemüse und Beeren.» Der Garten sei ein zeitintensives Hobby, das sie aber sehr gerne ausübe. «Ich hatte lange den Drang, sowohl beruflich wie auch in der Freizeit etwas Sinnvolles zu tun und der Natur etwas zurückzugeben. Das ist mir jetzt möglich, darüber bin ich sehr glücklich.»

Rückschläge gehören dazu

Bei Ades ist sie inzwischen zusätzlich für das Fundraising der Aufforstungsprojekte in Madagaskar verantwortlich. «Ich bin auch schon hingereist, doch es ist nicht nötig, dauernd den langen Weg dorthin zu machen. Unsere madegassischen und in Forstwirtschaft ausgebildeten Mitarbeitenden arbeiten mit lokalen Partnern zusammen.» Doch dieses Jahr, im Jubiläumsjahr von Ades, werde sie wieder nach Madagaskar reisen, um sich erneut vor Ort ein Bild der Situation zu machen.

Tanja Rose übt ihre Arbeit mit viel Motivation aus. Sie ist überzeugt und begeistert von dem Projekt und freut sich über ihren sinnspendenden Job. «Ich kann viel bewirken und zugleich gehören in der Entwicklungsarbeit auch Rückschläge dazu. Wir haben manchmal bestimmte Vorstellungen, die aber in der anderen Kultur nicht funktionieren.» Daher brauche es manchmal Geduld und Überzeugungsarbeit, damit Veränderungen möglich seien. Bei den Solar- und Energiesparkochern ist diese Überzeugung in der Bevölkerung Madagaskars inzwischen angekommen. Die Kocher haben sich im ganzen Land etabliert.

Schon fast unter der Tür verrät Tanja Rose noch ein weiteres, eher ungewöhnliches Hobby. «Ich gehe ab und zu tauchen, hier, in unseren Seen.» Sie treffe im Zuger- oder Zürichsee natürlich keine spektakulären Fische an. «Aber ich geniesse die totale Ruhe und das Abtauchen in eine andere Welt.»

In der Serie «Menschen im Säuliamt» berichtet Marianne Voss in loser Folge aus dem Leben von Menschen – ob jung oder alt, ob berühmt oder unbekannt –, die im Säuliamt wohnen oder hier ihren Arbeitsplatz haben. (red)

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