«Ich möchte eine optimistische Stimme sein»
Ava Reindl engagierte sich in der Pfadi und steht jetzt beruflich vor einem Neuanfang

Noch wohnt Ava Reindl zu Hause in Wettswil in ihrem Elternhaus, wo sie mit zwei Geschwistern aufgewachsen ist. Im Wohnzimmer berichtet sie bei einem Kaffee zuerst begeistert von ihren Hobbys, dem Volleyball und der Pfadi. «Ein grosser Teil meiner Familie spielte Volleyball, ich war seit eh und je Mitglied im Club Volley S9.» In der Pfadi ist die junge Frau seit vier Jahren als Leiterin engagiert. «Meine beste Freundin motivierte mich dazu, und es macht mir sehr viel Spass, am Samstagnachmittag mit den Kindern in der Natur unterwegs zu sein.» In der Pfadi stünden der Teamgeist und das soziale Miteinander an erster Stelle. «Es gibt klare Regeln, und wir tragen der Umwelt und einander Sorge.» Während des Nachmittags bringe sie den Kindern jeweils auch etwas bei, wie zum Beispiel Knoten, Spurenlesen oder sportliche Techniken. «Natürlich geht es auch einfach um Spiel und Spass.» Inzwischen ist Ava Reindl auch Ausbildnerin für jüngere Leiterinnen. «Die Pfadi ist durch das Ausüben einer Leitungsposition eine gute Lebensschule.» Besondere Abenteuer seien jeweils die Weekends und Lager. «Da sind wir Leitenden manchmal ziemlich herausgefordert. Doch, wenn ich sehe, wie sich die Kinder freuen, dann macht mich das einfach glücklich.»
Viele Möglichkeiten im Hotelfach
Die aktuelle Weltlage erlebt Ava Reindl als frustrierend. «Ich fühle mich hilflos und weiss, dass ich die Welt nicht retten kann.» Umso mehr sind für sie positive Botschaften wichtig. «Ich möchte eine optimistische Stimme sein, indem ich vielleicht einem Kind ein Lächeln aufs Gesicht zaubern oder die Stimmung in einer Gruppe aufhellen kann.» Beim lebhaften Erzählen ist ihr der Optimismus ins Gesicht geschrieben. «Ja, ich unterhalte mich gerne, ich bin gerne kommunikativ, offen und fröhlich.» Das ehrliche Austauschen habe sie sicher auch in der eigenen Familie gelernt. «Wir sitzen zum Essen zusammen am Tisch und pflegen eine gute Gesprächskultur.»
Ava Reindl steht vor einschneidenden persönlichen Veränderungen. Ihre beiden geliebten Hobbys wird sie aufgeben. Sie holt etwas aus und erklärt: «Nach der Sek habe ich die Informatikmittelschule absolviert. Das Fach faszinierte mich. Das logische Denken liegt mir und macht mir Spass.» Das Umfeld erlebte sie während der Ausbildung jedoch eher als introvertiert. «Ich war oft die einzige Frau und musste ständig selbst Initiative ergreifen, um mich in eine Gruppe zu integrieren.» Sie zog die Ausbildung aber durch und schloss sie als Applikationsentwicklerin mit BMS ab.
Danach entschied sie sich für ein Zwischenjahr und eine Standortbestimmung. Nebst verschiedenen Aktivitäten sowie regelmässigem Kochen und Backen befasste sie sich in einer Berufsberatung mit ihren Zukunftsplänen. «Ich überlegte, ob ich eine Bäcker-Konditor-Lehre machen oder Lehrerin werden soll.» Auch ein Betriebswirtschaftsstudium an der ZHAW stand zur Auswahl. «Und die Hotelfachschule. Und dafür habe mich entschieden.» Warum? «Im Hotel- und Gastrobereich bieten sich mir sehr viele verschiedene Möglichkeiten, mich zu entwickeln, das ist spannend.» Sie habe an der Hotelfachschule Luzern an einem Infotag teilgenommen. «Ich erlebte die Atmosphäre dort sehr angenehm, sympathisch und persönlich.» Nach dem Anlass sei für sie die Entscheidung gefallen: «Genau das ist es!»
Abschied und Neuanfang
Dieser Schritt bedeutet für sie aber auch, dass sie nicht mehr regelmässig zu Hause wohnt und auch an Wochenenden arbeitet. «Ich freue mich riesig auf das Neue, aber ich muss auch loslassen. Der Neuanfang bedeutet zugleich den Abschied von meinen Hobbys. Das tut auch ein bisschen weh. Doch die Kontakte zu meinem Freundeskreis möchte ich natürlich weiterhin pflegen.»
Zurzeit ist Ava Reindl in einem Praktikum in einem Hotel in Gais, wo sie erste Erfahrungen sammelt. «Ich bin das ‹Mädchen für alles› und packe überall an, wo es nötig ist – in der Küche, im Restaurant, am Empfang oder beim Zimmerreinigen.» Im August startet sie dann in Luzern. «Die ersten zehn Wochen arbeite ich in der Küche, danach zehn Wochen im Service.» Die Ausbildung dauere vier Jahre und beinhalte verschiedene praktische Einsätze in Hotelbetrieben.
Ein Hobby kann Ava Reidl aber mitnehmen. Das ist das Lesen. «Ich lese extrem gerne und bin stolz auf mein volles Bücherregal.» Sie führt die Besucherin in ihr Zimmer und erklärt: «Die eingereihten Bücher habe ich alle gelesen, die aufeinandergestapelten noch nicht. Auf diese kann ich mich noch freuen.»


