Ihre Herzen schlagen auch für die Schweizer Betonstrassen
Rolf Werner hat ein Buch geschrieben – eigentlich war es aber seine Frau Christine

Es gibt Leute, die widmen ihr Leben dem Fussball, der Musik oder der Politik. Rolf Werner hat sein Leben dem Beton verschrieben. Genauer gesagt den Betonstrassen. Der 79-Jährige aus Bonstetten hat seit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit mit dem Strassenbau zu tun gehabt. «Nach dem Studium, im Ingenieurbüro, konnte ich örtliche Bauleitungen von Strassen- und Autobahnprojekten übernehmen», erzählt er.
Nachdem er im Betonstrassenbau gelandet war, wurde der Einbau von Betonbelägen – egal ob mit schienengebundenen Maschinen und Gleitschalungsfertigern oder auch ganz einfach von Hand – sein täglich Brot. Und weil sein Arbeitgeber, die Betonstrassen AG Wildegg (BeAG), ein gewaltiges Archiv hat, wurden, wie er es nennt, «meine sämtlichen Forscher- und Entdeckergene aktiviert».
Grundstein gelegt vor 100 Jahren
So verwundert es nicht, dass er dabei realisierte, dass vor 100 Jahren, im Jahr 1925, in der Schweiz der eigentliche Grundstein gelegt wurde, den Betonstrassenbau einzuführen. Da lag es nahe, ein Buch darüber zu schreiben. Rolf Werner tauchte also ab ins Archiv. «Die unzähligen Dossiers zu lesen und zu verstehen, war das eine», schreibt er im Vorwort seines Buches «Betonstrassen – Geschichte und Geschichten rund um 100 Jahre Betonstrassenbau in der Schweiz», das am 5. Mai bei einer Vernissage vorgestellt wird. Das andere war, ein Buch darüber zu schreiben.
Und da kommt seine Frau Christine ins Spiel. Denn da sich Rolf Werner zwar mit den Details auskennt, sich aber nicht zum Autor berufen fühlt, war seine Frau die Rettung: «Ich habe 20 Jahre lang die Redaktion des Kirchenboten der reformierten Kirchgemeinde gemacht», erzählt sie. «Ich habe also Übung im Umgang mit Texten und schreibe überhaupt sehr gerne.» Aber ein Buch über Betonstrassen? Das gab ihr dann schon zu denken. «Wie soll man da etwas Spannendes daraus machen?», dachte sie sich und machte sich dennoch an die Arbeit. Denn: «Einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, könnte sich vielleicht doch lohnen», fand sie. Und tatsächlich: Neben vielen technischen Informationen erzählt das 220 Seiten starke Buch (in Deutschland und Österreich gibt es vergleichbare Werke, die jedoch viel umfangreicher sind) zum Beispiel, wie es zu der bei Rennfahrern beliebten Strasse auf dem Klausenpass kam und was die Besonderheiten der dort angelegten Strecke sind. Der Beizug von Werners Frau Christine war wahrscheinlich ein kluger Schachzug. Denn sie schaffte es tatsächlich, dem doch staubtrockenen Thema viel Frische und knackige Infos zu entlocken. Die vielen Bilder platzierte dann noch Sohn Tobias im Layout, sodass es sich bei der Autorenschaft um einen richtigen Familienbetrieb handelt.
Und wer glaubt, dass Rolf Werner jetzt aufhören würde mit Betonstrassen, der irrt: «Ich bin immer noch für Beratung und Expertisen für Verkehrsflächen in Beton tätig», erzählt er und fügt nicht ohne Stolz an: «Ich kenne alle Betonstrassen in der Schweiz.»
Die Buchvernissage findet statt am Dienstag, 5. Mai, um 17.30 Uhr am Flughafen Zürich, Besucherraum Dock B (Zuschauerterrasse B). Vor der Vernissage wird eine geführte Rundfahrt über das Flughafenareal angeboten (ab 14.30 Uhr).


