Familie Vogelsangers Beschäftigung mit Hans Waldmann
Neuauflage des Höngger Berichts über den Sturz des Zürcher Bürgermeisters

Er ist eine der schillerndsten Figuren der Schweizer Geschichte, der Bürgermeister von Zürich (1483–1489) und Heerführer der Alten Eidgenossenschaft, der bei der Schlacht von Murten massgeblich am Sieg über Karl den Kühnen beteiligt war: Hans Waldmann. Vor allem für seine militärischen Erfolge lebt er im nationalen Mythos weiter. Wenig ruhmreich ist dafür seine Zeit als Bürgermeister von Zürich und vor allem sein schauerliches Ende. Denn er wurde nach tagelanger Folter («durch fortwährendes Peinigen, Hängen und Strecken») am 6. April 1489 hingerichtet. Damit endete zunächst eine regelrechte Diktatur, die der charakterlich äusserst schwierige Waldmann, berüchtigt auch wegen seiner Prunksucht, seiner Alkoholexzesse und offener Hurerei, zum Schrecken der Zürcher Bürger und Bauern der Umgebung errichtet hatte.
Wie es zum Sturz Waldmanns kam, der ursprünglich aus Blickensdorf im Kanton Zug stammt (wo auch eine Baarer Sporthalle und eine Strasse in Blickensdorf nach ihm benannt sind), kann man in einem Büchlein nachlesen, das der frühere Schweizer Botschafter und heutige SVP-Bezirksparteipräsident David Vogelsanger aus Uerzlikon zusammengestellt hat. «Der dramatische Sturz des Zürcher Bürgermeisters Hans Waldmann – der Höngger Bericht eines Zeitzeugen von 1489», heisst das Buch, das im Wesentlichen aus vier Teilen besteht, von denen drei auch mit der Familie Vogelsanger zu tun haben. Zum einen hat Vogelsanger eine Einleitung geschrieben, die die weiteren Teile historisch einordnet. Im zweiten Teil ist die allerdings nicht leicht lesbare Handschrift des sogenannten Höngger Berichts von 1489 als Faksimile der Handschrift im Staatsarchiv Zürich publiziert. Vogelsangers Mutter Irmgard Vogelsanger-de Roche hat diese mittelalterliche Fassung in moderne Sprache übersetzt. Ihre Version ist sehr leicht lesbar.
In einem weiteren Teil beschäftigt sich Vogelsangers Vater Peter Vogelsanger ebenfalls mit dem grausamen Bürgermeister («Versuch über Hans Waldmann»). Zustande gekommen ist dieses Büchlein, weil David Vogelsanger von der Zürcher Zunft zur Waag als Herausgeberin den Auftrag bekommen hatte, für eine Neupublikation des «Versuchs über Hans Waldmann» ein Vorwort zu verfassen. Der Höngger Bericht, der dem Text zugrunde liegt, war auf Umwegen in den Besitz der Familie Vogelsanger gelangt.
«Das ist ein wirklich einmaliges historisches Zeugnis», schwärmt er. Thematisiert wird im Höngger Bericht auch ausdrücklich das heutige Knonauer Amt. Denn auch die hiesigen Bauern wehrten sich vehement gegen einen Versuch der Waldmann-Diktatur, deren Hunde töten zu lassen. An die 300 bewaffnete Bauern rotteten sich samt ihren Hunden in Mettmenstetten zusammen und erreichten vordergründig eine Abklärung der Rechtslage. Tatsächlich mündete der Aufstand – nachdem sich auch Zürcher Bürger daran beteiligten – im Sturz des Waldmann-Regimes.
Parallelen zur heutigen Zeit
Der Politiker Vogelsanger sieht nach ausführlicher Beschäftigung mit der über 500 Jahre alten Geschichte Parallelen zum heutigen Geschehen: «Den Mächtigen, auch wenn sie grosse Verdienste für sich beanspruchen können, ist immer genau auf die Finger zu schauen, und es sind ihnen enge Grenzen zu setzen. Das nennt sich Rechtsstaat und Demokratie.» Die Rechte des Volkes seien in jeder Epoche bedroht, warnt Vogelsanger: «Von innen und von aussen, von eigenmächtigen Politikern, selbst ernannten Pseudoeliten und überbordender Bürokratie.»
«Der dramatische Sturz des Zürcher Bürgermeisters Hans Waldmann – der Höngger Bericht eines Zeitzeugen von 1489». Zusammengestellt von David Vogelsanger. Herausgeber: Zunft zur Waag, Zürich.33 Franken, bestellbar bei: phwelti@bluewin.ch


