«Ich möchte so lange wie möglich selbstständig bleiben»
Heinz Maurer arbeitete bei einer Bank und bezeichnet sich als glücklichen Rentner

Fast 20 Jahre liegt die Pensionierung von Heinz Maurer zurück, und zu jenem Zeitpunkt bezog er die Wohnung in Sellenbüren. Der rüstige Herr ist stets auf Achse. «Um meinen Haushalt und die administrativen Dinge kümmert sich meine Tochter – natürlich gegen Entschädigung. Somit kann ich frei und unabhängig meine Zeit gestalten und geniessen.» Während er von seinem Leben erzählt, leuchten seine Augen. Ob es aufwärts- oder auch mal abwärtsging, er machte stets das Beste daraus und sah das Positive. Während des Gesprächs entsteht fast der Eindruck, bei ihm scheine immer die Sonne. «Ich möchte so lange wie möglich selbstständig bleiben», betont er. Darum ist es für ihn persönlich wichtig, sich um seine Fitness und Beweglichkeit zu kümmern sowie soziale Kontakte zu pflegen. Das geht er ziemlich bewusst und diszipliniert an. Er suchte lange nach dem für ihn geeigneten Fitness-Center. Jetzt habe er den passenden Ort gefunden, nämlich im Hotel Baur au Lac, wo auch Gäste von auswärts ein Abonnement für den Fitnessraum lösen können. «Fünfmal pro Woche bin ich dort und trainiere eineinhalb Stunden. Da kommt alles dran, die Muskeln sowie die Kondition.» Er habe sein eigenes Garderobenkästchen, was ihm ermögliche, nach dem Training in eleganter Kleidung an Veranstaltungen von Banken zu gehen. «An diesen Infoanlässen können auch Pensionierte teilnehmen. So bleibe ich à jour und treffe zugleich ehemalige Kollegen.» Einmal im Monat finde zudem der Glockenhof-Ü60-Stamm statt. «Auch das ist ein schöner gesellschaftlicher Anlass, wo wir Rentner uns treffen. Wir reden über alles, nur nicht über Bankthemen und Krankheiten.» Er lacht.
Quereinsteiger bei der Bank
Heinz Maurer ist in der Stadt Zürich aufgewachsen, nur die Ferien verbrachte er auf dem Land. «Ich war dann bei einer befreundeten Bauernfamilie, was mir sehr gut gefiel.» Er sei gerne zur Schule gegangen. «Ich war aber ein Minimalist. Ich habe nur so viel gelernt, dass ich die Prüfungen bestand.» Das änderte sich aber, als er das Gymnasium besuchte. «Dort setzte ich mich ein und war wirklich gut.»
Da sein Vater starb, als er noch zur Schule ging, schickte seine Mutter ihn ins Institut in Oberägeri, wo er die Handelsmatur abschloss. Nach einem Praktikum in Lausanne bei der Firma Agip – «um noch besser Französisch zu lernen»; studierte er in St. Gallen Ökonomie. Seine erste Anstellung war bei Unilever in der Marketing-Abteilung. «Ich war in der ganzen Deutschschweiz unterwegs und besuchte Betriebe oder Hotels, um Reinigungsprodukte zu verkaufen.» Durch einen Freund kam er dann aber in Kontakt mit einer Privatbank. «Dort blieb ich über 30 Jahre bis zur Pensionierung.» Wie das vor sich ging, erklärt er: «Damals konnte man noch auf diese Art quer einsteigen. Natürlich musste ich von der Pike auf alles erlernen: Anlagen, Hypotheken, Wertschriften. Ich absolvierte Weiterbildungen und arbeitete mich durch alle Abteilungen bis zur Kaderfunktion.» Er berichtet, wie noch vor der Computerzeit alles mit der Schreibmaschine eingetippt und gebucht wurde. «Die Coupons der Obligationen musste ich mit der Schere abschneiden, bündeln, zählen und dann auszahlen.» Es sei aber nie langweilig gewesen, sein Beruf habe ihm immer Freude gemacht. «Alles in meinem Beruf machte mir Spass. Dazu gehörten zum Beispiel die Kundenkontakte oder auch die stetigen neuen Herausforderungen. Ich lernte immer wieder dazu, vor allem, als dann die ersten Computer einzogen.» Schmunzelnd deutet er mit den Armen die Ausmasse dieser riesigen Maschinen an.
Was sonst für Seniorenhobbys?
Im Gespräch geht es nochmals um die Gegenwart und die Frage, was er sonst noch für Seniorenhobbys habe. «Da gibt es noch einige», verrät er. Seit jungen Jahren sei er Rennauto- und Oldtimer-Fan. «Entweder schaue ich mir die Rennen im Fernsehen an oder noch lieber reise ich hin und bin mit dabei.» Er steht auf, holt den sogenannten Rennkalender und zeigt der Besucherin sein bevorstehendes Programm.
Eine andere Beschäftigung ist das Reisen. Er war kürzlich in Slowenien und hatte letztes Jahr eine lange Kreuzfahrt von Genua bis nach Rio de Janeiro unternommen. In Brasilien war er schon mehrmals, da er dort den Kontakt zu einem ausgewanderten Bekannten pflegt. «Und ich spiele Golf.» Er fügt gleich an: «Aber das ist für mich kein Sport, sondern frische Luft, Kontakte, schöne Gegenden, gut essen und Konzentration.» Noch mehr Hobbys? «Nein, ich bin ein glücklicher, sportlicher Rentner. Das genügt.»


